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Branche Beratung

Thomas Lünendonk, der die Branche seit Jahren beobachtet und Umsatz-Rankings veröffentlicht, glaubt, dass die "Business Innovation Partners" (BIP) den Markt erobern: Unternehmen, die beraten und gleichzeitig für die Umsetzung verantwortlich sind.
"Wir machen alles", sagt Stephan Scholtissek, der Sprecher der deutschen Geschäftsführung der Unternehmensberatung Accenture. "Alles" bedeutet vor allem Managementberatung und IT-Beratung. Noch dominieren spezialisierte Anbieter, McKinsey etwa für Managementberatung oder CSC Ploenzke für IT-Beratung. Thomas Lünendonk, der die Branche seit Jahren beobachtet und Umsatz-Rankings veröffentlicht, glaubt aber, dass die "Business Innovation Partners" (BIP) den Markt erobern: Unternehmen, die beraten und gleichzeitig für die Umsetzung verantwortlich sind."Ein Milliardenmarkt wird entstehen", sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der FH Rhein-Sieg. "Die Consultants tragen so auch einen guten Teil des wirtschaftlichen Risikos." Ihr Ziel: Geschäftsprozesse der Kunden herauszutrennen und profitabler zu führen, als diese es könnten. Die Kostenersparnis teilen sich dann BIP und Kunde.

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Accenture-Mann Scholtissek wähnt sein Unternehmen schon auf halbem Wege zum BIP. Zusammen mit der Bundesanstalt für Arbeit, der Schmidt Bank und Infineon gibt es erste Projekte, in die Erfahrungen aus dem angloamerikanischen Raum einfließen. Branchen- und firmenunabhängig stehen alle Geschäftsbereiche zur Disposition, die nicht zum Kerngeschäft der Kunden gehören, ist Scholtissek überzeugt: "Wir reden hier nicht nur über IT, wir reden über Finanzen, Controlling, Human Resources, die ganze Bandbreite." Das alles zu stemmen, sind erst ein paar Unternehmen bereit, so der Tenor der Experten. Nämlich die ganz Großen: Accenture, IBM, Cap Gemini, eben die mit ihren Abertausenden Mitarbeitern. Die Zeit drängt: In drei Jahren werde das BIP-Geschehen in Deutschland voll im Gange sein, schätzt Scholtissek.Christian Kleff Business Innovation IntegratorProfil: Sitzt bei Business Innovation Partners an den Schnittstellen zwischen Strategieberatung, Implementierung und Betrieb der ausgelagerten Einheit. Übersetzt und überwacht die Vorgaben. Ist beim BIP fest angestellt, braucht tiefgehende Kenntnisse aus allen drei Sparten. Ist daher auch außer an den Schnittstellen in den jeweiligen Sparten einsetzbar. Wirtschaftsingenieure kommen den Anforderungen derzeit am nächsten, deren Ausbildungsbreite reicht aber nicht aus. Spezielle Studiengänge sind angedacht, etwa an der FH Rhein-Sieg.Perspektive: Ohne den Business Innovation Integrator wird das BIP-Modell nicht funktionieren. Die Beratungsgesellschaften müssen deshalb an den Schnittstellen zwischen Beratung und Implementierung gehörig Personal aufbauen.Christian KleffE-LawyerProfil: Spezialisiert auf internationales Cyber-Recht. Weiß, welche Staaten laxe Datenschutzregelungen haben, was Kunden tun müssen, wenn E-Shops im Ausland Pleite machen und wo elektronische Unterschriften keinen Pfifferling wert sind. Experten in Sachen Urheberrecht. In erster Linie Juristen.Perspektive: Grenzenloser E-Commerce und E-Kooperationen breiten sich weiter aus: von Internet-Versteigerungen ganzer Fabriken über Web-Banking bis hin zum multimedialen Datentransfer zwischen Kunstwesen. Arbeit finden E-Lawyer in internationalen Kanzleien, in Software- und E-Shops, aber auch in herkömmlichen Unternehmen und Organisationen, die immer mehr juristische Probleme auf Grund der globalen Vernetzung und dem Entstehen virtueller Welten und Waren lösen müssen. Auch für Selbstständigkeit bestens geeignet.Claudia Obmann
Dieser Artikel ist erschienen am 20.05.2003