Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Bernd Wendeln

Bei Fragen zu Wharton kontaktiert mich bitte unter wendeln@wharton.upenn.edu
Die Ausgangsfragen
MBA Tagebuch Update, 31.03.03
Wharton Welcome Weekend, 15.04.03
Fazit 1. Jahr Wharton
Das zweite Jahr - die ersten beiden Monate
Noch 3 Monate bis zur Graduation







Noch 3 Monate bis zur Graduation

Die besten Jobs von allen


Mittlerweile ist es Februar. Es ist immer noch winterlich kalt in Philadelphia (ähnliches Klima wie in München im Winter), so dass mein Motorrad wohl noch bis März im Stall bleibt. Wir sind Mitte Januar mit unserem letzten Semester angefangen; ich habe jetzt vier Semesterkurse und einen Quartalskurs. Im zweiten Jahr können wir ja sämtliche Kurse wählen und dieses Semester habe ich vor allem darauf geachtet, gute Professoren zu bekommen. Ein schlechter Professor kann ein spannendes Fach wirklich killen, doch ein guter Prof. kann ein langweiliges Thema interessant machen. Da es doch einige gravierende Qualitätsunterschiede unter den Profs hier bei Wharton gibt, ist die Wahl sehr wichtig. Glücklicherweise gibt es Ratings und Kommentare zu allen Profs ? gegeben von Studenten. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Ratings und Kommentare auch fast immer den Nagel auf den Kopf treffen. Meine Kurse sind im Moment ?Entrepreneurship and Venture Capital?; ?Corporate Strategy: M&A?; ?Legal Aspects of Entrepreneurship?; ?Problems in Financial Accounting? und ?Real Estate Financing?. Ziemlich bunt gemischt, aber überwiegend auf das ausgerichtet, was ich nach dem MBA machen möchte: eine kleine Firma kaufen und weiterentwickeln!

Das zweite Jahr ist schon um einiges schöner und angenehmer als das erste: man kann sich seine Kurse selbst aussuchen; hat seine Freunde gefunden; weiß, was sich im Rahmenprogramm von Wharton lohnt und kennt die Stadt schon ganz gut. Dass der Arbeitsaufwand zurückgeht (wie immer wieder einige Leute behaupten) ist aber nicht der Fall. Es wird nur weniger vorgeschrieben und man ist Herr seines Terminkalenders (das erste Jahr hat fast nur Pflichtkurse und es werden mehr Klausuren geschrieben).

Ich werde in den nächsten Tagen den Vorsitz von Europa (Club der europäischen Studenten) an die nächste Generation übertragen. Die Leitung des Clubs war sicherlich eine der besten Erfahrungen, die ich bei Wharton gesammelt habe. Ein Organisations-Team von 20 Personen und 250 Club-Mitglieder über ein Jahr zu leiten war manchmal wie das Leiten einer kleinen Firma. Das Abgeben der Position schafft mir ein wenig Freiraum, die ich unter anderem mit dem Erwerben einer Fluglizenz nutzen möchte. Wenn man schon mal in Amerika ist... (Fliegen ist halb so teuer wie bei uns und die Ausbildung praxisorientierter).

Wir hatten ziemlich lange Weihnachtsferien (20.12. bis 12.1.), die ich unter anderem damit genutzt habe, ein für mich neues Land kennen zu lernen: Indien. Zwei indische Kommilitonen von mir haben mich zu ihren Hochzeiten in Bombay und Delhi eingeladen, die ich dann auch mit einigen Wharton Freunden besucht habe. Das ist das Schöne an so einem internationalen Umfeld in Wharton: Man lernt Kulturen kennen und bekommt Sachen zu sehen, die man sonst so schnell nicht erleben würde.



Auf dem Foto seht Ihr die fünf Wharton Gäste bei Neil?s Hochzeit in Delhi!

