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Bettina Freie

Die Ausgangsfragen
Das erste Trimester
Das zweite Trimester
Die Ausgangsfragen

Die besten Jobs von allen

1.) Wo standen Sie (beruflich/karrieremäßig), als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?Salut aus Paris! Mein Name ist Bettina Freie, ich bin 27 Jahre jung und seit Anfang Januar im MBA-Programm der französischen Universität Hautes Études Commerciales, kurz HEC. Nach 4 Jahren als Commercial Project Manager bei Siemens pauke ich aktuell Statistik und Supply Chain Management für die ersten Zwischenprüfungen. Warum tue ich mir das an? Eines scheint bereits jetzt festzustehen: Die Zeit hier wird eine der intensivsten und spannendsten Erfahrungen werden, die ich in meiner bisherigen Laufbahn gesammelt habe. Klar, zum einen ist Stress ein herausragender Faktor während eines MBA-Studiums. Was aber die Belastung mehr als ausgleicht, sind interessante Studieninhalte und Vermittlungsmethoden sowie vor allem auch die Kommilitonen. Mit mir haben 57 weitere Studenten aus 29 Ländern die Herausforderung angenommen ? eine Basis, aus der sich bereits innerhalb weniger Wochen Netzwerke und Freundschaften gebildet haben.Zunächst einige Informationen zu meinem Werdegang: Nach einem BWL?Studium an der Berufsakademie in Karlsruhe, das ich in Kooperation mit Siemens (Bereich Information und Kommunikation, heute COM) absolviert habe, bin ich innerhalb des Unternehmens zum Bereich Energieerzeugung gewechselt. Als kaufmännische Projektverantwortliche war ich für Kraftwerks-Leittechnik-Ausrüstung im Nahen Osten und Asien zuständig. Die letzten 18 Monate vor Beginn des MBA-Studiums habe ich im Rahmen einer Projektdelegation für die Modernisierung einer Kraftwerksanlage in Queensland, Australien, in unserer Regionalgesellschaft in Sydney verbracht. Obwohl Siemens zahllose Möglichkeiten für persönliche Weiterentwicklung und Karriere bietet und Sydney vermutlich einer der attraktivsten Arbeitsstandorte der Welt ist, habe ich Australien für das MBA-Programm in Paris verlassen.2.) Warum ein MBA?Einer der interessantesten Aspekte in meinem Beruf war für mich das internationale Umfeld, in dem ich auch nach meinem Studium arbeiten möchte. Ein international anerkannter MBA-Abschluss wird sicherlich im Laufe der Karriere hilfreich sein (hier zählt nicht nur der Titel, sondern vor allem auch das Netzwerk, das man während des Studiums aufbaut). Im MBA?Programm trifft man auf Teilnehmer aus aller Welt, mit den unterschiedlichsten Berufserfahrungen und Werdegängen. Wir lernen viel voneinander, vor allem durch die Ausarbeitung von Fallstudien und Präsentationen in Teams und die kooperative Lernatmosphäre, die hier überall zu spüren ist. Die wenigste Zeit verbringt man allein am Schreibtisch, so dass die Umstellung vom Arbeitsleben auf die Schulbank nicht dramatisch und auch der Stress erträglich ist.3.) Warum HEC?Da ich nach dem MBA zumindest für eine Weile in Europa arbeiten möchte, stand für mich fest, dass es eine europäische Business School sein sollte. Das nächste Auswahlkriterium war die internationale Ausrichtung des Programms, wobei mir eine europäische Prägung wichtig war. HEC punktet hier zum einen durch die Auswahl der Studenten (46% europäisch, darunter 20% französisch) und ist zum anderen meines Wissens nach das einzige Programm mit zweisprachigem Kursangebot. Vorlesungen