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Mein schlimmster Job

Blumenjunge ohne grünen Daumen

Diana Fröhlich
Frank Behrendt, CEO der PR-Agentur Ketchum Pleon, bekam von seinen Eltern kein Taschengeld. Damit er sich trotzdem schicke Turnschuhe leisten konnte, schnitt er sonntags Blumen und band Sträuße. Das Problem: Er hatte davon gar keine Ahnung.
Frank Behrendt, CEO von Ketchum PleonFoto: © PR
Ich war 15 Jahre alt, als ich meinen Vater zum ersten Mal nach Taschengeld gefragt habe. Alle meine Freunde bekamen ein paar Mark pro Monat von ihren Eltern, nur ich nicht. Doch mein Vater, ein Lehrer, antwortete: "Taschengeld? Gibt es nicht. Das Geld liegt auf der Straße." Was blieb mir also übrig? Ich suchte mir einen Job.An der Nordseeküste, in der Nähe von Cuxhaven, waren die Möglichkeiten allerdings rar, ich konnte froh sein, dass ich als Aushilfe in einem Blumen- und Pflanzenmarkt anfangen konnte. Es war mir schon ein bisschen peinlich, mit den ganzen Frauen Blumen zu schneiden und Sträuße zu binden.

Die besten Jobs von allen

Jeden Sonntag musste ich mich um sieben Uhr morgens mit dem Fahrrad zum Blumenparadies quälen. Mein Problem: Ich konnte ein Stiefmütterchen kaum von einer Tulpe unterscheiden und einen Strauß Blumen zu binden, sorgte bei mir für dornenreiche Verletzungen. Aber es half nichts, ich musste in meiner grünen Schürze lächelnd einen kompetenten Eindruck vermitteln. Wenn nur das Logo der "Florahütte" nicht gewesen wäre. Auf meinem Bauch prangte ein kleines dickes Männchen in Form einer Blumenzwiebel. Ein Edeldesigner war da nicht am Werk.Aushilfe ohne grünen DaumenIm Laden herrschte immer Hochbetrieb, und es schallte pausenlos ein "junger Mann, können Sie mal eben …" durch die zugige Halle. Wenn ein Kunde nach Blumen einer ganz bestimmten Sorte fragte, brach mir der Schweiß aus. Ich fragte meine Kollegen, die waren aber bald reichlich genervt von der Aushilfe ohne grünen Daumen. Daher machte ich einen Deal mit einer anderen Aushilfe, die sich bestens auskannte. Ich bot ihr von meinem Stundenlohn, immerhin fünf Mark, jeweils eine Mark als "Auskunftspauschale" an. Sie schlug ein.Bei jeder Bestellung machte ich nun einen Schlenker zum Gestecktisch, an dem Anja arbeitete und ließ mich instruieren. Das klappte gut, die ältere Kundschaft war von meiner Kompetenz beeindruckt, und ich bekam sogar Trinkgeld. Die verlorene Mark war schnell refinanziert. Fast drei Jahre lang habe ich dort gearbeitet, vom ersten Lohn habe ich mir Adidas-Turnschuhe gekauft. Frank Behrendt ist CEO der PR-Agentur Ketchum Pleon.
Dieser Artikel ist erschienen am 06.04.2010