Das zweite Jahr - die ersten beiden Monate

Die Pflicht habe ich hinter mir gebracht, jetzt kommt die Kür! Im 2. Jahr haben wir nur noch Wahlkurse; ich brauche also keine Kurse mehr besuchen, die mich eigentlich nicht interessieren. Es ist schoen sich in Schule und Stadt auszukennen und zu wissen, wo der Hase läuft. Dies schafft Freiraeume, denn ich weiss ungefähr, welche Veranstaltungen sich für mich lohnen und welche weniger.

Es wird gesagt, dass das Arbeitspensum im 2. Jahr reduziert wird. Doch das Gegenteil war in den letzten 2 Monaten bei mir der Fall. Akademisch betrachtet gibt es viel zu tun (vor allem auch wegen meiner recht hohen Anzahl von 6 Kursen), denn die meisten Kurse benoetigen ziemlich umfangreiche Gruppenarbeiten. Ich finde es interessant, in jedem Kurs mit neuen Leuten zusammen zusitzen, da sich unser Klassenverbund (Cohorts) im zweiten Jahr aufgeloest hat. Einigen fehlt aber die Familiaritaet Ihrer Klasse

Sehr viel Zeit verbringe ich mit ausser-akademischen Aktivitaeten. Ich als "second year" bin nun in Verantwortung für Wharton Clubs oder Aktivitaeten, die ich dann im Fruehjahr an die jetzigen "first years" weitergebe. Zum Beispiel hält mich der Wharton Europa Club,dessen Praesident ich bin, ständig auf Trap. Wir haben 250 Mitglieder und organisieren jede Woche ein Event, sei es eine Recruiting Veranstaltung, ein Dinner, eine Party oder ein Vortrag von einem europäischen Manager in Wharton

Des weiteren organisiere ich zur Zeit die erste deutsche MBA Konferenz hier in den USA, gemeinsam mit zwei Freunden von HBS. Wir moechten ein Netzwerk unter deutschsprachigen MBA Studenten aufbauen. Zu diesem Zweck fuehren wir die Studenten aus über 15 Business Schools in den USA fuer ein Wochenende zusammen und veranstalten das Treffen im Rahmen einer Konferenz. Ueber 100 Studenten haben sich angemeldet und hochkaraetige Redner werden vor Ort sein (zur Information www.germanmbaconference.org). Der regulaere Unterricht wird schon am 8.12. beendet, Klausuren werden dann noch bis zum 19.12. geschrieben. Irgendwie scheint die Zeit zu fliegen...

Fazit 1. Jahr Wharton

Das erste Jahr Wharton ist wie im Fluge vergangen. Es war ein sehr intensives Leben mit zahlreichen neuen Eindrücken und Freunden und einem ständig vollen Kalender. Es ist Zeit, ein Zwischenfazit zu ziehen. Die wichtigste Frage möchte ich gleich zu Anfang beantworten: Lohnt es sich einen MBA zu machen?
Ja, es lohnt sich! Wenn man zwischen 25 und 35 Jahre alt ist, wird man kaum zwei erfülltere Jahre verbringen können. Mein Leben ist in Wharton sehr ausgeglichen; das Angebot an unterschiedlichsten Aktivitäten ist riesig und ich setze je nach Lust und Laune meine Prioritäten (mal akademisch, beruflich, sozial oder sportlich).
Ist das Ganze denn auch 34.000 USD an Studiengebühren im Jahr wert?
Ich glaube, ja! Ich baue ein Netzwerk fürs Leben, gewinne interessante Freunde aus der ganzen Welt, bilde mich an einer der besten Wirtschaftsausbildungsstätten der Welt weiter und habe viel Spaß dabei. Hinzu kommt, dass mir der Titel Wharton MBA hoffentlich noch viele berufliche Türen öffnen wird. Dies jetzt oder jemals in Geld zu bemessen ist kaum möglich. Wie mit vielen Dingen im Leben, zählt wohl vor allem, was man daraus macht. Genügend Möglichkeiten gibt es in Wharton sicherlich.

