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Branche Bio-/Umwelttechnik

Felix Ullmann
Die "rote" Biotechnologie revolutioniert die medizinische Therapie und den Pharma-Markt. Künftig werden Medikamente nicht mehr die Symptome einer Krankheit bekämpfen, sondern direkt die Ursachen.
Die Dynamik der Biotechnologie ist enorm. Die Zahl der Spezialisten wächst jedes Jahr zweistellig - vor zwei Jahren waren es 14.500. An jedem der hoch bezahlten Arbeitsplätze in der Forschung hängen zehn Jobs in Produktion, Verpackung und Vertrieb. Die "rote" Biotechnologie revolutioniert die medizinische Therapie und den Pharma-Markt. Künftig werden Medikamente nicht mehr die Symptome einer Krankheit bekämpfen, sondern direkt die Ursachen. Biotech-Medikamente können zum Beispiel schon heute den lebensgefährlichen Grippevirus Influenza im Anfangsstadium ausschalten. Auch die "grüne" Pflanzen-Biotechnologie steht vor ihrem Durchbruch. Die Europäische Kommission hat angekündigt, die strengen Richtlinien zu lockern. Die USA und China bauen schon heute gentechnisch veränderten Mais, Soja und Baumwolle an. Die "graue" Biotechnologie steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Genutzt wird sie für die industrielle Produktion von Enzymen und anderen Wirkstoffen, die bislang nur aus Pflanzen oder Tieren gewonnen werden konnten.Mit der Biotech-Branche verwandt ist die Umwelttechnologie, die sich schon heute durch sämtliche Branchen zieht. Besonders gute Jobchancen sieht das Bundesumweltamt im Bereich Energiesparen und Wärmeschutz. Bis 2005 soll sich dort die Zahl der Arbeitsplätze gegenüber 1998 auf 45.000 verdoppeln. Die "erneuerbaren Energien" wie Solar- und Windkraft haben allein im vergangenen Jahr 120.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt verdienen rund 1,3 Millionen Menschen direkt oder indirekt in der Umwelttechnologie ihr Geld. Klassisch ausgebildete Ingenieure, Chemiker und Physiker sind in der Branche meist lieber gesehen als interdisziplinäre Alles- und Nichtskönner.

Die besten Jobs von allen

Nano-BiotechnologeProfil: Untersucht die Funktion biologischer Zellen auf molekularer und atomarer Ebene. Mit der Natur als Vorbild entwickelt er technische Systeme und Produkte. Beispiel: Autolacke, an denen Regen und Schmutz rückstandslos abperlen. Hat Biologie mit Schwerpunkt Biotechnologie, Biophysik oder Bionik studiert (www.studienführer-bio.de). Perspektive: Nanobiotechnologen zählen zu den Stars der Branche, weil sie praktisch jede gewünschte Produkteigenschaft konstruieren können. Entsprechend attraktiv sind die Jobangebote in der Industrie.MechatronikerProfil: Einer der wenigen Allrounder in der Umwelttechnologie. Verbindet Mechanik und Elektronik, etwa um die Motorsteuerung von Autos zu optimieren. Dabei hilft ihm sein Know-how aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Den ersten interdisziplinären Studiengang Mechatronik gibt es an der FH Regensburg.Perspektive: Hervorragende Jobchancen für den interdisziplinären Fachmann sieht Wulf Grimm von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Vor allem die Fahrzeugindustrie brauche Mechatroniker, aber auch in anderen Branchen würden sie zunehmend eingesetzt.Bio-PharmazeutProfil: Forscht nach neuen Medikamenten, etwa Impfstoffe gegen Brustkrebs. Kommt aus den Naturwissenschaften, hat eine medizinische Ausbildung aufgesattelt. Bisher gibt es vier Unis, die Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten.Perspektive: Mit einigen tausend neuen Arbeitsplätzen in der Biomedizin rechnet Carsten Roller, Geschäftsführer des Verbands deutscher Biologen. Das schlechte Image des Berufs - bedingt durch Tierversuche und Stammzellenforschung - wird sich wandeln, wenn Zellkulturen oder virtuelle Testsysteme die Forschung am lebenden Objekt überflüssig machen.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.05.2003