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Bier ? kein leichtes Geschäft

Von Martin W. Buchenau und Joachim Hofer
Friedrich Georg Hoepfner soll das Biergeschäft der Schörghuber-Gruppe auf Erfolg trimmen. Der 58-Jährige übernimmt einen der schwierigsten Jobs in der Brauwirtschaft ? sein Vorgänger ist an der Aufgabe gescheitert.
STUTTGART / MÜNCHEN. Seinen Janker habe er heute Morgen in der Reinigung abgeben müssen, scherzt Friedrich Georg Hoepfner. ?Da waren Lippenstift-Flecken drauf.? Es geht in diesen Tagen hoch her auf dem Oktoberfest ? und Hoepfner ist mittendrin. Auch ohne Trachtenanzug macht der Chef der Brau Holding International (BHI) eine gute Figur auf dem rutschigen Boden der Wiesn-Zelte; als hätte er sein ganzes Leben in München verbracht.Dabei ist der gebürtige Karlsruher erst im Frühjahr an die Isar gekommen: Da holte ihn Stefan Schörghuber an die Spitze seines Biergeschäfts. Völlig überraschend übernahm der Badener einen der schwierigsten Jobs, den die deutsche Brauwirtschaft zu vergeben hat.

Die besten Jobs von allen

Hoepfner muss eine bunte Mischung von Brauereien auf Profit trimmen: Das sind bekannte Marken wie Paulaner, Kulmbacher, Karlsberg und Fürstenberg sowie viele kleinere, alles in allem 17 Brauereien. Dann ist da noch die heikle Beziehung zum Braukonzern Heineken: Schörghuber gehören nur 50,1 Prozent an dem 2002 gegründeten Verbund, den Rest halten die Holländer.Immer wieder gibt es Gerüchte, die Partner würden sich trennen. Eine Zeit lang waren die Bayern offenbar unzufrieden mit der Schützenhilfe, die sie sich für ihre eigenen Biere von Heineken im Ausland erhofft hatten. Andererseits hieß es, Heineken reiche die Rendite seines süddeutschen Kompagnons nicht.Hoepfners Vorgänger Wolfgang Salewski gab entnervt in diesem Frühjahr auf. ?Sorgen Sie dafür, dass wir exzellente Beziehungen zu Heinecken haben?, hat Schörghuber seinem neuen Bierchef Hoepfner als Erstes mit auf den Weg gegeben.Dass der 58-Jährige überhaupt an die Spitze der viertgrößten deutschen Biergruppe (Umsatz 2005: 705 Millionen Euro) aufstieg, ist schon kurios genug: Er wurde quasi sein eigener Chef. Denn vor zwei Jahren hat der Gelbfüßler, wie die Badener von ihren schwäbischen Nachbarn genannt werden, mangels geeigneter Nachfolger seine eigene Brauerei in Karlsruhe an Schörghuber verkauft.Die Geschäfte durfte er zwar weiterführen, und mit der Sanierung der angeschlagenen Brauerei Fürstenberg in Donaueschingen musste er für Schörghuber sogar noch einen Sanierungsfall lösen. Doch dass er so schnell den Mann beerben würde, der seine Brauerei übernahm, das hatte niemand erwartet.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hoepfner verzeichnet erste Erfolge.Hoepfner stammt aus einer alten Brauerfamilie in Karlsruhe. Doch gegen eine Karriere am Sudkessel hat er sich lange gesträubt. Zunächst studiert er Betriebswirtschaft und Psychologie in München, dann geht er in die USA und forscht über das menschliche Denken. In den 70er-Jahren gründet er viele Firmen, die rein gar nichts mit Bier zu tun hatten.Dann holt ihn sein Vater zurück an den Rhein und seit 1993 führt Hoepfner in sechster Generation die gleichnamige Brauerei. In Karlsruhe ist der Mann mit dem grauen Haar eine Institution, allein schon wegen der mehr als 100 Jahre alten Hoepfner-Burg, dem roten Sandsteinbau, in dem die Firma residiert. Der Verkauf der Brauerei fand deshalb in seiner Heimat wenig Gefallen.Seit seinem Amtsantritt bei Schörghuber, so heißt es, habe sich die Atmosphäre in der Zusammenarbeit mit den holländischen Miteigentümern deutlich gebessert. So übernimmt Heineken den Vertrieb der bayerischen Biere in Amerika. Seine Gesellschafter erwarten von Hoepfner, der Management-Bücher schrieb, aber auch, dass er weitere Brauereien kauft, um ein Gegengewicht zu Riesen wie Inbev zu schaffen, die in München bereits bei Franziskaner eingestiegen sind.Der Mann mit dem markanten Seitenscheitel will sich aber nicht nur von betriebswirtschaftlichen Kenngrößen leiten lassen: ?Mir ist doch wichtig, dass wir einfach gutes Bier machen.? Und so greift er schon zur Mittagszeit auf der Empore des Paulaner-Zelts zu einer Maß Wiesenbier.Seine Mitarbeiter in München haben den Badener schätzen gelernt. ?Hoepfner hat einen enormen Sachverstand?, sagt Paulaner-Geschäftsführer Andreas Steinfatt. Hoepfner selbst hat nie daran gezweifelt, dass er sich als Badener in München wohlfühlen würde: ?Bayern und Badener, das sind zwei Genussvölker.?
Dieser Artikel ist erschienen am 02.10.2006