Eine Zusammenfassung meiner Wharton-Zeit mit einigen Ratschlägen für diejenigen, die es auch nach Wharton zieht:

Wharton - das Studium

Für einen Deutschen bedarf es einer gewissen Eingewöhnungszeit, was Sprache und Beteiligung im Unterricht betrifft, daher sollte man auf jeden Fall das preterm besuchen (Vorbereitungsmonat auf den MBA). Im preterm sind ca. 90% der Studenten anwesend und es bilden sich die ersten Cliquen und Freundschaften. Da noch nicht ernsthaft studiert wird, werden auch sehr viele Partys gefeiert und man kann seine Kommilitonen in sehr entspannter Atmosphäre kennen lernen.

Ich kann aber den Rat geben, während des preterms nicht nur zu Feiern, sondern die Zeit auch dazu zu nutzen, einzelne Pflichtkurse durch bestandene Prüfungen "abzuwählen". Anstatt der manchmal etwas zähen und theorielastigen Pflichtkurse könnt Ihr dann für Euch interessante Wahlkurse nehmen. Dies gilt vor allem für die, die schon ein fundiertes Wirtschaftswissen mitbringen. Das Thema des Kurses ist meines Erachtens aber insgesamt weniger wichtig als der Professor. Ein schlechter Prof. kann ein noch so gutes Fach total uninteressant machen und vice versa. Nur bei Wahlkursen kann man den Professor wählen!

Wir haben bei Wharton eine grade non-disclosure policies, d.h. die Noten der einzelnen Studenten dürfen nicht veröffentlicht werden. Dies führt dazu, dass eigentlich wenig, wenn nicht sogar gar kein Konkurrenzkampf zwischen den Studenten entsteht, sondern eine extrem kollegiale Atmosphäre vorherrscht. Die Prüfungen sind mit normalem Aufwand zu bestehen; wenn man in einem Kurs durchfällt, hat man normalerweise selbst Schuld. Auch in Wharton wird nur mit Wasser gekocht. Das Studium zu bestehen ist einfacher als reinzukommen. Letztendlich kommt es darauf an, was man selbst aus den Ressourcen macht: Geboten wird einem vieles (von überwiegend guten Professoren, Assistenten bis hin zu einigen extrem fähigen Kommilitonen). Es ist eine Hol- und nicht Bringschuld, dies auszunutzen.

Die Lernatmosphäre ist durch das neue Gebäude Huntsman Hall exzellent. Zahlreiche Lerngruppenräume mit neuester Technologie machen die Gruppenarbeiten angenehm. Die Erfahrungen, die ich in meiner Lerngruppe gesammelt habe, sind sicherlich mit die intensivsten in Wharton gewesen.

Die Wharton Community

Engagiert Euch in der Wharton Community! Ihr könnt dadurch Führungsqualitäten entwickeln, leistet einen Beitrag für die Studenten und die Uni, man kennt Euch und es macht Spaß. Von den zahlreichen Clubs habe ich mich z.B. im Europa Club, im Private Equity Club und im Entrepreneurs Club engagiert. Man gewinnt dadurch zahlreiche beruflich wertvolle Kontakte (z.B. durch die Organisation von Konferenzen) und kann lernen, eine größere Organisation zu führen (einige Clubs haben einige Hundert Mitglieder)

Ich habe fast alle Ferien im ersten Studienjahr mit Wharton Leuten verbracht, um diese näher kennen zu lernen und meine Wharton Zeit bestmöglich zu nutzen. Nach dem ersten Studienjahr war ich z.B. für 4 Wochen in Ostafrika: 2 Wochen Safari, 1 Woche Kilimanjaro Besteigung und 1 Woche Zanzibar. Hierbei habe ich einige Kommilitonen intensiv kennen gelernt und vor allem die Kilimanjaro-Besteigung war eine tolle Erfahrung in punkto Teamgeist!

