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Boeing hat neuen Chef gefunden

Seit Harry Stonecipher im März über eine Liebesaffäre stolperte und von allen Ämtern entbunden wurde ist der US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing führungslos. Dieser Zustand hat nun ein Ende. Ein Nachfolger ist gefunden. Auch sonst geht es wieder aufwärts.
James McNerney. Foto: 3M
HB CHICAGO. Boeing hat nach einer langen Reihe von Skandalen den bisherigen Chef des US- Mischkonzerns 3M, W. James McNerney Jr., zum neuen Unternehmenschef und Verwaltungsratsvorsitzenden ernannt. Der 55-Jährige sei ?die ideale Person, um Boeing zu führen?, betonte Lewis E. Platt, der bisherige Leiter des Verwaltungsrates, am Donnerstag. McNerney habe ?weit reichende Luft- und Raumfahrtindustrie- und Boeing-Kenntnisse?.McNerney ist der dritte Boeing-Chef innerhalb von eineinhalb Jahren. James A. Bell, der die Geschäfte seit April auf Interimsbasis geleitet hatte, bleibt Boeing-Finanzchef. Boeing-Aktien legten vorbörslich um knapp vier Prozent auf 64,10 Dollar zu, während 3M- Aktien um 2,30 % auf 74,29 Dollar fielen.

Die besten Jobs von allen

McNerney soll als angesehener Außenseiter dem Unternehmen auch helfen, das durch eine Skandalserie geschädigte Image aufzupolieren. Sein Vorgänger Harry Stonecipher (67) musste wegen einer Liebesbeziehung zu einer Boeing-Mitarbeiterin im April ausscheiden. Zuvor hatte der Verwaltungsrat nach dem Rücktritt des früheren Konzernchefs Phil Condit im Dezember 2003 den früheren Firmenpräsidenten Stonecipher aus dem Ruhestand geholt.Boeing habe eine starke Finanzposition, erklärte McNerney. Sein Job sei, es anhaltendes profitables Wachstum sicherzustellen, herausragende neue Produkte und überragenden Service zu liefern. 3M gab am Donnerstag bekannt, dass das Verwaltungsratsmitglied Robert S. Morrison mit sofortiger Wirkung zum Interimskonzernchef und Verwaltungsratsvorsitzenden des Mischkonzern ernannt worden ist. 3M wolle bei der Nachfolgersuche ein rasches Auswahlverfahren durchführen und werde externe und interne Kandidaten in Erwägung ziehen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Boeing erlebt ein ComebackMcNerney hatte früher die riesige General-Electric- Triebwerkssparte geleitet und sowohl Erfahrungen im Verkehrsflugzeugbau als auch in der Rüstungsindustrie gesammelt. Er war seit 2001 Mitglied des Boeing-Verwaltungsrates. 3M mit seiner Riesenpalette von tausenden Büro-, Haushalts- und Industrieprodukten wurde von McNerney seit 2001 wieder auf Wachstumskurs gebracht. Boeing ist der zweitgrößte Flugzeugbauer der Welt nach Airbus und der zweitgrößte Rüstungskonzern nach Lockheed Martin. Boeing hatte 2004 rund 52,5 Mrd. Dollar umgesetzt und 1,9 Mrd. Dollar verdient.Die Boeing-Probleme reichten bis zu Condit zurück. Er musste nach schlechtem Geschäftsverlauf, dem Siegeszug von Airbus und dem Rauswurf des ehemaligen Finanzchefs Michael Sears den Hut nehmen. Sears hatte illegale Anstellungsgespräche mit Darleen Druyun geführt, einer leitenden Beschaffungsbeamtin der US-Luftwaffe, während diese Boeing bei Aufträgen bevorzugte. Sears und Druyun befinden sich in Haft.Boeing litt auch darunter, dass ein Milliardenauftrag für Tankerflugzeuge nach dem Skandal vom Pentagon gestrichen wurde. Hierum will sich jetzt neben Boeing auch der europäische Rüstungsriese EADS bemühen. Boeing war zudem zwei Jahre lang von Geboten für Raketenstart-Aufträge der US-Luftwaffe ausgeschlossen. Wegen des Diebstahls von tausenden Dokumenten beim Rüstungskonkurrenten Lockheed Martin hatte es einen Skandal gegeben. Inzwischen erlebt Boeing jedoch sowohl im Rüstungs- als auch im Verkehrsflugzeugbau ein Comeback.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.06.2005