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Besondere Ausbildung notwendig

Von Monica von Wysocki, Handelsblatt
Der Bundesverband der Lehrer an Wirtschaftsschulen hat nun erstmals ein Leitbild für die berufsspezifische Ausbildung von Wirtschaftspädagogen vorgelegt.Wirtschaftslehrer sollen nach diesen Vorstellungen ihre Schüler individuell beraten können, ihre Schwächen frühzeitig erkennen und dadurch ihre Leistungen verbessern.
HB DÜSSELDORF.Wirtschaftslehrer sollen nach diesen Vorstellungen ihre Schüler individuell beraten können, ihre Schwächen frühzeitig erkennen und dadurch ihre Leistungen verbessern. Bei der beruflichen Orientierung ist der Wirtschaftspädagoge als Berater für die Schüler besonders wichtig, heißt es in dem Leitbild. Besonders hervorgehoben wird eine ausgeprägte Fachkompetenz der Wirtschaftspädagogen als Voraussetzung für ihren Unterricht.Im Gegensatz zu anderen Lehrern müssten Wirtschaftslehrer nicht nur die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler durch den Unterricht fördern. Sie müssten auch dem Anspruch auf die berufliche Verwertbarkeit der Lerninhalte gerecht werden. Neben der Fachkompetenz werde, so die Verfasser des Leitbilds, eine gute fachdidaktische und fachmethodische Kompetenz von Wirtschaftspädagogen gefordert.

Die besten Jobs von allen

Damit sei ein erster Schritt auf dem Weg zur Formulierung eines Berufsethos von Wirtschaftspädagogen getan, sagt Verbandschef John. Unterstützung erhält er von der bayerischen Kultusministerin, Monika Hohlmeier. Die Fachkompetenz der Lehrkräfte stehe an bayerischen Schulen im Mittelpunkt. ?Das ist die Voraussetzung dafür, dass ökonomische und rechtliche Inhalte der Sache angemessen und ideologiefrei vermittelt werden können?, sagt Hohlmeier dem Handelsblatt.Bayern führte 1977 als erstes Bundesland das Fach Wirtschaft und Recht als eigenständiges Pflichtfach am Gymnasium ein. Seitdem bildet der Freistaat als einziges Bundesland Wirtschaftsphilologen im Lehramtsstudiengang ?Wirtschaftswissenschaften? aus.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Verbandschef John hofft vor allem auf eine gute Kooperation mit den Wirtschaftspädagogen an kaufmännischen Schulen.Verbandschef John hofft vor allem auf eine gute Kooperation mit den Wirtschaftspädagogen an kaufmännischen Schulen. Aufgabe der Lehrer sei es, eng mit den Ausbildungsbetrieben, Fachverbänden und Kammern zusammen zu arbeiten. Den Schülern solle durch diese Kooperationen eine berufliche Perspektive schon während ihrer Schullaufbahn gegeben werden, so John.Auch Rolf Dubs, Professor am Institut für Wirtschaftspädagogik der Universität St. Gallen, beurteilt die Fachkompetenz der Wirtschaftslehrer als wichtigste Voraussetzung für das Berufsbild. ?Wer wirtschaftliche Themen unterrichten will, bedarf angesichts der zunehmenden Komplexität wirtschaftspolitischer Fragestellungen eines vollwertigen wirtschaftswissenschaftlichen Studiums?, sagt Dubs dem Handelsblatt. Die Fort- und Weiterbildung sollen Wirtschaftslehrer als untrennbar mit ihrer beruflichen Professionalität sehen, fordert das Leitbild. Beispiel für eine solche Fortbildungsmaßnahme sind die Passauer Wirtschaftsphilologentage. Seit 25 Jahren diskutieren Wirtschaftslehrkräfte aus Bayern einmal im Jahr über ökonomische Bildung. Im Zentrum des diesjährigen Programms stand die Ökonomie als Grundlage und Baustein gymnasialer Bildung.Die Diskussionen mit den Lehrkräften bei den diesjährigen Passauer Wirtschaftsphilologentagen dokumentieren, ?wie groß ihre Bereitschaft ist, sich mit neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen auseinander zu setzen und sie in den Unterricht einzubringen?, meint Hohlmeier. Die Kultusministerin ließ ihren Worten auch Taten folgen. Das Münchener Ministerium erhöhte jetzt den Stundenumfang im Fach Wirtschaft und Recht trotz Verkürzung der Schulzeit auf acht Jahre Gymnasium.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.12.2004