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Bewegung allerorten

Christoph Mohr. Foto: GISMA Business School
Ein halbes Dutzend neuer MBA-Programme ist für die nächsten Monate angekündigt. Und selbst die etablierten Player auf dem deutschen MBA-Markt werkeln an ihren Programmen. Ende offen.
Es herrscht Bewegung auf dem deutschen MBA-Markt ? vor und hinter den Kulissen. Allein für die nächsten Monate ist ein halbes Dutzend neuer Programme angekündigt, und selbst bei den scheinbar etablierten Programmen der führenden Anbieter wird kräftig umgebaut.Auch im Hintergrund tut sich etwas: Wie das Handelsblatt erfuhr, befinden sich verschiedene deutsche Hochschulen in mehr oder minder fortgeschrittenen Stadien der Akkreditierung durch eine der beiden international maßgeblichen Organisationen, der europäischen EFMD oder der amerikanischen AACSB. Das kann auch als Vorbereitung auf den Einstieg in den MBA-Markt gewertet werden.

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Die wahrscheinlich weitreichendste Veränderung an einem bestehenden MBA-Programm nimmt derzeit die Mannheim Business School vor. Unter der Ägide ihres neuen Chefs Professor Christian Homburg verabschiedet sich die Business School der Uni Mannheim von ihrem ?European MBA?, einem Gemeinschaftsprogramm, das seinerzeit zusammen mit der Essec Business School (Paris) entwickelt worden war und zu dem sich eine Reihe anderer europäischer Business Schools (Warwick, Barcelona, Kopenhagen) gesellt hatte. All das stellt künftig nur noch eine Option des neuen ?Mannheim-MBA? dar. Nicht ohne Risiko: Ein Alleinstellungsmerkmal wird aufgegeben; der internationale Wert des ?Brands? Mannheim aber ist am MBA-Markt nicht ausgetestet.Recht unklar ist auch die Zukunft der Gisma Business School in Hannover, die im Wesentlichen das MBA-Programm der US-amerikanischen Purdue University in Deutschland anbietet. Die niedersächsische Landesregierung beschloss kürzlich, dass die private Gisma fortan als ?Business School der (staatlichen) Universität Hannover? fungieren solle. Die Details scheinen völlig offen.Mit deutlicher Verspätung gegenüber den privaten Wettbewerbern wie Handelshochschule Leipzig (HHL) oder WHU drängt jetzt auch die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel auf den MBA-Markt. Zusammen mit der Durham Business School, einer britischen MBA-Schule der zweiten Reihe, will sie einen berufsbegleitenden Executive MBA durchführen. Vehement wird dementiert, dass die Verschiebung des Programmstarts mit bislang mangelndem Erfolg zu tun habe. In jedem Fall will die EBS auch an ihren Plänen festhalten, im nächsten Jahr einen eigenen Vollzeit-MBA zu starten.Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die Goethe Business School der Universität Frankfurt, die bislang nur mit dem ?Duke Goethe Executive MBA? auf dem MBA-Markt vertreten war. Bei diesem Gemeinschaftsprogramm mit der Fuqua School of Business der Duke University waren die Frankfurter aber nur Juniorpartner.Manche Entwicklungen sind auch durchaus zweifelhafter Natur. Fast zeitgleich haben die private Frankfurt School of Finance and Management (ehemals Hochschule für Bankwirtschaft) und die ebenfalls private European Business School MBA-Programme mit russischen Partnern bekanntgegeben. Die Frankfurt School will zusammen mit der Finanz-Akademie der Regierung der Russischen Föderation in Moskau einen ?MBA in Finance? starten, die EBS will mit der Moskauer Lomonossow-Universität einen ?MBA in Logistics and Supply Chain Management?, dem Fachgebiet von EBS-Chef Christopher Jahns, entwickeln.Nach international gängigem Verständnis sind dies aber keine General-Management-MBA-Programme, sondern spezialisierende MSc-Programme, kurzum, es handelt sich um Etikettenschwindel. Entsprechende Programme wie der ?MSc in Logistics? von Hochschulen in Cranfield, Lancaster oder Aberdeen nennen sich auch so, genauso wie die ?MSc in Finance?-Angebote der führenden Business Schools in London oder Oxford.Vom Handelsblatt befragt, reagieren beide Hochschulen naturgemäß pikiert. ?Von Etikettenschwindel kann keine Rede sein,? entgegnet EBS-Rektor Jahns. ?MBA-Programme sind nicht in Stein gemeißelt, sondern unterliegen selbstverständlich auch den Marktgesetzen?, behauptet er. ? In den USA sind monolithische General-Management-Produkte bereits wieder auf dem Rückzug?.Auch Professor Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance and Management, wehrt sich gegen ?überkritische Berichterstattung? und den Anwurf, dass er das internationale Standing seiner Hochschule gefährde. ?Ab wann wird eine Business School international ernst genommen ? und von wem?? fragt Steffens. ?Mit unserem Programm in Moskau stehen wir im Wettbewerb mit einer Vielzahl von exzellenten Hochschulen und Business Schools. So entscheidet die Resonanz am Markt darüber, in welcher Liga wir als Hochschule heute und in Zukunft spielen werden.?Das Motiv beider Hochschulen ist klar: Sie wollen international mitspielen ? und die Russland-Deals geben ihnen die Möglichkeit dazu. ?Die Lomonossow-Universität ist top in Russland und gehört zu den von Präsident Putin besonders geförderten Hochschulen?, frohlockt EBS-Chef Jahns. Und es klingt fast wie ein Echo, wenn der Frankfurter Steffens sagt: ?Hauptziel der Kooperation ist es, dass wir das internationale Profil der Frankfurt School schärfen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 29.10.2007