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Bis zum Ende der Frist

Von H. Schwerdtfeger, R. v. Schönfels, R. Drescher, Handelsblatt
Die Lebenserwartung steigt, die zu erwartende Rente sinkt - private Vorsorge wird immer wichtiger. Für wen sich die Riester-Rente lohnt.
Renz muss es wissen. Der Leiter des Produktmanagements für Lebensversicherungen bei Generali Lloyd in München gibt sich jetzt schon seit über einem Jahr mit den Folgen der Rentenreform des früheren Arbeitsministers Walter Riester ab. Renz ist also ein Profi. Und trotzdem stößt er immer wieder auf neue Fragen, auf die kein Fachmann die richtige Antwort weiß. "Die Komplexität", stöhnt Renz, "ist eine Katastrophe." Eine Qual auch. Das bekommen auch seine Kollegen zu spüren, die draußen beim Kunden versuchen, Riester-Rentenverträge an den Mann zu bringen. "Die Kunden sind verwirrt", sagt Renz.Selbst Leute mit überdurchschnittlichem Einkommen erschlägt das Thema. In einer aktuellen Umfrage des Instituts Innofact im Auftrag der Verlagsgruppe Handelsblatt gab fast jeder Zweite an, er habe sich noch nicht ausreichend über die Riester-Rente informiert. Dass sie zu wenig tun für ihr Alter, ist ihnen bereits bewusst. Die 4,8 Millionen gut Verdienenden in Deutschland sind nach dieser Studie bereit, zusätzlich sechs Milliarden Euro jährlich für ihre Alterssicherung auszugeben. Die meisten würden um die 100 Euro pro Monat investieren. Wenn sie nur wüssten, wo.

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Die Angebote der Versicherungen, Investmentfondsgesellschaften und Banken für die staatlich geförderte Altersvorsorge sind vielfältig. Die WirtschaftsWoche erklärt, wie sie funktionieren, was die Alternativen Betriebsrente und Riester-Rente voneinander unterscheidet und welche Spielarten es bei beiden gibt. Um zu zeigen, für wen die Riester-Varianten überhaupt attraktiv sind, haben die Vorsorgeexperten vom VZ Vermögenszentrum in München exemplarisch für einen Single, eine junge Familie und ein Ehepaar Ende 40 berechnet, was mit und ohne staatlichen Zuschuss bei der privaten Altersvorsorge herauskommt.Ruhestand in Wohlstand ? können sich die Deutschen so etwas überhaupt noch leisten? Während es den Rentnern von heute im Schnitt so gut geht wie nie, müssen sich die Jüngeren Sorgen um die Finanzierung ihres Alters machen. Kommen die geburtenstarken Jahrgänge der späten Fünfzigerjahre in die Jahre, wird der Platz nicht nur in den Seniorenheimen knapp. Auch in der staatlichen Rentenkasse wird es eng. Die Demoskopie befindet sich im Umbau, aus der Bevölkerungspyramide wird ein Pilz. Der Nachwuchs fehlt, die Deutschen werden dank des medizinischen Fortschritts immer älter.Ein Mann, der heute 60 Jahre alt ist, hat im Durchschnitt noch gut 19 Jahre vor sich. Das sind vier Jahre mehr als bei den 60-Jährigen von 1970. Ähnlich sieht das für die Frauen aus: Auch bei ihnen sind es vier Jahre mehr als früher, sie dürfen sich mit 60 sogar Hoffnung auf den 83. Geburtstag machen. So erfreulich diese Entwicklung ist ? die höhere Lebenserwartung muss finanziert werden: Vier Jahre längeres Leben heißt vier Jahre mehr Rente.Wie unsicher die gesetzliche Rente mittlerweile geworden ist, zeigt ein Gutachten des Finanzwissenschaftlers Reinhold Schnabel von der Universität Essen. Schnabel hat für das Deutsche Institut für Altersvorsorge berechnet, wie sich die realen Renditen in der gesetzlichen Rentenversicherung von Generation zu Generation verändern. Bei einem 1930 geborenen Mann mit Ehefrau kommt Schnabel auf eine Beitragsrendite von 3,5 Prozent. Schon die Generation der Söhne bekommt weniger heraus: Der Geburtsjahrgang 