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Branche Gesundheit

Christoph Stehr
"Gesundheit wird zum Wachstumsmarkt Nummer eins in den nächsten zehn Jahren", ist Wilfried von Eiff überzeugt. Der Leiter des Centrums für Krankenhaus-Management an der Uni Münster sieht in der Branche sogar den Schlüssel der Wirtschaftsentwicklung insgesamt.
"Gesundheit wird zum Wachstumsmarkt Nummer eins in den nächsten zehn Jahren", ist Wilfried von Eiff überzeugt. Der Leiter des Centrums für Krankenhaus-Management an der Uni Münster sieht in der Branche sogar den Schlüssel der Wirtschaftsentwicklung insgesamt: Nur wo die medizinische Infrastruktur stimmt, siedeln sich neue Industrien an und entstehen Jobs. Der steigende Anteil der über 60-Jährigen ab 2010, medizinischer Fortschritt sowie die boomende Wellness-Industrie sorgen für den nächsten Umsatzschub. Das Problem: Der gesetzlichen Krankenversicherung, die 60 Prozent der Ausgaben schultert, gehen die Beitragszahler aus. Die Politik steuert gegen. Mehr Wettbewerb unter Pharma- und Geräteherstellern, mehr Kostendruck auf die Ärzte, mehr Eigenbeteiligung der Patienten sollen das System retten.Beispiel Krankenhäuser: Ab 2004 müssen sie nach Fallpauschalen statt nach Tagespflegesätzen abrechnen. Ein Infarktpatient bringt dann einen einheitlichen Umsatz, egal wie lange er auf der Station liegt. Das wird einerseits Arbeitsplätze - etwa beim Pflegepersonal - kosten, glaubt Andreas Poensgen, Health-Care-Experte bei der Boston Consulting Group in Hamburg. Andererseits entsteht Bedarf an Klinikmanagern, Controllern und Marketingspezialisten, die wegen der unattraktiven Gehälter im öffentlichen Dienst bisher einen Bogen um die Branche machten. Nicht mehr lange: "Kein Wettbewerber kann sich auf Dauer erlauben, Führungskräfte nach BAT zu bezahlen."

Die besten Jobs von allen

Vorbei sei bald auch die "Monokultur in der Qualifikation". Doppelausbildungen, etwa in Medizin und IT, oder gemischte Teams setzen sich durch. Nur so lassen sich Qualitätssicherung und Kostensenkung in Einklang bringen.Health Care DispatcherProfil: Recherchiert und vermittelt kostengünstige, zugleich hochwertige Arzneimittel, Heilbehandlungen und Pflegeleistungen. Orientiert sich dabei an den Vorgaben der leitliniengestützten Therapie, die teure Individualbehandlungen ersetzen wird. Ist bei Krankenkassen, Kliniken oder Ärztenetzwerken angestellt oder arbeitet freiberuflich in deren Auftrag. Hat Medizin oder BWL studiert und eine Zusatzausbildung in der jeweils anderen Fachrichtung durchlaufen. Möglicherweise auch Absolvent einer der neu entstehenden integrierten Health-Care-Studiengänge, zum Beispiel Master-Programm Gesundheitsökonomie an der Uni Köln.Perspektive: Professionelle Handelsplattformen für medizinische Dienstleistungen und Produkte setzen sich durch. Health Care Dispatcher werden die Börsianer des Gesundheitssystems.PräventionsmedizinerProfil: Entwickelt vorbeugende Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheit. Berät und unterstützt Ärzte aller Fachrichtungen. Wird das Bindeglied in der Versorgungskette zwischen Hausärzten und Krankenhäusern, die sich mit der Einführung der Fallpauschalen aus der Präventionsmedizin zurückziehen. Ist bei Krankenkassen, Großpraxen, Wellness Centern, Sportverbänden oder in der betriebsärztlichen Versorgung großer Unternehmen angestellt. Bietet sein Know-how auch als Freiberufler an. Von Haus aus Mediziner, oft mit physiotherapeutischer oder ernährungswissenschaftlicher Zusatzqualifikation.Perspektive: Vorbeugen statt heilen - das haben sich alle Akteure im Gesundheitswesen auf die Fahnen geschrieben. Keine ärztliche Fachrichtung kommt mehr ohne Präventionsmediziner aus.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.05.2003