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Bombardier-Chef gibt auf

Der Boss des weltgrößten Verkehrstechnik-Konzerns Bombardier, Paul Tellier, ist am Montag überraschend zurückgetreten. Analysten gehen davon aus, dass ein Machtkampf der Hintergrund ist.
HB MONTREAL. Bombardier teilte mit, neben Tellier würden auch zwei Mitglieder des 14-köpfigen Boards ihre Posten räumen. Analysten sagten, Hintergrund sei offenbar ein Streit an der Unternehmensspitze. Telliers Aufgaben sollen im neu gebildeten Präsidentenbüro zunächst von dem 66-jährigen Verwaltungsratsvorsitzenden Laurent Beaudoin übernommen werden. Er gehört zur Familie, die den Konzern mit Sitz in Montreal kontrolliert. Dem neuen Führungsgremium gehören auch Pierre Beaudoin an, der die Luft- und Raumfahrtsparte des Unternehmens leitet. Als dritter befindet sich André Navarri, der Präsident der Bombardier Transportion, in dem Führungsgremium.Laurent Beaudoin wird die strategische Ausrichtung des Unternehmens kontrollieren, und die beiden anderen Spitzenmanager ihre jeweiligen Sparten. Bombardier ist der weltgrößte Schienenfahrzeughersteller und der führende Regional- und Geschäftsflugzeuganbieter.

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Bombardier ernannte zunächst keinen direkten Nachfolger für Tellier. Es sei die neue Stelle des Präsidenten geschaffen worden, die Verantwortung für die Strategie und Ausführung sollten neu verteilt werden. Beaudoin kündigte an, Telliers Restrukturierungspläne sollten weiter verfolgt werden.Bombardier-Titel fielen in Toronto zwischenzeitlich auf 1,87 Kanadische Dollar, erholten sich dann später auf 2,09 Kanadische Dollar und lagen 46 Cent unter dem Öffnungskurs. Das Handelsvolumen betrug mit mehr als 70 Millionen Aktien etwa acht Mal so viel wie im Durchschnitt der vergangenen 90 Tage.?Scheinbar gab es eine Meinungsverschiedenheit, die zum Abgang von Herrn Tellier geführt hat?, sagte Richard Stoneman von Dundee Securities. Steve Laciak von National Bank Financial sagte, es könne sich um einen Streit um ein geplantes neues Flugzeug-Programm gehandelt haben. ?Wir müssen mehr erfahren. Das ist offensichtlich eine schlechte Entwicklung?, erklärte er.Der 65-jährige Tellier war im Januar 2003 CEO von Bombardier geworden. Sein Arbeitsvertrag lief noch ein Jahr, doch trennte sich das Unternehmen einvernehmlich von ihm. In den vergangenen zwei Jahren hat er die Schneemobil-Sparte verkauft, Mitarbeiter entlassen und die Entwicklung eines neues Flugzeug-Modells mit 110 bis 135 Sitzen für zwei Mrd. Dollar auf den Weg gebracht. Anfang Dezember hatte Bombardier einen verschärften Sparkurs und die Streichung von 16 000 Stellen angekündigt angekündigt. Auch Deutschland ist mit 900 Arbeitsplätzen betroffen und hier besonders der Brandenburger Standort Hennigsdorf. Seit Tellier das Ruder übernommen hatte, waren die Bombardier-Aktien massiv gefallen, und Bombardier hatte sich trotz massiver Sparaktionen noch nicht gefangen.Bombardier hatte vor wenigen Tagen im Schienenfahrzeugbau weltweit weitere 2200 Stellenstreichungen angekündigt. Damit sollen nun bis bis April 2006 rund 7600 Arbeitsplätze in der Sparte Bombardier Transportation fortfallen, rund 21 % der Gesamtbelegschaft.Allein in Deutschland werden dabei 850 Stellen zusätzlich fortfallen. Bombardier hatte im Frühjahr bereits den Abbau von 1500 deutschen Stellen angekündigt.Bombardier setzte in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres elf (10,6) Mrd. Dollar um. Das Unternehmen wies einen Neunmonatsverlust von 141 Mill. Dollar oder neun Cent je Aktie aus gegenüber einem Gewinn von 255 Mill. Dollar oder 14 Cent je Aktie im entsprechenden Vorjahresabschnitt.
Dieser Artikel ist erschienen am 13.12.2004