1960 kann nicht einmal mehr mit einem Prozent Verzinsung rechnen. Noch schlechter sieht die Bilanz für die im Jahr 2000 geborene Generation der Enkel aus. Sie bekommen aus dem staatlichen Rententopf nicht einmal mehr das heraus, was sie während ihres Arbeitslebens einbezahlt haben.Die Eile, zu der Banken und Versicherer ihre Kunden jetzt antreiben, hat also einen ernsten Hintergrund. Die Botschaft: Wer nicht noch vor Jahresende einen Vertrag abschließt, verliert für dieses Jahr seine Riester-Zulage. Das stimmt, lässt sich aber verkraften. Denn der Riester-Zuschuss fällt für 2002 mit 38 Euro pro Erwachsenem noch lange nicht so üppig aus wie im Jahr 2008, wenn die staatlichen Zuschüsse ihren Höchststand erreichen werden. Von 2008 an gibt es jährlich für Erwachsene 154 Euro und für jedes Kind 185 Euro.Diese Finanzspritze ist vor allem für Familien mit Kindern interessant. Aber auch Gutverdiener ohne Kinder gehen nicht leer aus. Sie profitieren von Steuervorteilen ? einer zweiten Form der Förderung neben den staatlichen Zulagen.Weil der Staat seine Bürger mit der Riester-Rente zum Vorsorgesparen animieren will, verlangt er von ihnen jedoch zunächst einen Eigenbeitrag zum Riester-Vertrag. Wie viel, hängt vom Einkommen ab. Um die volle Zulage zu erhalten, müssen Sparer in den Jahren 2002 und 2003 ein Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens in einen Riester-Vertrag einzahlen ? maximal 525 Euro pro Jahr. Die Eigenleistung steigt in Etappen bis 2008 auf dann vier Prozent des Einkommens und maximal 2100 Euro. Wer im ersten Jahr statt einem Prozent nur 0,5 Prozent anlegen kann, der erhält nur die Hälfte der staatlichen Zulage.Anspruch auf die Riester-Vergünstigungen haben rund 40 Millionen rentenversicherungspflichtige Arbeiter, Angestellte und Beamte. Zum Kreis der Riesterberechtigten zählen zudem selbstständige Unternehmer, die in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Auch ein Ehepartner ohne eigenes Einkommen kann seine private Altersvorsorge staatlich fördern lassen. Die Ehefrau, die sich der Kindererziehung widmet und kein eigenes Einkommen hat, muss dazu einen eigenen Vertrag abschließen. Sie und ihr Mann kassieren dann für ihre beiden Sparverträge jeweils den Zuschuss, zusätzlich wird die Kinderzulage von anfangs 46 Euro pro Kind dem Vertrag der Mutter gutgeschrieben.Das läppert sich. Mit durchschnittlich 30 Prozent beteiligt sich der Staat nach einer Berechnung der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) an der privaten Vorsorge. Teilweise ist die Förderquote noch höher. Bei dem Single ohne Kinder mit einem Einkommen von 100 000 Euro beträgt sie im Jahr 2008 inklusive des Steuervorteils 44 Prozent.Auch wenn das attraktiv klingt, nicht für jeden lohnt sich ein Riester-Vertrag. Die Entscheidung hängt ab vom Alter des Sparers, seinem Einkommen, der Familiensituation ? und den Anlagealternativen.In einem Beispiel: Bei einem Ehepaar, beide Mitte 30, mit zwei Kindern, die bis zu ihrer Rente noch 30 Jahre sparen müssten, gleichen die Zulagen der Riester-Verträge deren Renditenachteile nicht aus. Denn wegen des hohen bürokratischen Aufwandes und der eingeschränkten Anlagemöglichkeiten werfen Verträge mit Riester-Zertifikat weniger ab als herkömmliche Rentenversicherungen oder Sparpläne mit Investmentfonds. Tom Friess, Vermögensberater beim VZ Vermögenszentrum in München, kalkuliert mit einem Renditenachteil von etwa 1,5 bis 2,0 Prozentpunkten pro Jahr. Friess rät daher dem Ehepaar zu einem Vertrag ohne staatliche Förderung, weil die Familie damit finanziell flexibler bleibt.Die zwei Prozentpunkte Renditenachteil sind jedoch kein grundsätzliches K.o.