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Betriebliche Altersvorsorge: Rente vom Chef gefällig?

Friederike Storz
Bisher mussten Arbeitnehmer mit dem Chef um die betriebliche Altersvorsorge feilschen. Jetzt sind Unternehmen dazu verpflichtet, mindestens den Abschluss einer Direktversicherung anzubieten. Obwohl die betriebliche Altersvorsorge für die meisten weitaus günstiger wäre als eine private Sparform, nutzen sie bisher nur fünf Prozent aller Berechtigten.
DÜSSELDORF. Nach dem Altersvermögensgesetz hat jeder Arbeitnehmer seit 1. Januar 2002 einen gesetzlichen Anspruch auf die steuerfreie Umwandlung eines bestimmten Gehaltsanteils. Direktversicherung, Pensionskassen und die neuen Pensionsfonds profitieren dazu noch von der Riester-Förderung.Bereits dieses Jahr können über die Entgeltumwandlung bis zu 2160 Euro steuer- und sozialversicherungsfrei fürs Alter angelegt werden. Das entspricht vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (54 000 Euro). Für die private Vorsorge können dagegen lediglich 525 Euro steuerlich geltend gemacht oder alternativ eine Sparzulage von 38 Euro plus 46 Euro pro Kind beantragt werden.

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Die Versicherungs- und Investmentbranche setzt große Hoffnungen auf die betriebliche Vorsorge. Nachdem die Verkaufszahlen der privaten Riester-Policen bisher enttäuschten (von 31 Millionen Förderberechtigten haben nur sechs Prozent einen Vertrag abgeschlossen) soll die Vorsorge in den Unternehmen die erhofften Abschlüsse bringen. Mittelfristig sollen die Vorsorge-Gelder zu rund zwei Dritteln in die betriebliche Vorsorge wandern. Pensionsfonds sind das neue Zugpferd, das die Branche ins Rennen um das Geld der Sparer schickt.Es gibt fünf Formen der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Die Direktversicherung ist das gesetzliche Minimum, das die Arbeitgeber garantieren müssen. Einen Vertrag über den Betrieb abzuschließen hat Vorteile: Die Konditionen sind besser, da Großunternehmen oder ganze Branchen Sonderkonditionen mit den Versicherern aushandeln können.Zu den bereits bekannten Vorsorgeformen Unterstützungskasse, Direktzusage und Pensionskasse kommen die Pensionsfonds neu dazu. Sie bieten insgesamt höhere Renditechancen, da sie das eingesammelte Geld vollständig in Aktien anlegen dürfen. Aus diesem Grund sind sie aber auch die risikoreichere Vorsorge-Variante.Bisher sind allerdings erst sieben Pensionsfonds am Markt. Den ersten deutschen Vorsorgefonds legte die Chemiebranche gemeinsam mit der Hypo-Vereinsbank auf. Deutsche Telekom und Commerzbank zogen nach. Für Bau- und Druckindustrie sowie den Einzelhandel gibt es bereits Tarifverträge mit Pensionskasse, für die Angestellten im Hotel- und Gaststättengewerbe die ?Hoga-Rente?. Das größte neue Versorgungswerk wurde Anfang Mai mit der Metall-Rente geschaffen. Vier Millionen Arbeitnehmer sind berechtigt. Eine große Klientel, doch die Aussichten sind noch verhalten. Der Verband rechnet vorsichtig mit 500 000 Abschlüssen bis zum Jahresende.23 weitere Anträge warten auf die Genehmigung durch die neugeschaffene Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Jeder Fonds muss einzeln geprüft und zugelassen werden. Die Anbieter von Vorsorgelösungen beklagen sich über den Genehmigungsstau in Bonn. Die Behörde ihrerseits verteidigt das schleppende Verfahren. Schließlich komme der Prüfaufwand für die Zulassung eines Fonds der Gründung eines kompletten Versicherungsunternehmens gleich.Pensionsfonds sind ? wie die Pensionskassen - doppelt begünstigt. Der Arbeitnehmer hat zum einen Anspruch auf die Riester-Förderung oder auf die steuerfreie Gehaltsumwandlung. Bis einschließlich 2008 sind die Beiträge sogar sozialabgabenfrei.Vorbild der deutschen Pensionsfonds sind die seit langem bestehenden Vorsorgefonds in den USA, Großbritannien und Kanada. Der wichtigste Unterschied: Im Gegensatz zur den angelsächsischen Vorsorgeprodukten haben die deutschen eine Geld-zurück-Garantie. Das heißt, Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften müssen den Anlegern zum Rentenbeginn mindestens die Rückzahlung der angesammelten Beiträge garantieren.Von den bisherigen Pensionskassen unterscheidet die neuen Pensionsfonds eigentlich nicht sehr stark. Das Risiko ist ähnlich hoch, da beide in Aktien investieren. Während bei der Pensionskasse der Anleger am Ende mindestens die eingezahlten Beiträge zurückbekommt, legt ein Pensionsfonds meist noch eine Mindestverzinsung von 3,25 Prozent drauf.Die Gelder der Pensionskasse werden in zwei getrennten Töpfen verwaltet: Einen für die Sicherung der eingezahlten Beiträge und einen separaten für die eigentliche Fondsanlage. Bei den Pensionsfonds kann theoretisch der gesamte Betrag zur Fondsanlage verwendet werden.Die förderfähigen Formen Direktversicherung und Pensionskasse- sowie ?fonds sind durch den Pensionssicherungsverein geschützt. Wenn Arbeitgeber oder der Versicherer, die Bank oder Investmentgesellschaft pleite gehen, garantiert er zumindest die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge.Nach dem neuen Rentengesetz sind die Beiträge, die ein Arbeitnehmer in die betriebliche Vorsorge eingezahlt hat ab sofort unverfallbar. Bei einem Jobwechsel, kann künftig jeder seine Vorsorgeansprüche mitnehmen. War ein Arbeitnehmer fünf Jahre bei einem Unternehmen beschäftigt und ist er über 30 Jahre alt, kann er sogar die Betriebsrenten-Beiträge, die der Arbeitgeber beigesteuert hat, übertragen.Vielen Unternehmen behagt die neue Riester-Rente gar nicht. Sie basteln an hauseigenen Lösungen ohne staatliche Förderung. Der Grund: Die neue betriebliche Vorsorge erfordert einen hohen Beratungs- und Verwaltungsaufwand, den die Betriebe nicht leisten wollen oder können. Um die Höhe des Riester-Zuschusses zu ermitteln, muss beispielsweise Jahr für Jahr der Familienstatus jedes Arbeitnehmers überprüft werden.Trotz des hohen Aufwands kann die neue Vorsorge aber bilanztechnische Vorteile für den Arbeitgeber bringen: So können beispielsweise die Leistungszusagen aus einer Direktzusage steuerfrei auf einen Pensionsfonds übertragen werden. Das heißt, damit verschwinden die Rückstellungen, die der Arbeitgeber für die späteren Rentenzahlungen bilden muss, aus der Bilanz.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.07.2002