auf Französisch (bspw. Statistik oder Supply Chain Management) sind kein ?Muss?, aber ein gutes Mittel, um eingerostete Sprachkenntnisse aufzubessern ? und fließendes Französisch ist Voraussetzung für alle diejenigen, die evtl. nach dem Programm in Frankreich arbeiten möchten. Im Gegensatz zu anderen Business-Schools sind Französischkurse für die ?non-francophones? unter uns Pflicht und fester Bestandteil des Kursprogramms.Ein weiteres Argument für HEC war für mich die Programmlänge von 16 Monaten. Einjährige Programme fand ich persönlich zu kurz, da die Jobsuche vermutlich von Anfang an im Mittelpunkt steht. Zweijährige Programme sind dagegen teuer, durch höhere Studiengebühren und Lebenshaltungskosten sowie größeren Verdienstausfall. Das Ranking hat bei der Auswahl der Schule natürlich auch eine Rolle gespielt. Gute Nachrichten von HEC: die Schule ist innerhalb von zwei Jahren im Financial Times Ranking um 25 Plätze nach vorn geklettert und befindet sich aktuell auf Platz 37. Innerhalb von Frankreich genießt HEC einen hervorragenden Ruf, wobei das MBA-Programm auch vom Anschluss an die ?HEC Grande École?, einer der besten französischen Universitäten für Wirtschaftswissenschaften, profitiert. Last but not least wußte ich von HEC-Alumni von der kooperativen Lernatmosphäre innerhalb des MBA-Programms. Ich kann nur bestätigen: Wir haben sehr guten Zugang zu unseren Professoren, und unter uns Studenten ist von Ellbogenmentalität nichts zu spüren.4.) FinanzierungVerglichen mit anderen europäischen Business Schools ist die Kosten-Nutzen-Relation für HEC mit Studiengebühren von ? 35.000,- für eine Studiendauer von 16 Monaten vergleichsweise vorteilhaft (Studiengebühren ab September 2005: ? 38,000,-). Hinzu kommt, dass die Lebenshaltungskosten durch das Wohnen auf dem Campusgelände relativ niedrig sind. Die Miete für ein 19m² Zimmer beläuft sich auf ? 486 pro Monat, für die Dauer des Studiums ? 7.700 - sicherlich sehr wenig verglichen etwa mit London oder Madrid. In Summe rechne ich für die gesamte Laufzeit mit Kosten von ca. ? 55.000,- (darin enthalten sind auch Bahnfahrkarten nach Paris bzw. Car-Sharing ? ein Auto ist durch die 20km-Entfernung zwischen Jouy-en-Josas und Paris definitiv von Vorteil!)5.) Die ersten WochenSchon einige Zeit vor der Abreise nach Paris wird jedem HEC-Neuanfänger ein sogenannter ?Buddy? zugeteilt, der für einen möglichst reibungslosen Start mit Rat und Tat zur Seite steht. Lebensnotwendige Fragen z.B. nach Internetanschlüssen in Zimmern, konnte ich damit im Voraus abklären. Jennifer Miller, mein Buddy, stand gleich am ersten Tag meiner Ankunft vor meiner Tür, um nicht mehr benötigte Kochplatten und eine Kaffeemaschine an mich weiterzuvererben (sehr wichtig im Anbetracht der Tatsache, dass es leider weder individuelle noch Gemeinschaftsküchen gibt!). So hatte ich gleich erste Kontakte und fühlte mich von Beginn an gut aufgehoben.Die ersten zwei Wochen waren im Nachhinein sehr entspannt, wobei man den Faktor ?Freizeit? zu Beginn des Programms sicherlich noch nicht angemessen zu schätzen weiß. Einstufungstests für Französisch-Kurse, Einführungen in Hauptfächer, Statistik- und Excelauffrischungen sowie Informationen zu administrativen Abläufen wurden in der Orientierungswoche abgehandelt. In der zweiten Woche stand ein Business-Planspiel auf dem Programm. Zum einen bekamen die Nicht-BWLer unter uns erste