-Kriterium für Riester. Je höher der Anteil des staatlichen Zuschusses an der gesamten Sparleistung ist, desto eher macht dieser Effekt den Renditenachteil mehr als wett. Und die Zuschüsse wiegen schwerer, wenn der Vertrag kürzer läuft. Da als Endalter der Riester-Modelle mindestens 60 Jahre vorgeschrieben sind, bedeutet das: Riester lohnt sich gerade für Leute über 50. Das bestätigen Berechnungen der BfA. Bei Sparern zwischen 40 und 50 hängt es noch mehr von der Konstellation ab.Für junge Arbeitnehmer hingegen sind Alternativprodukte mit höherer Renditeaussicht günstiger. Sie sollten nur dann Riester-Verträge unterschreiben, wenn sie sich selbst zur Disziplin zwingen wollen, um das angesammelte Vermögen nicht doch vor der Rente zu verplempern.Bleibt die Frage, welche Riester-Variante die beste ist ? ein betriebliches Modell, ein Sparplan mit Investmentfonds, einer mit Bankkonto oder eine Rentenversicherung? Vom Banksparplan über die verschiedenen Formen der Rentenversicherung bis zum Fondssparplan steigt die Renditechance des Anlegers ? aber auch seine Abhängigkeit vom Kapitalmarkt und damit das Risiko. Unkalkulierbar ist das Wagnis auch mit Fonds nicht: Die Riester-Varianten garantieren grundsätzlich zumindest den Erhalt der eingezahlten Beiträge und Zulagen.Allen Anlagewegen gemeinsam ist der Steuervorteil des Riesterns. Den Eigenbeitrag kann der Sparer in seiner Steuererklärung als Sonderausgabe anrechnen lassen. Liegt die so erzielte Steuerersparnis über der Zulage, zahlt ihm das Finanzamt die Differenz aus. Das ist vor allem für einen Sparer mit hohem Einkommen interessant. Er wird unterm Strich so gestellt, als hätte er die Riester-Beiträge aus dem unversteuerten Einkommen gezahlt. Diesen Effekt erreicht er auch mit einer betrieblichen Altervorsorge, bei der noch höhere Beträge steuerfrei für die private Altersvorsorge angelegt werden können.Den Steuervorteil gewährt der Staat nicht ohne Hintergedanken: Später ist die Rente aus allen Riester-Verträgen voll steuerpflichtig. In der Ansparphase keine Steuern, als Rentner schon ? Experten nennen das eine nachgelagerte Besteuerung. Wer absehen kann, dass er auch als Rentner noch einer hohen Steuerprogression unterliegt, etwa weil er Mieterträge erzielt, für den ist die volle Besteuerung der Riester-Rente im Alter ein Nachteil gegenüber anderen Anlageformen, bei denen bisher nur ein Ertragsanteil besteuert wird.Die Zulagen und der Effekt der Steuerverschiebung sollen dem Sparer versüßen, dass Riester-Verträge eine Reihe gravierender Nachteile haben. Einer davon ist das starre Korsett der Vorschriften. "Der Anleger muss sich damit arrangieren, dass sein Geld nicht frei verfügbar ist und nur der Versorgung im Alter dienen darf", erklärt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.Frühestens ab dem 60. Lebensjahr oder dem Rentenbeginn kommen Riester-Sparer an ihr Vermögen heran. Wird das Geld vorher benötigt, dann gilt das als "schädliche Verwendung" ? und der Staat fordert die Zulagen und Steuervorteile zurück. Wenn der Sparer stirbt, kann nur der Ehepartner Vermögen und Zulagen auf einen eigenen Vertrag übertragen. Sogar zum Erbe berechtigte Kinder müssten Zulagen zurückzahlen.Auch wer sich finanziell übernommen hat, etwa weil er seinen Job verliert, steht mit Riester auf wackeligen Beinen. Eine vorzeitige Rückzahlung des Kapitals ist ein Verlustgeschäft. Der Anleger müsste alle erhaltenen Zulagen erstatten und obendrein der Bank oder Versicherung Stornogebühren zahlen. Ausnahmen gibt es meist nur, wenn der Versicherte während der Ansparphase zum Invaliden wird.Ein weiterer Nachteil der