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Bewerbungs-Dschungel

"Die Zeit läuft mir davon und bei den rosigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, sollte ich mir vielleicht doch dreimal überlegen, was ich mit meiner Zukunft so anstelle..." Pia Löcherbach schreibt über ihre Erfahrungen mit Unis, Auswahltests und zukünftigen Kommilitonen.
Die Klausur war vorbei und ich hatte folgendes Problem: Die Zeit läuft mir davon und bei den rosigen Aussichten auf dem Arbeitsmarkt, sollte ich mir vielleicht doch dreimal überlegen, was ich mit meiner Zukunft so anstelle. Immerhin entscheidet das Studium über den weiteren Verlauf meines Lebens. Und Problem Nummer zwei: Was ist denn jetzt überhaupt Bachelor und Master, und vor allem: Wo liegt der Unterschied oder der Vorteil zum Diplom?

Ich wollte Sprachen und Wirtschaft verbinden, also beschloss ich, mich bei mehreren privaten Unis oder Fachhochschulen zu bewerben, die den Studiengang "International Business Management" anbieten. Durch den Dschungel der unzähligen Rankings gekämpft, meldete ich mich unter anderem bei der ISM Dortmund, der EBS in Oestrich-Winkel und der Munich Business School an da, diese Hochschulen mir die Möglichkeit gaben, viele verschiedene Fremdsprachen in das Studium mit einfließen zu lassen.

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Für noch weitere Anmeldungen wie z.B an der Uni Reutlingen war es für mich leider zu spät, da ich mein Abiturzeugnis erst Ende Juni erhielt. Und generell scheint es bei vielen Hochschulen so zu laufen: Ohne Zeugnis keine Anmeldung zur Aufnahmeprüfung. Tja, da war ich dann schon mal ausgeschieden!

Nach mehreren Bewerbungsschreiben bekam ich schließlich Einladungen zu den Aufnahmetests. Mein erstes Abenteuer führte mich mitten in die wunderschönen Weinberge von Oestrich-Winkel. Geschniegelt, gestriegelt und hoch motiviert stand ich morgens um halb neun auf dem Campus der EBS und hoffte auf einen erfolgreichen Tag, an dem ich nette Leute kennen lerne, mit denen man sich austauscht und vielleicht auch mal über das ein oder andere lacht. Doch da lag ich wohl falsch! Obwohl jeder die Hosen voll hatte, ließ es sich keiner anmerken. Coole Sprüche reißen und Prada-Sonnenbrille aufsetzen war angesagt. Wer nicht top gestylt war, fiel sofort auf. Alleine das zeigte mir schon, dass die meisten Leute hier sehr oberflächlich sind, was sich auch im Laufe des Tages bestätigte

Dann ging's los. Nachdem wir in Gruppen eingeteilt und zu unseren Räumen gebracht worden waren, fing der Test an. Wir starteten mit dem Mathetest (ohne Taschenrechner), der 90 Minuten dauerte und 42 Seiten schwerster Aufgaben beinhaltete. Natürlich war es unmöglich, alle Aufgaben zu schaffen, doch trotzdem raste der Puls in die Höhe und jeder versuchte das Beste zu geben. In dem Prüfungsraum saßen nun circa 40-50 Mitbewerber, die von fünf Aufsehern umkreist wurden, damit auch bloß niemand pfuschte. Eigentlich unnötig- hier hätte sowieso keiner dem anderen geholfen

Endlich gab es zehn Minuten Pause. Wirklich viel zu sagen hatten wir uns nicht. Die Gespräche kreisten nur um ein Thema: "Ey, hast Du das geschafft? Ich habe über die Hälfte nicht! Wie soll man das denn alles packen?" oder "Die Hälfte der Aufgaben habe ich noch nie in meinem Leben gesehen!

Die Motivation lag bei mir und den anderen auf dem Tiefpunkt, doch zum Grübeln blieb keine Zeit. Schon drängte der nächste Test. Eigentlich "Reasoning Test" genannt, um zu sehen wie der Einzelne mit Sprache umgehen kann. Im Grunde habe ich mir dabei nichts Schlimmes gedacht. "Ein Sprachtest, was soll's- Mathe habe ich ja hinter mir." Tja, von wegen! Im Endeffekt waren es jedoch mathematische Textaufgaben. Und wieder fuhren die Leute ihre Ellebogen aus. Die Stimmung sank danach endgültig auf den Gefrierpunkt.

Beim Mittagessen in der Mensa war unschwer rauszuhören, dass mindestens zwei Drittel der Mitbewerber es auch schon in St. Gallen oder London probiert hatten. Die "Elite" trat ganz nach dem Motto "Was lacostet die Welt, spielt doch keine Rolex" auf. Klar, eine private Hochschule lebt von Studenten wohlhabender Eltern, doch denke ich, dass es äußerst überflüssig ist, das so raushängen zu lassen

Nach dem Mittagessen, kam der Sprachenteil. Der Toefl-Test fiel eher mager aus. Sehr einfache Text- und Grammatikaufgaben sollten gelöst werden, welche im Gegensatz zum Matheteil davor wirklich simpel waren. Darauf folgte noch ein Spanisch-Test, der allerdings lediglich der Lernstandüberprüfung galt und nicht mit in die Bewertung einfloss. Der Tag an der European Business School endete um circa 17 Uhr und alle waren von den Strapazen geschafft. Von einem angenehmen Tag konnte dort wirklich keiner reden

Sieben Wochen später lockte der Aufnahmetest an der "International School of Management" in Dortmund. Der Ablauf des Tages war fast identisch gegliedert, nur kam hier noch ein ökonomischer Aufsatz hinzu, bei dem ich über die wirtschaftlichen Folgen der Aufwertung des Euros diskutieren musste. Im Großen und Ganzen lief der Tag an der ISM trotzdem völlig anders ab als an der EBS. Auch wenn die Tests im Grunde gleich gestaltet waren, ist der Flair an der ISM einfach besser. Meine Kontrahenten benahmen sich viel entspannter und kontaktfreudiger, sodass der Tag sogar richtig Spaß gemacht hat! Die Atmosphäre wurde wirklich durch die Leute geprägt

Zwei Wochen nach dem schriftlichen Teil wurde ich wieder nach Dortmund zum Assessment Center eingeladen. Bei der EBS dagegen erreicht man, das Assessment Center, wenn der schriftliche Teil gut ausfällt. Es gibt also keine Chance, die Jury von den persönlichen Fähigkeiten zu überzeugen

An der ISM wurde geprüft, wie gut ich mich in ein Team einfügen beziehungsweise wie gut ich mich präsentieren kann. Auch hier überzeugte mich die Hochschule mit der tollen Stimmung zwischen Bewerbern und Professoren. Von "Ego-Attacken" war wirklich nichts zu spüren. Der Tag war einfach super. Die Stimmung, die Leute - es hat einfach alles gepasst.

Keine Frage, für welche Schule ich mich am Ende entschieden habe: Kommendes Semester beginne ich mein Studium an der ISM- Dortmund. Ich bin aufgeregt und gespannt, was mich dort erwarten wird

Pia Löcherbach, 19 Jahre, hat im Juni ihr Abitur am privaten Gymnasium Schloß Hagerhof in Bad Honnef gemacht, ist im Moment Praktikantin in der karriere-Redaktion und wird ab September an der ISM-Dortmund International Business Managament studieren.

Bilder: Pixelquelle, privat

Dieser Artikel ist erschienen am 27.07.2006