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Bill Gates, der Marktvisionär

Von Rudi Kulzer
Der immer noch jungenhaft wirkende Chef Software Architekt Bill Gates ist 50 geworden. Dabei waren es aber nicht Programmierkenntnisse, die Gates in den vergangenen 30 Jahren zum reichsten Mann der Welt aufsteigen ließen.
Der Aufstieg von Bill Gates und Microsoft begann Anfang der 80er Jahre als IBM das nach Redmond bei Seattle umgezogene Softwarehaus bat, ein Betriebssystem für den IBM PC zu schreiben.
HB MÜNCHEN. Der am 28. Oktober 1955 geborene William H. Gates ist der Sohn eines Rechtsanwaltes und einer Lehrerin aus Seattle im US-Bundesstaat Washington. Neben Bill gehörten noch zwei Schwestern zum Haushalt der Gates.Sein Interesse am Programmieren von Computern entdeckte Bill schon im Alter von 13 Jahren an der privaten Lakeside School. 1973 schrieb er sich an der berühmten Harvard Universität vor den Toren von Boston ein. Dort lernte er Steve Ballmer kennen, der heute das Tagesgeschäft bei Microsoft als Chief Executive Officer leitet.

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In seinem dritten Studienjahr gab der Anwaltsohn eine mögliche akademische Laufbahn auf, um zusammen mit Jugendfreund Paul Allen, der damals als Computertechniker im Raum Boston arbeitete, ein Softwarehaus in New Mexiko zu gründen. Dort hatte damals die Firma Altair ihren Sitz. Deren Computer MITS gilt unter IT-Historikern als einer der Vorläufer des Personalcomputers. Allen und Gates hatten eine Variante der Programmiersoftware Basic geschrieben, das mit der Hardwarearchitektur der Altair-Maschine arbeiten konnte.Der Aufstieg von Bill Gates und Microsoft begann Anfang der 80er Jahre als IBM das nach Redmond bei Seattle umgezogene Softwarehaus bat, ein Betriebssystem für den IBM PC zu schreiben. Dieser sollte als erfolgreicher kleiner Allzweck-Computer gegen die damaligen Computer-Pioniere Apple II sowie Commodore PET positioniert werden. IBM wollte ursprünglich den Auftrag an Gary Kildall, dem Erfinder des Betriebsystems CP/M vergeben. Doch der war auf Reisen nicht erreichbar, Kildalls Frau konnte Big Blue nicht leiden und blockte einen möglichen Auftrag.Lesen Sie weiter auf Seite 2: IBM verhalf Microsoft zum Aufstieg Es war also der mächtige Computerkonzern IBM, der Microsoft und Intel zu einem ungeahnten Aufstieg verhalf. Der eigentliche Durchbruch für Bill Gates und seine Programmierer kam Mitte der 80er Jahre, als Microsoft das grafisch orientierte Betriebssystem Windows auf den Markt brachte. Böse Zungen behaupten, Gates hätte Windows vom Apple Macintosh geklaut. Doch das ist nicht richtig. Beide Systeme haben ihr Vorbild von der Oberfläche ?Star?, die im berühmten Labor PARC von Xerox in Palo Alto entwickelt wurde.Natürlich kann Bill Gates auch programmieren, doch sein Erfolg beruht in seinem Gefühl für Märkte und Vermarktung. Seinen Vision eines sich extrem schnell entwickelnden Computermarktes, in dessen Mittelpunkt der Personalcomputer steht, war Grundstein seines Erfolges. Eine erste große Fehleinschätzung unterlief Gates Mitte erst der 90er Jahre. Er hielt damals das aufkommende Internet für ?Unix-Kram? und erkannte die Bedeutung des Internet-Browsers als Schlüssel zum Web zunächst nicht. Doch dies änderte sich im Dezember 1995, als er den Internet Explorer entwickeln ließ und eine Vernichtungskampagne gegen den damaligen Marktführer Netscape startete. Die Wettbewerbsschlacht endete in einem Kartellverfahren gegen Microsoft, aus dem sich Gates und Microsoft nur mit Mühe befreiten konnten.
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Seit 2000 leitet Studienfreund Steve Ballmer das größte unabhängige Softwarehaus als CEO. Gates arbeitete als Chairman und Chief Software Architekt an neuen Herausforderungen. Diese kommen derzeit in erster Linie aus Richtung der Suchmaschinensoftware Google und des Open Source Betriebssystems Linux.Zusammen mit seiner Frau Melinda French, mit der er drei Kinder hat, engagiert sich der reichste Mann der Welt über eine gemeinsame Stiftung in einer Reihe philanthropischer Projekte zum Thema medizinische Versorgung in der dritten Welt.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.10.2005