Riester-Produkte: Die Bundesregierung kann die Bedingungen jederzeit ändern. Sie kann sogar künftige Zulagen auch für bereits geschlossene Verträge ganz streichen, meint Bodo Pieroth, Professor für Öffentliches Recht an der Uni Münster. Rentenexperten rechnen damit, dass Sozialministerin Ulla Schmidt die Förderung hoher Einkommen kappen könnte.Doch selbst wenn das passiert: Ein schwacher Riester-Vertrag ist immer noch besser, als gar nichts für die Altersvorsorge zu tun.Fondssparpläne: Vorsorgen Mit BörsenkickDie Anlage in Aktienfonds ist die Riester-Sparform mit der höchsten Renditechance. Nach der Börsenkrise der vergangenen zwei Jahre steht aber auch fest: sie ist die riskanteste.Für Riester-Sparer schnüren die Fondsgesellschaften Pakete. Bei einem jungen Anleger starten die meisten damit, die Beiträge in Aktienfonds zu investieren. Dann schichten sie das Vermögen in weniger riskante Rentenfonds um. Einige Anbieter beginnen damit sehr früh. Wer von den Chancen des Aktienmarktes profitieren will, sollte diese Strategien meiden.Ab dem Rentenbeginn hat der Anleger die Wahl: Gewöhnlich wird das Vermögen weiterhin in Fonds angelegt und monatlich wird dem Sparer daraus ein fester Betrag gezahlt. Er kann dadurch auch in der Auszahlungsphase noch von der Wertentwicklung der Fonds profitieren. Ab dem 85. Lebensjahr gehen auch Fondsverträge automatisch in eine Rentenversicherung über, aus der eine lebenslange Rente gezahlt wird. Die Fondsgesellschaft Hansa Invest schreibt Anlegern bislang noch vor, das angesammelte Vermögen mit Rentenbeginn in eine Versicherung einzuzahlen. Wenn es bei dieser Regel bleibt, ist das eine unnötige Einengung der Entscheidungsfreiheit.Damit die Fondssparpläne überhaupt den staatlichen Segen und damit den Riester-Zuschuss erhalten, bieten die Unternehmen den Sparern eine Garantie. Im Vergleich zu Fondssparplänen ohne Förderung verbürgen die Riester-Varianten mindestens eine Rente aus den Eigenbeiträgen und den Zulagen ? also eine Rendite von plus/minus null.Die prognostizierten Riester-Renten der Fondsanbieter können sehr stark schwanken. Abhängig ist der Erfolg der Anlage von der Entwicklung an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten, aber auch von der Qualität der Fondsmanager. Activest, DWS und Union Investment nehmen in ihre Riester-Pakete bewährte Fonds auf, andere setzen auf neue Produkte. Beim Marktführer DWS stehen unter anderem drei internationale Fonds und einige Europa-Produkte zur Auswahl. Union und Activest bieten jeweils nur einen internationalen Aktien- und Rentenfonds.Das Alterssparen mit Investmentfonds bieten auch Rentenversicherer an. Ihre Angebote können Interessenten mit denen der Fondsgesellschaften vergleichen.Banksparpläne: Gut zu planen und günstigDie Großbanken mögen Riester nicht und halten sich mit Angeboten zurück. Aber viele Volksbanken und Sparkassen ließen sich Banksparpläne zertifizieren ? Voraussetzung für einen Zuschuss aus dem Riester-Topf. Die Verträge sind vor allem für Riester-Sparer interessant, die älter als 55 Jahre sind und Anleger, die keine Risiken eingehen wollen. Auf die Sparraten zahlt die Bank Zinsen, sie berechnet kaum Nebenkosten. Das bietet eine hohe Planungssicherheit.Aus den mehr als 2000 Riester-Bankprodukten die guten herauszufischen, ist schwer. Manche Offerten gelten auch nur regional im Umkreis der jeweiligen Bank. Die Wiesbadener Volksbank hat das Angebot bundesweit geöffnet. Die Wiesbadener bieten ebenso wie die Volksbank Krefeld die beste und fairste Zinsvariante am Markt. Ihr Zinssatz orientiert sich an der Rendite von Bundesanleihen und wird alle drei Monate angepasst. Von