Philadelphia

Einige Leute sagen, daß Wharton ja sicherlich eine tolle Schule ist, dass sie aber nicht in Philadelphia leben wollen. Philadelphia ist besser als ihr Ruf. Die Innenstadt ist gepflegt und hat die richtige Größe um zu studieren: Nicht zu groß, dass es anonym wird, nicht zu klein, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Das Nachtleben ist sicherlich nicht vergleichbar mit New York, doch auch in Philly gibt es zahlreiche gute Restaurants und auch einige gute Bars. Dadurch dass wir ständig irgendwelche Wharton Parties organisieren, haben wir sowieso unseren Spaß!

Ich habe mir gerade ein Motorrad gekauft um das Umland näher zu erforschen: es gibt wirklich sehr schöne Ecken! Und New York ist nur 1,5 Stunden entfernt; Washington nur 2,5 Stunden entfernt.

Wenn Ihr weitere Fragen habt, meldet Euch bitte bei mir. Ich verbringe jetzt den Sommer bei einer Private Equity Gesellschaft in München.

Wharton Welcome Weekend, 15.04.03

Die letzten zwei Wochen vergingen wie im Flug. Am letzten Wochenende haben wir von Donnerstag bis Sonntag das Wharton Welcome Weekend organisiert. Zu diesem Wochenende werden alle angenommenen Studenten eingeladen, die im August ihr Studium anfangen, sofern sie sich für Wharton entscheiden. Es sind dann auch tatsächlich 800 Studenten gekommen, ungefähr die Größe des kommenden Jahrgangs Class of 2005. Auch zahlreiche internationale Gäste aus Asien, Europa und Südamerika haben die weite Reise nicht gescheut, um sich aus erster Hand zu informieren.
Die kommenden Studenten hatten ein volles und abwechslungsreiches Programm. Nachmittags haben sie an Probeverlesungen und Informationsveranstaltungen teilgenommen, abends gab es reichlich Unterhaltung. Ich habe zum Beispiel mit dem Europa Club am Freitag Abend ein social dinner für die "Neuen" veranstaltet, zu dem ca. 30 neue und 30 jetzige Studenten gekommen sind und sich rege ausgetauscht haben. Anschließend haben wir eine große Party in einer der besten Diskos der Stadt organisiert, zu der 800 Studenten gekommen sind. Polizistin bei der After Party: Freundlich aber bestimmt hat sie die Party beendet
Ich glaube, dass ich die meisten Gäste des Welcome Weekends nach dem Sommer wiedersehe. Den meisten hat es wenigstens hervorragend gefallen. Mittlerweile ist auch der Frühling hier eingekehrt. Heute gab es hervorragende 25 Grad. Es reichte draußen aber heute nur zu einem kleinen Jogginglauf, da für die verbleibenden drei Wochen der Endspurt angesagt ist. Nur noch zwei Wochen Unterricht und dann 10 Tage für Abschlussexamen in 5 Fächern ...ein Fazit zu meinem ersten Jahr gibt es danach!

MBA Tagebuch Update, 31.03.03

Anfang März haben wir für eine Woche spring break gefeiert. Ich war mit 30 Seglern innerhalb des Wharton Sailing Clubs Segeln bei den British Virgin Islands. Es war ein fantastischer Urlaub und eine hervorragende Möglichkeit, einige class mates näher kennen zu lernen. Wir haben vier Boote gechartert und eine Woche lang Segeln gelernt und dabei wahnsinnig viel Spaß gehabt. Vor zwei Wochen hat unser letztes Quartal im ersten Jahr angefangen. Die Kurse hier in Wharton erstrecken sich immer über ein Quartal. Ein Quartal hat bei uns 8 Wochen und besteht aus 7 Wochen Unterricht und einer Examenswoche am Ende des Quartals. In diesem Quartal belege ich fünf Kurse, was auch dem Durchschnitt entspricht (im vorherigen Quartal hatte ich 3 Kurse; im vorletzten 7 Kurse). Pro Kurs haben wir zwei Vorlesungseinheiten pro Woche à 80 Minuten.

