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Billiger Ersatz

Von Hochschulabsolventen, die in schlecht bezahlten oder unentgeltlichen Praktika ohne Aussicht auf Festanstellung ausgebeutet werden, wurden bisher nur Einzelschicksale bekannt. Der jetzt veröffentlichte Zwischenbericht einer Studie des DGB und der Hans-Böckler-Stiftung fördert Erschreckendes zutage.
Die Auswertung einer ersten Stichprobe von 89 befragten Absolventen ergab, dass 86,5 Prozent der Teilnehmer nach dem Studium Praktika absolviert haben, fast die Hälfte (48,3 Prozent) sogar zwei oder mehr, ohne dass diese in ein festes Arbeitsverhältnis mündeten. ?Man kann hier schon von Praktika-Karrieren sprechen?, sagt Silvia Helbig vom DGB.

Über die Hälfte der Teilnehmer gab an, reguläre Tätigkeiten ausgeübt zu haben. Angesichts dieser Zahlen sei davon auszugehen, so Helbig, dass Unternehmen abgebaute Stellen durch billige Praktikanten ersetzen und so Kosten sparen. Mehr als zwei Drittel der Befragten (71,9 Prozent) erhielten eine monatliche Vergütung von weniger als 300 Euro, für ein Viertel (25,8 Prozent) gab es keinen müden Cent. ?Sogar die Unternehmen geben zu, dass die Grenzen zwischen sozialversicherungspflichtiger Tätigkeit und Praktikum immer mehr verschwimmen?, berichtet Silvia Helbig. Eine positive Ausnahme bilden die 250 Unternehmen, die sich der karriere-Initiative Fair Company gegen die Ausbeutung von Absolventen in Praktika angeschlossen haben (siehe www.karriere.de/fair-company).

Die besten Jobs von allen


Bis zum Sommer soll eine repräsentative Studie zum Thema vorliegen, in der auch Studienrichtungen wie Informatik oder Ingenieurwesen stärker berücksichtigt werden. Die bisher ausgewerteten Fragebögen stammen zum Großteil von Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaftlern.

(df)

Bild: www.pixelquelle.de
Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2006