Einblicke in Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen, zum anderen boten Einkaufs- und Joint-Venture-Verhandlungen die Gelegenheit, Verhandlungstechniken zu schleifen.Am darauf folgenden, verlängerten Wochenende war dann erst einmal Networking angesagt: 116 MBA?ler aus dem September und Januarjahrgang haben sich in Richtung Les2Alpes aufgemacht, einem Skiparadies in den Französischen Alpen. Eine mehr oder weniger gemütliche Busfahrt in der Nacht von Freitag auf Samstag wurde mit 220km herrlichen Skipisten belohnt. Details vom Après-Ski bleiben in Les2Alpes!Der CampusZunächst war ich zugegebenermaßen enttäuscht, dass es von Jouy-en-Josas nicht gerade ein Katzensprung nach Paris ist. Mit dem Regionalzug RER ist man ca. eine halbe Stunde unterwegs, je nach Anschlussverbindung kann auch schon mal eine Stunde daraus werden. Auf der anderen Seite hat die Abgeschiedenheit tatsächlich auch ihre Vorteile, die ich in der Zwischenzeit zu schätzen gelernt habe. Aus unserem Januarsemester wohnen ca. 80% der Studenten in der Résidence Expansiel auf dem Campusgelände. Die räumliche Nähe hat sicherlich entscheidend dazu beigetragen, dass sich sehr schnell ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter uns herausgebildet hat. In den ersten Wochen fanden jeden Abend Events irgendwelcher Art statt, mal eine Party der angeschlossenen HEC Grande École mit ihren knapp 3000 Studenten, eine MBA Party in der Piano Bar oder ein gemütliches Treffen im Zimmer nebenan.Neben dem leichten Knüpfen von Kontakten hat der Campus den Vorteil, dass wir alle Arten von Sport direkt vor der Haustür ausüben können. Wann immer wir ein wenig Zeit erübrigen können (oder sie uns einfach nehmen), finden sich genug Leute, um Volleyball, Fußball oder Rugby zu spielen. Entlang dem See auf dem Gelände bietet sich eine phantastische Joggingstrecke, und Tennisplätze sind ebenfalls sowohl in der Halle als auch draußen vorhanden. Mit einem Ex-Daviscup-Gewinner in unserem Jahrgang ist der ideale Trainer schnell gefunden!Neben sportlichen Aktivitäten bietet HEC zahlreiche Studentenclubs. Das Angebot ist sehr vielseitig, es reicht von Hobby-Clubs wie Salsa, Yoga oder Weinproben bis zu berufsorientierten Clubs mit Schwerpunkten wie Consulting, Finance, Marketing oder Medien. Ich wünschte, der Tag hätte mehr als 24 Stunden, um auch nur einen Bruchteil der Angebote, die mich interessieren, nutzen zu können!Die VorlesungenDer Ernst des Lebens hat uns nach den ersten beiden Wochen sehr schnell eingeholt. Mit wenigen Ausnahmen finde ich die Vorlesungen trotz meines BWL-Hintergrundes sehr interessant, wobei der Lerneffekt durch die Belegung einiger Fächer in Französisch noch gesteigert wird.Für die Mehrzahl unter uns sind die Vorlesungen zum Thema Unternehmensstrategien unangefochtener Favorit. Basierend auf realen Entscheidungen analysieren wir Themen wie Allianzen oder Expansionsstrategien und bekommen dadurch neben methodischen Grundlagen Detailwissen zu diversen Industrie- und Wirtschaftszweigen vermittelt.Besonders interessant wird es, wenn im Anschluss an die Analyse hochrangige Vertreter aus dem jeweiligen Unternehmen zu uns kommen. So fand im Anschluss an eine Fallstudie über Expansionsstrategien für Nouvelle Frontière eine Konferenz mit dem CEO des Unternehmens statt, nach einer Apple-Fallstudie war der Vice-President Europe bei uns etc.In Summe erarbeiten