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Bernd Rödl

Foto: Peter Roggenthin
Dr. Bernd Rödel hatte keinen Business Angel, als er 1977 in einem Keller alleine seine Wirtschaftsprüfungs- und Anwaltskanzlei gründete. Heute beschäftigt Rödl & Partner rund 2.200 Mitarbeiter und unterhält unter anderem Niederlassungen in den USA und Osteuropa. Rödl selbst blieb Nürnberg treu und engagiert sich als Hauptsponsor bei den Nordbayrischen Business Angels, einem Netzwerk mit mehr als 40 aktiven Investoren. Rödl ist selbst an zwei Unternehmen beteiligt.
Welche Vorteile bietet ein Netzwerk wie die Nordbayerischen Business Angels (N.B.A.) einem Gründer, der einen Business Angel als Kapitalgeber sucht?

Der erste Vorteil ist, dass er weiß, an wen er sich wenden muss, denn Business Angels hängen ihr Engagement im Allgemeinen nicht an die große Glocke. Bei N.B.A. kann ein potenzieller Gründer eine Liste der Business Angels mit ihren bevorzugten Branchen erhalten. Ein Netzwerk kann Gründer und Kapitalgeber auch gezielter zusammenführen, weil es weiß, welcher Business Angel von seiner Eigenart und Mentalität am ehesten in Frage kommt. Die Verträge, die die beiden Partner miteinander abschließen wollen, werden vom N.B.A. auf Wunsch überprüft. Auf diese Weise kann ein Netzwerk auch die schwarzen Schafe oder Business Devils, die nur schnell Geld machen wollen, aussortieren. Nicht zuletzt übt ein Netzwerk auch eine Anziehungskraft auf weitere Business Angels aus, wenn es erfolgreich arbeitet. Auch davon profitieren letztendlich die Gründer.

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Inwiefern erleichtert ein Business Angel einem Gründer die Aufnahme von Wagniskapital?

Zum einen erweckt es bei den Wagniskapitalgebern Vertrauen, wenn bereits ein renommierter Business Angel in das Unternehmen investiert hat. Damit nimmt er den Wagniskapital-Gesellschaften, deren Managementkapazitäten schnell erschöpft sind, zumindest einen Teil der Vorprüfung ab. Der zweite Vorteil ist, dass ein Unternehmen mit dem Geld des Business Angels bereits die erste Hürde genommen hat. Das verleitet den Wagniskapitalgeber eher zum Einstieg, weil sich früher eine Chance bietet, seine Anteile gewinnbringend zu verkaufen. Wie N.B.A. arbeiten auch andere Netzwerke mit Venture Capitalists zusammen, um von vorneherein beide Kapitalgeber an Bord zu holen. Ich denke, dass diese Zusammenarbeit in Zukunft noch zunehmen wird, weil die Investoren das Risiko heute lieber auf mehrere Schultern verteilen wollen.

Stichwort Risiko: Glauben Sie, dass sich Business Angels in nächster Zeit bei der Finanzierung junger Unternehmen eher zurückhalten werden?

Im Gegenteil. Denn nicht nur bei den Gründern hat sich die Spreu vom Weizen getrennt, auch bei den Business Angels. Die Leute, die das lediglich als Alternative zu anderen Anlagemöglichkeiten gesehen haben, ziehen sich jetzt enttäuscht zurück. Dafür wird die Zahl derer, die sich ernsthaft engagieren wollen, deutlich steigen. Das Bewusstsein für die Bedeutung der Eigenkapitalfinanzierung nimmt zu. Und es ist viel Geld im Umlauf. Es gibt jüngere Leute, die demnächst ein Vermögen erben oder schon ihr eigenes gemacht haben. Und auch manche Ruheständler merken, dass Golf spielen alleine auch nicht die große Erfüllung bringt. Als Business Angel erleben sie, dass ihr Rat von jüngeren Leuten angenommen wird. Da kann man auch eher verschmerzen, wenn sich eine Investition nicht wie gewünscht entwickelt.

Die Fragen stellte Peter Nederstigt.

Dieser Artikel ist erschienen am 18.05.2001