In den ersten zwei Wochen habe ich sehr viel Zeit für ein Marketing Simulations- Spiel investiert. Hierbei simuliere ich mit meinem learning team (6 Personen) ein Unternehmen in einer fiktiven Industrie und trete gegen andere learning teams an. Jede Woche (im Spiel gleich ein Jahr) werden neue Entscheidungen getroffen für ein weiteres Jahr, z.B. welche Produkte entwickeln wir; welche Zielgruppen sprechen wir an; wie hoch ist unser Budget für Werbung; in welchen Kanälen mit welchem Verkaufsteam vertreiben wir die Produkte etc. Das Spiel macht sehr viel Spaß, ist aber auch sehr arbeitsintensiv. Vor jeder Entscheidungsrunde müssen wir sicherlich gut 6 Stunden gemeinsamer Analyse zur Entscheidungsfindung investieren.

Zum Ausgleich gab es dann am Wochenende auch einige Parties, unter anderem auch die alljährliche und besonders wilde Wharton 54 Party (in Anlehnung an das legendäre Studio 54 in NY). Sämtliche Studenten haben vor der Feier Philadelphia's second hand Läden leer gekauft und sich standesgemäß in 70er Jahre Kutten gekleidet. Auch die oftmals etwas spröden und verklemmten Amerikaner können `mal richtig ausflippen...

Die Ausgangsfragen

Wo standen Sie (beruflich/karrieremäßig), als Sie sich entschlossen, einen MBA zu machen?

Nach dem Betriebswirtschaftsstudium in München, Dublin und Madrid habe ich für knapp drei Jahre bei einer Private Equity Gesellschaft in München gearbeitet. Hier hatte ich die Möglichkeit, unterschiedlichste Fähigkeiten aus Finanzen und Marketing anzuwenden und zu entwickeln. Ich habe dabei zahlreiche interessante Manager kennen gelernt und viel über Unternehmensstrategien erfahren. Danach bin für 1 œ Jahre zu einem Asset Management Unternehmen gegangen und habe dort neben Private Equity auch andere Anlageklassen bearbeitet. Meine beruflichen Stationen haben mein Denken sicherlich insoweit geprägt, dass ich Dinge vor allem aus der Investorensicht betrachte. Für meine weitere Karriere im Finanzsektor in Deutschland hätte ich einen MBA nicht unbedingt gebraucht, doch wird der MBA auch in Deutschland immer wichtiger.

Warum ein MBA?

Ich habe mich vor allem aus zweierlei Gründen für einen MBA entschieden. Zum einen möchte ich mich beruflich verändern. Ich möchte gerne operativ managen und ein Unternehmen gründen oder führen, dass Güter herstellt und vermarktet. Hierfür erscheint mir der MBA eine gute Vorbereitung. Zum anderen haben viele meiner Arbeitskollegen und Freunde einen MBA gemacht und dabei die schönste Zeit ihres Lebens gehabt. Was den Aufbau eines Netzwerks betrifft, ist der MBA wohl kaum zu überbieten. Hinzu kommt, dass man in den zwei Jahren unglaublich viel Spaß haben kann, da extrem viele verschiedene Dinge angeboten und organisiert werden.

Warum diese Schule?

Ich habe mich für Wharton entschieden, da ich den Eindruck hatte, dass ich mich in Wharton persönlich und fachlich in den 2 Jahren hundertprozentig wohl fühlen werde. Nachdem ich einige MBA Schulen in den USA besucht hatte, war ich vor allem von der kooperativen und aufgeschlossenen Atmosphäre in Wharton begeistert, die zwischen den Studenten untereinander sowie zwischen Studenten und Fakultät herrscht. Dass Wharton fachlich ganz oben anzusiedeln ist, erkennt man schon alleine an den renommierten Rankings von Business Week und Financial Times, bei denen Wharton über lange Zeit die Nummer eins ist. Ferner haben Freunde von mir Wharton wärmstens empfohlen und konnten mir gute Insider-Infos geben. Und Philly hat sich in den letzten Jahren sehr gemausert, so dass die Stadt auch recht attraktiv ist.