wir in kleinen Studiengruppen pro Woche 3-4 Fallstudien schriftlich und bereiten 1-2 weitere für die Vorlesungen vor. Meine Gruppe besteht aus einer peruanischen Investmentbankerin, einem marokkanischen Ingenieur und einem französischen IT-Ingenieur. Die verschiedenen Nationalitäten und Lebensläufe machen die Zusammenarbeit unheimlich interessant und bereichern sowohl fachlich als auch persönlich. Da die Belastung vor allem im ersten Semester extrem ist, ist das Leben auf dem Campus sehr praktisch: wir sitzen häufig bis spät in der Nacht zusammen, und da ist es definitiv von Vorteil, wenn nicht auch noch Auto- oder Zugfahrten anstehen.Für alle, die nach langen Vorlesungen, Konferenzen, Fallstudien und Präsentationen noch immer einen Rest Motivation und Energie erübrigen können, gibt es zusätzlich Kursangebote in einer weiteren Fremdsprache (ich habe mich bspw. für Spanisch entschieden).Bevor ich mit dem MBA Programm begonnen habe, waren 7-8 Stunden Schlaf für mich Standard. Nach 3 Wochen in Paris komme ich mit 4-5 Stunden zurecht und fühle mich nach 6 Stunden ausgeschlafen.Wer viel arbeitet, hat natürlich auch viel Grund zu feiern, und so machen wir uns am Wochenende in mal größeren, mal kleineren Trupps auf nach Paris. Die Taxifahrer in Jouy-en-Josas und Umgebung kennen uns schon fast mit Namen.Paris ist für mich eine der schönsten Städte der Welt, ich finde den Charme einfach unglaublich. Ein Spaziergang entlang der Seine, Croissant und Café au Lait in einer der unzähligen Brasserien, ein Besuch im Louvre, ... Eine bessere Umgebung zum Abschalten und zum Auftanken verbrauchter Energiereserven kann ich mir nicht vorstellen.In Summe habe ich meine Entscheidung für HEC noch nicht eine Sekunde bereut und freue mich riesig auf die 14 Monate, die ich noch vor mir habe! Das erste TrimesterGeschafft! Das gefürchtete erste Trimester ist überstanden. Innerhalb von 3 stressigen Wochen haben wir mit mal mehr, mal weniger gutem Gefühl die Klausuren hinter uns gebracht. Voraussagen zu den Ergebnissen sind schwierig, da die Examen in den meisten Fächern in Form von 3- bis 6-stündigen Fallstudien gestellt wurden. Es ging somit nicht um die reine Wiedergabe von Wissen, sondern vielmehr um die Anwendung erlernter Modelle und Theorien. Zum Abschluss hieß es dann noch einmal intensiv arbeiten: auf dem Stundenplan stand die sogenannte ?Chief Executive Officer (CEO)-Woche'. Ziel dieser Veranstaltung war es, aktuelle Unternehmensfallstudien zu bearbeiten und im Anschluss daran die Ergebnisse mit den entsprechenden Konzernvorständen persönlich zu analysieren. Wir hatten den CEO des Elektronikkonzerns Thomson bei uns zu Gast und haben mit ihm nach intensiver Vorarbeit über Marktumfeld, Produktportfolio und Strategien des Konzerns debattiert. Eine zweite Gruppe von Studenten hat sich währenddessen in Szenarioplanung und die Struktur und Aufgaben des Europäischen Patentamtes eingearbeitet. Dessen amtierender Präsident, Alain Pompidou, war am Donnerstag bei uns auf dem Campus, um unsere Fragen zu zukünftigen Entwicklungen im Patentwesen zu beantworten. Die zunehmende Harmonisierung von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Europa und der wachsende Einfluss von sich dynamisch entwickelnden Staaten wie Indien und China waren die Hauptschwerpunkte der Diskussion.Diese letzten arbeitsreichen Tage und die vorangegangenen Klausurwochen haben ihre Spuren hinterlassen, unser Jahrgang ist kollektiv urlaubsreif? Zwischen den Trimestern bleibt uns zwar nicht allzu viel Zeit, aber doch immerhin eine Woche, um frische Energie zu tanken. Eine Studienfreundin und ich haben spontan eine Reise gebucht und erholen uns jetzt am Hotelpool in Cala d'Or auf Mallorca. 