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Bi, Ba, Bachelor

Jenny Seeger
Wer heute ein Studium anfängt, wird viel schneller den Abschluss in der Tasche haben als vorherige Studentengenerationen. karriere abi beantwortet die 20 wichtigsten Fragen zum bachelor.
Warum gibt es überhaupt neue Studiengänge?
Weil sich die Bildungsminister aus 29 Ländern auf der so genannten "Bologna-Konferenz" darauf verständigt haben, bis 2010 ihre Hochschulen komplett auf Bachelor und Master umzustellen. Das zweistufige Studiensystem gibt es bereits in über 80 Ländern. Sinn und Zweck der Reform ist es, die Studiengänge international zu vereinheitlichen und so untereinander vergleichbar zu machen. Die wechselseitige Anerkennung der Abschlüsse erleichtert dann das Studieren und Arbeiten in anderen Ländern.

Was ist neu am Bachelor gegenüber dem Diplom-Studium?
Im Gegensatz zu den bisherigen Magister- und Diplomstudiengängen ist das Bachelor-Studium gestuft. Das bedeutet, dass die Studierenden schon nach sechs bis acht Semestern einen vollwertigen Hochschulabschluss in der Tasche haben. Die Bachelor-Studiengänge sind zudem deutlich praxisorientierter ausgerichtet: Neben der Theorie werden Berufspraktika, fremd?sprachige Vorlesungen, Auslandsaufenthalte oder Seminare zu sozialen Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Führungsqualitäten angeboten, die im Job später genauso viel zählen wie Fachwissen. Die Stundenpläne sind straff organisiert und in thematische "Module", also aufeinander bezogene Lehrveranstaltungen, eingeteilt.

Sind die Anforderungen höher als bei herkömmlichen Studiengängen?
Nicht höher, aber anders. Im Gegensatz zu Diplom- oder Magisterstudiengängen wird beim Bachelor laufend die Leistung überprüft. Für jedes abgeschlossene Modul gibt es Klausuren oder Tests, die wie in der Schule benotet werden. Die Bewertungen einiger zentraler Module fließen dann zusammen mit der Bachelor-Arbeit in die Abschlussnote ein. Bei Diplom oder Magister haben dagegen die Studienleistungen oft keinen Einfluss auf das Endergebnis.

Was unterscheidet den Bachelor an der Uni von dem an der FH?
Das System ist im Prinzip das gleiche. Das Studium an der Fachhochschule ist allerdings noch sehr viel praxisorientierter als an der Uni. Und: Nicht alle Fächer werden auch an FHs angeboten. Speziell die Geisteswissenschaften sind traditionell immer noch an den Universitäten angesiedelt. Ob man als FHler später mal weniger Geld bekommt als ein Uni-Absolvent, hängt von der Branche und dem Bereich ab, in dem man sich bewirbt. Karriere lässt sich jedenfalls mit beiden Abschlüssen machen.

Kann ich nach meinem Bachelor auf jeden Fall den Master machen?
Nicht automatisch. Diskutiert wird gerade, ob es eine allgemeine Quotenregelung für den Zugang zum Masterstudium geben wird. Aber schon jetzt legt jede Hochschule fest, welche Kriterien ein Bewerber erfüllen muss, um zum Masterstudium zugelassen zu werden. Und das sind fast immer die Noten. Also: Reinhauen!

Woran erkenne ich die Qualität eines BA-Studiengangs?
Zur Qualitätssicherung haben die Bundesländer den Akkreditierungsrat gegründet. Der hat so genannte Akkreditierungsagenturen ins Leben gerufen, in denen Wissenschaftler, Vertreter der jeweiligen Berufsgruppen und Studenten jeden neuen Bachelor- oder Masterstudiengang auf seine Tauglichkeit prüfen. Besteht das Fach, erhält es das Gütesiegel des Akkreditierungsrats. Danach wird es von den Wissenschaftsministerien sogar ein weiteres Mal geprüft. Das Verfahren zieht sich allerdings hin, weil die Agenturen zurzeit in den vielen Anträgen versinken: Akkreditiert sind bisher erst 361 Bachelor- und 447 Masterstudiengänge. Welche Fächer an welchen Hochschulen bereits getestet und für gut befunden wurden, steht unter [ www.akkreditierungsrat.de ].

Wenn ich die Wahl zwischen Diplom/Magister oder Bachelor habe - was soll ich nehmen?
Da alle Studiengänge nach und nach umgestellt werden, empfiehlt es sich, als Erstsemester jetzt ein Bachelor-Studium aufzunehmen. Bei einigen Fächern ist die Umstellung allerdings umstritten: Bei Staatsexamensabschlüssen wie Lehramt, Jura und Medizin, aber auch in der Architektur und Pharmazie wird derzeit noch heftig diskutiert, ob und wie man diese Fächer auf die neuen Abschlüsse umstellen kann. Im Zweifelsfall meldet man sich am besten bei den entsprechenden Berufsverbänden.

