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Bildung light

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Schlaumeiern ist in, doch mit der Renaissance des humanistischen Bildungsideals hat das wenig zu tun. Der Trend geht zum mehr oder weniger soliden Halbwissen. Gefragt sind appetitlich aufbereitete Lach- und Sachgeschichten für Erwachsene ...
Schlaumeiern ist in, doch mit der Renaissance des humanistischen Bildungsideals hat das wenig zu tun. Der Trend geht zum mehr oder weniger soliden Halbwissen. Gefragt sind appetitlich aufbereitete Lach- und Sachgeschichten für Erwachsene: TV-Magazine à la "Galileo" (Pro Sieben), "Total Science" (RTL II) oder Planetopia (Sat1) setzen auf einen leicht verdaulichen Mix aus Lexitainment, Service und faszinierenden Phänomenen. Bis zu zwei Millionen Zuschauer lockt etwa Galileo vor die Schirme - fast doppelt so viele wie im Schnitt Stefan Raabs TV Total

Auf öde Formeln und drögen Fachjargon verzichten auch die frisch erschienenen Wissensmagazine von Zeit, Süddeutsche und Bauer-Verlag: "Wir wollen unsere Leser nicht belehren", betont Christoph Drösser, Chefredakteur von "Zeit Wissen", "sondern ihnen aktuelle Wissensthemen auf unterhaltsame Art näher bringen.

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"Wissen in Rekordzeit" versprechen gar die Betreiber des neuen Internet-Portals Shortbooks.de. Wie die Smartwissen-Anbieter von Getabstract.de liefern sie gegen einen kleinen Obolus Zusammenfassungen wichtiger Klassiker oder aktueller Sachbücher. Rüdiger Hossiep, Psychologe und Entwickler des Bochumer Wissenstests Bowit, sieht diese Entwicklungen mit gemischten Gefühlen: "Zum einen kann man sicher sagen: besser kompakt als gar nicht. Andererseits besteht natürlich die Gefahr, dass man sich auf seinem Halbwissen ausruht." Viele Menschen nämlich, so Hossiep, hätten eine erschreckend unrealistische Vorstellung von ihrem eigenen Bildungsstand. Es sei allemal wichtiger, Grundlagen zu beherrschen und Wissen richtig einzuordnen, als die zwanzigste Zusammenfassung zu überfliegen, so der Experte.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.01.2005