der so genannten Umlaufrendite ziehen beide Institute 0,5 Prozentpunkte ab. Andere Institute behalten zum Teil sogar 1,25 Prozentpunkte für sich ein. Das Angebot war so attraktiv, dass die Bank ebenso wie die Wiesbadener Volksbank mit Anfragen überrollt wurde. Ergebnis: Bis Januar nehmen sie keinen neuen Verträge mehr an.Flexible Zinssätze, die sich an der allgemeinen Zinsentwicklung orientieren, haben viele andere Institute. Häufig ist aber nicht exakt festgelegt, wann und in welcher Höhe die Banken ihre Zinsen anpassen können. Insgesamt gilt: Besonders renditestark sind die sicheren Riester-Banksparpläne nicht. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen lag in den vergangenen 20 Jahren zwar im Schnitt bei 6,4 Prozent pro Jahr. Aktuell sind die Zinsen jedoch sehr niedrig.Angebote der Versicherer: Auf Sicherheit setzenDas Sortiment der Versicherer bietet reinrassige Rentenversicherungen und Mixturen aus Rentenpolice und Investmentfonds. Den Produkttyp bestimmt die Risikoneigung der Anleger, den Anbieter die Kostenstruktur und Performance.Klassische Riester-Rente: Ganz auf Sicherheit setzen Anleger mit der reinrassigen Rentenpolice ? im Grunde das herkömmliche Produkt, wie es die Branche seit Jahren anbietet, nur diesmal mit dem Zertifikat "Riester-tauglich". Von den Beiträgen ? Eigenanteil des Anlegers plus Zuschuss vom Staat ? zwackt der Versicherer einen Teil für sich und den Vertreter ab. Der Rest wird am Kapitalmarkt angelegt. Dabei springt für den Kunden die Garantieverzinsung des Guthabens mit jährlich 3,25 Prozent heraus und eine Beteiligung an den Zinsüberschüssen, die das Unternehmen am Kapitalmarkt erwirtschaftet. Wie hoch der Überschussanteil ist, lässt sich bei Vertragsabschluss nicht genau sagen. Nach der Ansparphase wird das Kapital verrentet: Der Anleger bekommt Monat für Monat Geld ? bis zum Ende seines Lebens.Police plus Fonds: Für alle, die mehr Mut zum Risiko haben, ist eine Mischung aus Rentenpolice mit Investmentfonds interessant. Es gibt zwei Varianten. Bei der ersten werden die Beiträge ganz normal in die Rentenversicherung eingezahlt und ? nach Abzug der Kosten ? mit dem Garantiezins garniert. Geben die Kapitalmärkte mehr her als das Minimum von 3,25 Prozent im Jahr, entstehen wieder Überschüsse. Diese bleiben diesmal aber nicht in der Rentenversicherung. Stattdessen werden sie in einen Investmentfonds investiert.Noch wagemutiger ist die zweite Spielart. Hier wandern nicht nur die Zinsüberschüsse in den Investmentfonds, sondern auch ein Teil des Beitrages. Das Ziel der Teilung: Die Rentenpolice übernimmt bei dem Zwitterprodukt nur die Funktion, den Beitragserhalt auf die Beine zu stellen. Am Ende der Ansparzeit muss die Summe aller eingezahlten Beiträge zur Verrentung zur Verfügung stehen. Das hat der Gesetzgeber für alle Riester-Produkte zur Pflicht gemacht.Kosten: Die Vorschriften für Riester-Verträge sind kompliziert. Das treibt die Verwaltungskosten in die Höhe, was wiederum die Renditen drückt. Die Kostenunterschiede unter den Anbietern sind gewaltig. Drastisch sind mitunter die Stornogebühren beim Anbieterwechsel. Der Hamburg-Mannheimer und der BHW rückte sogar der Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin mit einer Klage auf den Leib. Beide wollten beim Anbieterhopping zehnmal mehr als die Konkurrenz kassieren.Betriebliche Altersvorsorge: Rabatt für GruppenDie Alternative zur privaten Altersvorsorge ist der Weg über den Arbeitgeber. Von einer echten Betriebsrente kann aber meist nicht die Rede sein. Denn die Chefs zahlen die Sparbeiträge ihrer Mitarbeiter nicht aus der eigenen Tasche. Sie leiten nur weiter, worauf