Finanzierung

Der MBA kostet mich 34.600 USD pro Jahr an Studiengebühren. Hinzu kommen noch einmal ca. 25.000 USD pro Jahr für Wohnung, Einrichtung, Lehrmaterialien, Leben etc., so dass man mit mindestens 60.000 USD pro Jahr rechnen muss. Eine Investition, die sich meiner Meinung nach vor allem durch die Erfahrungen, die man hier macht, rechnet.

Bei der Entscheidung für oder gegen einen MBA sollte man sich nicht zu sehr von finanziellen Überlegungen leiten lassen, da umfangreiche Möglichkeiten zur Finanzierung der Kosten zur Verfügung stehen. In Wharton hat jeder internationale Student mit seiner Zulassung zum Studium automatisch Anspruch auf einen Kredit zu attraktiven Konditionen.

Ein MBA ist zwar teuer, doch muss der Preis in Relation zum Nutzen gesehen werden. Neben dem, was man tatsächlich in den Kursen lernt, möchte ich nur hinweisen auf das lebenslange Netzwerk, den Titel und die vielfältigen Erfahrungen.

Sie sind nun schon ein paar Wochen an Ihrer Schule. Welches waren Ihre ersten Eindrücke? Was hat Sie überrascht? Was gefällt Ihnen besonders? Was gefällt Ihnen weniger?

Als ich nach Wharton gekommen bin, war ich überrascht, wie viele interessante, gute und aufgeschlossene Kommilitonen mit mir zusammen studieren. Die Studenten haben mehr Arbeits-Erfahrung als ich vermutete, so dass ich auch von Ihnen viel lernen kann. Ferner bin ich erstaunt, wie viel hier von Studenten organisiert wird. Studenten nehmen Einfluss auf Lernpläne und beraten den Dean und die Fakultäten und haben auch tatsächlich Stimmrechte was administrative Entscheidungen betrifft. Alle Kurse haben einen Qualitätszirkel von wenigen Studenten, die dem Professor permanent feedback im Namen der Klasse geben, was er gut und schlecht macht. Die nicht-akademischen Aktivitäten sind unglaublich vielfältig. Es gibt über 100 Clubs für die unterschiedlichsten Interessensgebiete. von eher beruflicher Ausrichtung (z.B. Private Equity Club; Entrepreneurship Club; Marketing Club etc.), sportlichem Interesse (z.B. Tennis, Rugby, Eishockey, Yoga etc.) oder anderweitigem Interesse (z.B. social community, Weinclub, comedy club, Europa Club etc.). Ich engagiere mich zum Beispiel im Entrepreneurship club, in dem ich eine Konferenz mit 500 Teilnehmern mitorganisiert habe und für akademische Beziehungen zuständig bin. Im Fußball Club spielen wir regelmäßig in Ligen hier in Philadelphia und zusätzlich Turniere gegen andere Business Schulen (z.B. Turniere in Yale und Austin). Desweiteren wird einmal jährlich eine Broadway-ähnliche Produktion alleine von Studenten sehr aufwendig inszeniert, die in Philly und New York aufgeführt wird. Es gibt natürlich auch eine Studentenzeitung und und und...die Liste könnte ich endlos weiterführen.

Kritikpunkte kann ich bisher eigentlich nur auf der akademischen Seite anbringen. Hier ist die Qualität der Professoren doch sehr schwankend und man kann Glück oder Pech haben. Ferner sind die einzelnen Vorlesungseinheiten mit 80 Minuten so kurz, dass gelegentlich nicht in die Tiefe gegangen werden kann. Das Lern-Umfeld ist jedoch fantastisch, da wir gerade in das neue 140 Mio. USD teure Universitäts-Gebäude (Huntsman Hall) gezogen sind, das mit Technik auf höchstem Niveau ausgestattet ist.

Insgesamt gefällt mir das MBA-Leben extrem gut. Ich hatte noch nie in meinem Leben so einen abwechslungsreichen und vollen Terminkalender wie hier...
Dieser Artikel ist erschienen am 24.02.2003