22 Grad und Sonnenschein - Grund genug, um Arbeit und Campus für eine Weile zu vergessen!Ein Großereignis im nächsten Semester wirft schon jetzt seine Schatten voraus: Vom 27.-29. Mai 2005 findet auf unserem Campus die Olympiade der Business Schools, das sogenannte MBA-Tournament (kurz MBAT), statt. In diesem Jahr wird das Event größer als jemals zuvor: Im Verlauf von 3 Tagen messen sich über 1800 Teilnehmer aus 14 Top-MBA Programmen in insgesamt 28 verschiedenen Sportarten. Geboten wird eine breite Palette von Sportarten, von Rugby, Fußball, Tennis, Schwimmen oder Beachvolleyball bis hin zu eher weniger olympischen Disziplinen wie Tauziehen oder Armdrücken. Business Schools wie die London Business School oder die ESADE werden jeweils mit bis zu 230 Sportlern anrücken, so dass die Zahl der Teilnehmer von jeder dieser Unis die Gesamtzahl der MBA-Studenten an der HEC deutlich übersteigt. Trotzdem sind wir fest entschlossen, den Pokal in diesem Jahr nicht aus unseren Händen zu geben. Was uns an Teilnehmermasse fehlt, werden wir eben durch Teamspirit und Training wettmachen? Es wäre fantastisch, das 15jährige Jubiläum des Turniers mit einem HEC Sieg zu beenden! Das zweite TrimesterZugegeben, aus dem Sieg für HEC ist auch in der 15. Auflage des MBA-Tournaments nichts geworden. Dennoch - von diesem nicht wirklich überraschenden Schönheitsfehler einmal abgesehen, war das Ereignis einfach fantastisch. Da die meisten Aktivitäten unter freiem Himmel stattfanden, stand und fiel der Erfolg natürlich zunächst einmal mit dem Wetter. Wir hatten großes Glück - bei knapp 30 Grad und strahlend blauem Himmel waren selbst unsere Besucher aus sonnenverwöhnten Ländern wie Spanien oder der Türkei begeistert. Immer wieder wurde auch unser Campus von den Gästen bewundert, und uns wurde wieder einmal bewußt, wieviel Glück wir mit HEC haben!Sportliche Highlights des Wochenendes waren Team-Events wie Fußball oder Rugby, bei denen es richtig zur Sache ging und die Zuschauer ihre Mannschaften mit Herz und Seele angefeuert haben. Den gellenden "IEEEESE" - Schrei, der regelmäßig auch aus großen Entfernungen noch deutlich vernehmbar war, werde ich sicher so schnell nicht vergessen! Toll hat sich auch die London Business School präsentiert. Die LBS brachte einen großartig kostümierten, hauptamtlichen Anfeuerer und einen der berühmten roten Londoner Busse mit, der als Mannschaftsheim fungierte.
Am Ende des dreitätigen Turniers wurde der Pokal von überglücklichen IESE Studenten in Empfang genommen. Herzlichen Glückwunsch nochmals von dieser Stelle!
Der Höhepunkt des Rahmenprogramms war das Tennis-Exhibition-Match am Sonntag Morgen. Guillaume Raoux, unser Ex-Tennisprofi und Daviscup-Gewinner von 1996, hatte mit Guy Forget und Michael Llodra den aktuellen Trainer des französischen Teams und einen der Topspieler eingeladen.
Guy berichtete von seinen Erfahrungen mit Leadership und Coaching, bevor er zusammen mit Guillaume, Michael und Valérie Gauthier, der Direktorin unseres MBA-Programms, den Court betrat. Hut ab vor Valérie, sie schlug sich fantastisch!
