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Betrug und Gier wird Ex-Bossen vorgeworfen

Betrug, Gier und rücksichtslose Bereicherung - daran denken die meisten Amerikaner, wenn sie heute ?Enron? hören. Vier Jahre nach dem spektakulären Zusammenbruch des US-Energiekonzerns müssen sich ab Montag nun die beiden ehemaligen Chefs vor Gericht verantworten.
Enron-Gründer Ken Lay vor einer Anhörung. Foto: ap
HB HOUSTON. In einem der größten Wirtschaftsprozesse in der Geschichte der USA gilt es herauszufinden, ob der 63-jährige Ken Lay und der 52-jährige Jeffrey Skilling persönlich von dem milliardenschweren Betrug wussten, der schließlich im Jahr 2001 zum dramatischen Kollaps des texanischen Unternehmens führte. Auf Enron folgten noch weitere Skandale bei US-Unternehmen, so dass der Skandal zum Symbol für Wirtschaftskriminalität wurde.Laut Anklage versteckten leitende Angestellte Milliardenverluste in anderen Firmen, um die Gewinne von Enron zu schönen und den Aktienkurs zu stützen. Nach dem Zusammenbruch des in Houston ansässigen Konzerns verloren Tausende Angestellte ihren Arbeitsplatz, und Mrd. von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter wurden zunichte gemacht.

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Gegen Skilling liegen insgesamt 31 Anklagepunkte vor. Ihm werden unter anderem Verschwörung, Insiderhandel und Falschaussagen gegenüber Wirtschaftsprüfern vorgeworfen. Lay muss sich seinerseits in sieben Anklagepunkten verteidigen, darunter Betrug und ebenfalls Verschwörung. Die Vorwürfe gegen Lay stammen alle aus der Zeit, als er kurz vor dem Bankrott des Unternehmens für nur wenige Monate auf den von Skilling bereits geräumten Chefposten zurückkehrte. Das Verfahren gegen Lay und Skilling wird vermutlich vier Monate dauern.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Reihe von geständigen Enron-Managern Die Sonderermittler des US-Justizministeriums werden den Geschworenen des Bundesgerichts in Houston eine Reihe von geständigen Enron-Managern präsentieren, die für eine Haftverkürzung zur Aussage gegen ihre früheren Vorgesetzten bereit sind. Mit besonderer Spannung wird der ehemalige Chef-Buchhalter Richard Causey im Zeugenstand erwartet. Causey hatte im Dezember die Täuschung von Aktionären gestanden und muss dafür nun möglicherweise nur sieben statt 20 Jahre ins Gefängnis. Mit seinem Geständnis hatte der Fall für die US-Regierung eine positive Wende genommen.Das einzige Argument der Verteidigung sei, dass Skilling und Lay nichts von dem Betrug gewusst hätten, sagte der kalifornische Kriminologie-Professor Henry Pontell, Ko-Autor eines Buches über Wirtschaftskriminalität. Und diese Argumentation wäre vor dem Geständnis von Causey möglicherweise einfacher gewesen, fügte Pontell hinzu. Mit Causey haben insgesamt 16 frührere Enron-Manager gestanden, Straftaten in dem Betrugsfall begangen zu haben.Lay und Skilling dagegen beteuern ihre Unschuld. Lay hat sich sogar mehrmals direkt an die Öffentlichkeit gewandt. Erst im Dezember hat er sich als ein Opfer einer ?Terrorwelle? von Ermittlern bezeichnet. Kriminologie-Professor Pontell sagte dazu, Angeklagte griffen zu ihrer eigenen Verteidigung häufig vermeintlich übereifrige Ermittler an. ?Das wird nicht nur von Wirtschaftskriminellen so gemacht, sondern auch von jugendlichen Straftätern.? Neben dem Buchhalter Causey wird als zweiter Hauptzeuge der ehemalige Finanzvorstand Andrew Fastow erwartet, dem nach einem Geständnis und einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zehn Jahre Gefängnis drohen.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.01.2006