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Bologna kurz und knapp

Dominik Schöneberg
Der Bachelor verschenkte in der gleichnamigen RTL-Show Rosen an paarungswillige Damen. Der Bachelor ist aber auch der Abschluss, mit dem künftig die Mehrheit der Studierenden die Universitäten verlassen wird. Junge Karriere erklärt, was es mit dem Bologna-Prozess auf sich hat und welche wichtigen Neuerungen die europäische Hochschulreform mit sich bringt.
Bologna-Prozess:
Bologna ist eine Stadt in Norditalien, hat rund 380.000 Einwohner, einen Fußballklub und zwei schiefe Türme. Nichts besonderes also für italienische Verhältnisse. Weltruf genießt aber die Universiät, die als die älteste in Europa gilt. Deswegen trägt Bologna den Beinamen "la dotta", die Gelehrte. Es war also kein Zufall dass sich 1999 die Bildungsminister aus 29 Ländern in der Stadt trafen. Seitdem steht Bologna für die Reform der europäischen Hochschulen: Bis 2010 wollen die inzwischen 40 europäischen Unterzeichnerstaaten des Bologna-Abkommen die alten Abschlüsse abschaffen und das zweistufige Bachelor/Master-System einführen. Unterschrieben haben neben den 25 EU-Staaten zum Beispiel auch Albanien, Russland, Norwegen und der Vatikan. Die Ziele des Abkommens: Europaweit sollen die Studenten vergleichbare Abschlüsse machen. Auslandsaufenthalte und die Anerkennung der dort erbrachten Studienleistungen sollen erleichtert werden. Ab 2010 soll es auch in Deutschland statt Diplomen nur noch Bachelor und Master geben

Bachelor:
Die meisten Studenten sollen künftig mit einem Bachelor-Abschluss die Hochschulen verlassen und ins Berufsleben eintreten. Der Studiengang dauert mindestens drei Jahre und höchsten vier Jahre. Im Bachelor-Studium soll ein fachliches Grundlagenwissen geschaffen werden. Neu ist die verstärkte Praxisorientierung: Studierenden sollen sich verstärkt auch Methodenwissen (Lerntechniken, Projektmanagement etc.) und berufsspezifische Kenntnisse aneignen. Vorsicht: Nicht zu jedem Bachelor gibt es auch einen vertiefenden Master-Studiengang. Wer also vor hat nach dem Bachelor-Abschluss nachzulegen, sollte vor dem Studium überprüfen, ob ein passender Master überhaupt angeboten wird

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Master:
Nach dem Bachelor können die Studenten den Master draufsatteln. Ein Master-Studiengang soll mindestens ein Jahr, höchstens zwei Jahre dauern. Ein Master-Absolvent soll in etwa soviel gelernt haben wie bisher ein Diplomand. Dementsprechend berechtigt der Master-Abschluss zur Promotion. Bei konsekutiven Modellen schließt sich der Master inhaltlich direkt an den Bachelor-Studiengang an: In der Regel sollen die Kenntnisse vertieft und spezialisiert werden. Es gibt aber auch alleinstehende Master, die der Weiterbildung dienen sollen und nicht unbedingt aus derselben Fachrichtung kommen müssen. Ein "Bachelor of engeneering" kann zum Beispiel einen Master of Business Administration (MBA) nachlegen, um sich auf betriebswirtschaftlichem Gebiet weiterzubilden. In jedem Fall wird es künftig möglich sein, nach einer Berufstätigkeit wieder an die Uni zurückzukehren oder den Master nebenberuflich zu erwerben. Weil der Bachelor künftig der Regelabschluss werden soll, ist geplant, dass die Hochschulen die Masterstudiengänge mit Zulassungsbeschränkungen belegen. Wer den Bachelor gemacht hat, hat keinen automatischen Anspruch auf einen Platz in einem Masterstudiengang.

Leistungspunktsystem:
Es wird ein einheitliches Leistungspunktesystem (ECTS) eingeführt werden. Damit sind die Studienleistungen von Studierenden aus unterschiedlichen Ländern leichter vergleichbar. Auch die bei einem Auslandssemester erbrachten Leistungen können so besser angerechnet werden. Für ein erfolgreich absolviertes Studienjahr erhält ein Student 60 Leistungspunkte. Dabei wird angenommen, dass zwei Semester 1800 Arbeitsstunden entsprechen ? ein Leistungspunkt bedeutet also rund 30 Arbeitsstunden. Die Leistungspunkte erhält man zum Beispiel für erfolgreich absolvierte Module oder Praktika

Module:
Studenten können künftig nicht mehr willkürlich unterschiedliche Veranstaltungen miteinander kombinieren. Stattdessen sollen sie sogenannte Module absolvieren: In zusammenhängenden Veranstaltungen (zum Beispiel Vorlesung, Übung und Seminar) erarbeiten sie sich ein Themengebiet. Ein Modul kann bis zu zwei Semester dauern. Die einzelnen Module werden mit einer Prüfung abgeschlossen. Die Studenten sollen daher ihre Prüfungen nicht wie bisher am Ende der Semester sondern studienbegleitend nach Abschluss der einzelnen Lerneinheiten absolvieren

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Weiterführende Links:

Weitere Informationen zum Thema Bachelor und Master gibt es auf den Seiten des Wissenschaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen:
http://www.wissenschaft.nrw.de/Studieren_in_NRW/bama/

Auf den Seiten des VDI werden häufig gestellte Fragen über Bachelor und Master beantwortet:
http://www.vdi.de/vdi/organisation/schnellauswahl/hauptgruppe/bildungspolitik/08888/index.php

Die offizielle Bologna-Erklärung und auch die Ergebnisse der Nachfolgekonferenzen in Prag und Berlin kann man auf der Seite der Berlin-Konferenz 2003 nachlesen:
http://www.bologna-berlin2003.de/de/basic/index.htm

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Dieser Artikel ist erschienen am 29.06.2004