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Bilder lügen nicht

Foto: Photocase.de
Personaler suchen im Foto Ihr wahres Ich. Seien Sie darum so lieb und machen Sie ganz auf schöne Seele, rät Bewerbungsberater Gerhard Winkler. Als Berufseinsteiger setzen Sie Jobanbieter über sich ins Bild. Doch obwohl in erster Linie das Leistungsprofil den Bewerber ausmacht, begeistert meist der Kandidat, der auch im Halbprofil am meisten hermacht.
Als Berufseinsteiger setzen Sie Jobanbieter über sich ins Bild. Doch obwohl in erster Linie das Leistungsprofil den Bewerber ausmacht, begeistert meist der Kandidat, der auch im Halbprofil am meisten hermacht.
Bewerberporträts fallen in drei Kategorien: Promi-Shots, Passbildchen und Privatschüsse. Setzen Sie nur ein aufgeschöntes Bild von sich ein - schon darum, weil Ihre stärksten Mitbewerber es tun. Das Foto auf dem Lebenslauf ersparen sich Leute, die ihrer Wirkung misstrauen, ein Manko verbergen oder zu faul sind, sich zum übernächsten, besten Fotostudio zu bemühen.

Charmant: Der ungetrübte Blick
Rekrutierer suchen nach der personifizierten Jobkompetenz und verfallen regelmäßig der ehrlichen Haut mit dem treuherzigen Blick. Klar, Ihren Jobanspruch hat man ernst zu nehmen, aber deshalb gleich auch ernst und gewichtig dreinzuschauen wäre ein Fehler.

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Sie brauchen als angehender Controller nicht zu überlegen, wie ein Controller die Welt ansieht. Zeigen Sie, dass Sie nichts zu verbergen haben, dass nichts Sie bedrückt, dass Sie mit sich und der Welt absolut im Reinen sind. Drehen Sie ein bisschen mehr auf: Strahlen Sie den Betrachter an. Visualisieren Sie dann noch, dass Sie geschäftliche Funktionskleidung tragen. Damit laden Sie Ihr Porträt maximal mit Bedeutung auf

Offen: Was das Antlitz verrät
Das ideale Bewerberporträt beschränkt sich auf Kopf und Schulter bis zum obersten Blusenknopf beziehungsweise zum Krawattenknoten. Ein Rekrutierer mustert es nicht, um Sie zu identifizieren. Er möchte Sie erkennen. Personaler sind schließlich diplomierte Menschenversteher. Jedem Bilder-Check liegt die Deutungsmaxime zugrunde, dass die grundlegende Gestimmtheit einer Person im Gesicht zum Ausdruck kommt. Man prüft deshalb Ihr Antlitz. Man sucht Ihre Seele. Seien Sie darum so lieb und machen Sie ganz auf schöne Seele.

Schauen Sie den imaginären Betrachter direkt an. Der Fotograf hat Glanzreflexe auf Ihre hübschen großen Augen zu zaubern. Weiß um die Pupillen vergrößert sie. Ein echter Fotomeister macht, dass Ihre Augen strahlen. Lächeln Sie offen und mit Biss. Verstecken Sie Augen und Gesicht nicht hinter Ihren Haaren. Tragen Sie keine komplizierte, zerwühlte Frisur. Solange Sie Ihren Platz in einer wohlgeordneten Organisation suchen, sehen Sie zu, dass bei Ihnen jedes einzelne Haar an seinem Platz ist

Ehren Sie diesen geschäftlichen Anlass und ziehen Sie sich gebührend an. Legen Sie nichts - auch keine aufgestützten Hände - zwischen sich und den Betrachter. Nehmen Sie eine erwartungsfrohe, aber nicht zu entspannte Haltung an.
Verzichten Sie auf Muster und dramatische Effekte im Hintergrund. Nehmen Sie alle Schatten aus dem Bild. Hüten Sie sich vor dunklen Partien ebenso wie vor Glanzlichtern und Reflexen auf Nase, Stirn, Wangen oder Kinn

Pflicht: Immer auch digital
Schwarz-Weiß oder Farbe ist wie das Format wirklich nur eine Frage des persönlichen Geschmacks und der Mode. Ich platziere 6x4-Aufnahmen rechts oben im Lebenslauf - nahe dem stärksten Argument, das für eine Jobeignung spricht. In jedem Bewerberfall benötigt man heute digitale Versionen seines Porträts. Analog zu fotografieren wäre ein schlimmer Kunstfehler. Für Papierbewerbungen lassen Sie sich vom Fotografen Abzüge herstellen. Vom Studio optimierte Bilddateien sind nicht größer als ein Megabyte. Integrieren Sie Ihr digitales Porträt in den Lebenslauf

Wandeln Sie Ihren Word-Lebenslauf dann in das PDF-Format um. Speichern Sie Ihr PDF-Dokument am Ende noch einmal und wählen Sie dabei die Option, die Dateigröße zu optimieren. So wandeln Sie mehrere Megabyte große Dateien in ein handliches Format unter 100 Kilobyte um. Kernige, unkomplizierte Typen sagen zu ihrem Bewerberporträt gern Passbild und finden sogar noch eines im Schrank, das von der letzten Skifreizeit übrig geblieben ist. Das scannen sie dann ein. Fahle Haut und Falschfarben, Fussel und Flusen, fließende Übergänge von dunkel nach schwarz: Wer scannt, der pfuscht.


Was Personaler nervt:
Wir erhalten jeden Tag fünf Initiativbewerbungen. Wenn wir eine Stelle ausschreiben, steigt die Zahl auf 20. Pro Stelle laden wir acht Kandidaten ein. Aus dem Foto können wir auf die Persönlichkeit schließen. Deswegen ist es nicht gut, wenn ein schüchterner Mensch sich als Rockstar fotografieren lässt. Damit weckt er falsche Erwartungen. Ein zukünftiger Buchhalter braucht aber keine Hemmungen zu haben, den sorgfältigen Perfektionisten darzustellen.

Agenturen ticken anders. Bei uns können Bewerber kreativer sein. Ein Layouter hat einmal fünf private Schwarz-Weiß-Strandbilder von sich geschickt. Das war so schräg, dass wir ihn eingeladen und dann auch eingestellt haben. Eine andere Bewerberin hat sich vor unserem Gebäude mit unserem Logo fotografieren lassen und darunter geschrieben: "Ich habe das Gefühl, wir beide würden gut zueinander passen." Das war nicht spektakulär, aber charmant

Leider laden wir auch zur Überinszenierung ein. Einmal habe ich ein T-Shirt mit dem Konterfei eines Bewerbers und der Aufschrift "Ich würde Grey gut stehen" bekommen. Das war zwar eine Idee, aber keine sonderlich gute. Ein Texter hat einmal auf alle Fotos verzichtet und sich stattdessen selbst beschrieben. Das hat mir gefallen, schließlich hat er sich als "Herr der Worte" beworben.

Frank Dopheide, Chairman, Grey Worldwide
Recht und billig: Schöner scheinen
Zeigen Sie sich im Bewerberporträt nicht allein von Ihrer besten Seite. Lassen Sie sich auch nicht nur ins beste Licht setzen. Lassen Sie sich im für Sie vorteilhaftesten Moment ablichten. Das Bild hat Ihnen zu schmeicheln, es hat Sie eine Spur netter und strahlender als im Leben zu machen, oder der Fotograf ist sein Honorar nicht wert.

Gerhard Winkler ist Bewerbungsberater. Er betreibt die Karriere-Webseite
jova-nova.com
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2007