Erst nachdem das Turnier beendet war, begann für die meisten von uns das eigentliche akademische 2. Trimester. Die Organisation und das Training vor dem MBAT hatten uns doch sehr in Anspruch genommen. Das positive Feedback von unseren Gästen und die Gewissheit, ein für alle Beteiligten großartiges Event auf die Beine gestellt zu haben, entschädigten uns jedoch allemal.Im Juni und Juli hieß es also Aufholen und Pauken. Im 2. Trimester stehen an der HEC schwerpunktmäßig finanzorientierte Fächer auf dem Lehrplan. Financial Markets, Corporate Finance, Management Accounting und Business Economics waren Neuland für die meisten von uns und forderten volle Aufmerksamkeit. An dieser Stelle ein großes Lob an die Fakultät: Die Professoren erhielten ausnahmslos positives Feedback und machen dem guten Ruf der HEC gerade auch im Finanzsektor alle Ehre.Zusätzlich zum normalen Stundenplan haben wir 2 Projekte mit lokalen Firmen durchgeführt. "Best in France" ist eine Studie der Pariser Industrie- und Handelskammer, die die Attraktivität der französischen Hauptstadt als Wirtschaftsstandort jährlich mit der anderer Weltstädte vergleicht. Im Rahmen des Projektes haben wir die lokale Tochtergesellschaft eines ausländischen Konzerns aufgesucht und Unterschiede in der Unternehmenskultur und Kostenstruktur zwischen Stammsitz im Ausland und der französischen Niederlassung herausgearbeitet.Im 2. Projekt haben sich vier- bis fünfköpfige Teams jeweils ein französisches Unternehmen gesucht und dieses in einem laufenden Marketingprojekt unterstützt. Meine Gruppe hat für die Event-Organisationsfirma ASO gearbeitet, die die Rechte an so prestigeträchtigen Sportereignissen wie der Tour de France, dem Paris-Marathon oder Paris-Dhakar besitzt. Für ASO haben wir Recherchen über den chinesischen Sportmarkt durchgeführt, um das Potential einer Expansion nach China mit existierenden oder neuen Sportveranstaltungen zu bewerten.In Summe war das 2. Trimester ähnlich arbeitsintensiv wie das erste, und genauso lehr- und abwechslungsreich. Die Zeit vergeht wahnsinnig schnell - kaum zu glauben, dass ich erst vor 7 Monaten nach Frankreich gekommen bin. Nach den Semesterferien beginnt für mich auch schon der letzte Studienabschnitt in Paris, da ich von Januar bis April 2006 ein Austauschsemester an der Universität UCLA Anderson in Kalifornien machen werde. Keine Frage, dass ich mich schon jetzt riesig darauf freue!Ich melde mich nach den Semesterferien wieder, die ich im Gegensatz zur Mehrzahl meiner Studienkollegen nicht am Strand, sondern zumindest teilweise im Büro verbringen werde. Die nächsten 6 Wochen arbeite ich bei Siemens in Saint-Denis, wenige Metrostationen vom Pariser Stadtzentrum entfernt. Erholung wäre zwar eine sehr verlockende Alternative gewesen; ich möchte aber praktische Erfahrung im französischen Firmenalltag sammeln, bevor ich entscheide, wo ich mich nach dem Studium niederlasse. Da ich im Sommer im Apartment eines Studienkollegens direkt am Eiffelturm wohne, ist mein Weg zur Arbeit für Pariser Verhältnisse kurz, und ich kann die Abende mit Freunden in der Stadt verbringen. Vor allem jetzt im Sommer ist Paris fantastisch. In der Haupturlaubszeit Juli/August ist es zwar touristischer, aber dennoch vergleichsweise ruhig und entspannt. Die Cafés sind gut besucht und die Bateaux Mouches schippern ihre Kundschaft bei strahlend blauem Himmel durch die Stadt. Und dann ist da noch Paris Plage, ein langer, künstlicher Sandstrand am Seineufer, mit allabendlichen Konzerten und diversen Attraktionen. Aber genug geschwärmt für heute... Bis bald, und viele Grüße aus Paris!
Dieser Artikel ist erschienen am 15.03.2005