Reicht ein Bachelor-Abschluss, wenn ich Wissenschaftler werden will?
Nein. Wer in der Wissenschaft Karriere machen möchte, muss nach dem Bachelor einen Master draufsatteln. Das setzt allerdings einen guten Abschluss voraus. Mit welcher Note man zugelassen wird, hängt vom Studiengang ab, schlechter als 2,0 sollte aber der Schnitt in der Regel nicht sein. Auch wer einen Doktortitel anstrebt - was in Berufen mit starkem Forschungsbezug wie etwa Chemiker immer noch Standard ist -, braucht den Master-Abschluss.

Kann ich mittendrin vom Bachelor zum Diplom wechseln und umgekehrt?
An Hochschulen, die noch beide Studien?gänge parallel anbieten, ist dies theoretisch möglich. Da sie aber inhaltlich und strukturell grundverschieden ausgerichtet sind, gibt es viele praktische Hürden, etwa bei der Anerkennung von bisherigen Studienleistungen. Man will ja nicht wieder ganz von vorn anfangen.

Ist ein Wechsel des Studienorts möglich?
Natürlich - der Bachelor ist bundesweit anerkannt. Allerdings kann es passieren, dass man bestimmte Module nachholen muss, da die Studienordnungen der einzelnen Hochschulen variieren.

Kann ich zwischendurch auch mal ins Ausland gehen?
Das ist sogar erwünscht. Viele Bachelor-Studiengänge haben einen Auslandsaufenthalt, sei es als studienbegleitendes Praktikum oder als Auslandssemester, fest in ihr Curriculum integriert. Sofern der Studiengang im Ausland den hiesigen Anforderungen entspricht, kann man sich die dort erworbenen Credit Points hier anrechnen lassen.

Wie angesehen ist der BA-Abschluss bei Arbeitgebern?
Dass Unternehmen nicht wissen, was sich hinter dem Bachelor verbirgt, ist nur noch ein Schauer?märchen. Aktuelle Umfragen belegen, dass die Mehrzahl der Personalchefs den Bachelor als vollwertigen Abschluss betrachten. Folgende Berufsgruppen sträuben sich allerdings noch gegen Bachelor-Absolventen: So verweigern etwa die Architekten Leuten, die nicht mindestens acht Semester studiert haben, die Aufnahme in die Architektenkammer - was einem Berufsverbot gleichkommt. Ähnlich ablehnend stehen auch Theologen und Apotheker den neuen Abschlüssen gegenüber.

Welche Erfahrungen haben Absolventen mit dem Studium gemacht?
Genau das wollten auch der Stifterverband und das Hochschul-Informations-System (HIS) von Absolventen wissen und haben die Prüfungsjahrgänge von 2002/2003 befragt. Tatsächlich hat die Mehrheit der Bachelor-Absolventen das Studium nicht bereut und ist mit ihren Karrierechancen durchaus zufrieden. Bei der Qualität der Lehre schätzten die Befragten zwar die fachliche Tiefe im Gegensatz zu den etablierten Abschlüssen geringer ein, dafür fühlen sie sich besser für die berufliche Praxis gerüstet: Sie wissen mehr über den beruflichen Alltag und können sich professioneller präsentieren. Mehr als ein Drittel haben einen Teil des Studiums im Ausland absolviert.

Ist der deutsche Bachelor international anerkannt?
In den meisten Ländern schon. Der Bachelor soll ja gerade die traditionellen Anerkennungsprobleme überwinden. Ausnahme USA: Hier gibt es keine pauschale Akzeptanz. Jeder Fall wird nach wie vor einzeln geprüft.

Viele Studiengänge haben englische Titel. Sind das auch ganz neue Fächer?
Nein. Hinter den meisten englischen Bachelor-Studiengängen verbergen sich klassische Fächer. Einige Beispiele: Applied Commu?nication and Media Science - Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften;Business Administration - Betriebswirtschaftslehre; Civil Engineering - Bauingenieurwesen; Computational Engineering/Computer Science - Informatik; Electrical Engineering - Elektroingenieurwesen; Health Care - Gesundheitsmanagement; Mechanical Engineering - Maschinenbau; Social Work - Sozialpädagogik.

Werden auch die Vorlesungen in Englisch gehalten?
In zwei Dritteln aller Bachelor- und Masterstudiengänge sind die Lehrveranstaltungen zumindest teilweise in einer Fremdsprache, hauptsächlich Englisch. 17 Prozent der neuen Studiengänge sind sogar überwiegend oder vollständig fremdsprachig konzipiert. Im Einzelfall gibt die Hochschule Auskunft.

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Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2005