ihre Angestellten freiwillig zu Gunsten der Altersvorsorge verzichten. Entgeltumwandlung heißt das Verfahren im Fachjargon. Jeder Arbeitnehmer hat ein Recht darauf. Bleibt die Frage, was sich mehr lohnt: der private oder der betriebliche Weg zur Rente?Der Riester-Zuschuss lässt sich mit dem Arbeitgeber zwar verknüpfen. Sinnvoll ist das in der Regel aber nicht. Denn die Zulage kassieren Arbeitnehmer in gleicher Höhe mit einem privaten Vertrag. Auch die gesetzlichen Anforderungen an die Sparverträge ? etwa die Beitragsgarantie zum Rentenbeginn ? sind die gleichen, ob sie nun privat oder über den Betrieb laufen.Die Angebote der Arbeitgeber haben nur in einer Hinsicht einen Vorteil: Im Rudel sind sie billiger als Individualverträge. Trotzdem überwiegen die Nachteile: Wer die Riester-Rente via Arbeitgeber abschließt, muss mit dem Produkt Vorlieb nehmen, das sein Chef ausgesucht hat. Gehört die Versicherung, Investmentgesellschaft oder Bank zur Kategorie der teuren Anbieter, macht das auch der Mengenrabatt für Gruppentarife nicht mehr wett.Selbst wenn das Angebot des Arbeitgebers nicht von schlechten Eltern ist, droht Gefahr: Wer den Arbeitsplatz wechselt, muss in der Regel auch bei der betrieblichen Altersvorsorge umsatteln. Der Grund: Der neue Arbeitgeber hat den Gruppenvertrag für seine Angestellten mit einem anderen Anbieter abgeschlossen.Der wahre vorteil der betrieblichen Altersvorsorge hat mit der Riester-Zulage nichts zu tun. Über ihre Brötchengeber können Arbeitnehmer schon in diesem Jahr bis zu vier Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens investieren, bevor sich der Fiskus an den Lohn des Arbeitnehmers ranmacht. Die Beiträge werden also vom Bruttogehalt bezahlt und die Nettobelastung ist erheblich niedriger. Das gilt umso mehr, als die Beiträge bis Ende 2008 sozialversicherungsfrei sind.Ganz verzichten will das Finanzamt aber nicht. Wird die erste Rente ausgezahlt, meldet es sich wieder und fordert seinen Teil. Diese nachgelagerte Besteuerung gewährt der Staat bei vier von fünf Wegen zur betrieblichen Altersvorsorge. Im einzelnen sind das: Unterstützungskasse, Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktzusage. Sie laufen am Ende meist doch irgendwie auf eine Lebensversicherung oder eine ähnliche Kapitalanlage hinaus.Ausgeschlossen vom Vorteil der nachgelagerten Besteuerung bleibt nur die Direktversicherung. Hier werden die Beiträge nach wie vor pauschal versteuert. Der Satz: 20 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer.Ein Vorwurf muss sich die Regierung gefallen lassen: Die Rentenreform von 2001 hat die betriebliche Altersvorsorge noch komplizierter gemacht als sie schon vorher war. Bei fünf Vorsorgewegen und ? inklusive der Kopplung mit dem Riester-Zuschuss ? drei Besteuerungsvarianten müssen Arbeitnehmer jetzt noch genauer prüfen, ob und wie gut ihr Geld beim Arbeitgeber aufgehoben ist.Renteninfos im NetzHandelsblatt.com ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.www.renteninfo-online.de Hier lassen sich Hochrechnungen der persönlichen Altersrente ("Renteninformation") von BfA und LVA anfordern.Handelsblatt.com ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.www.ihre-vorsorge.de Förderrechner der Landesversicherungsanstalten, der nach individuellen Angaben zum Einkommen und Familienstand die Förderquote eines Riester-Vertrages berechnet.Handelsblatt.com ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.www.bfa.de Wegweiser "Tipps zur Riesterrente" online unter "Toplinks", dann "Infomaterial" und "kostenlose Broschüren".Quelle: Wirtschaftswoche
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004