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Berlin gegen den Rest der Welt

Jennifer Nötges
Drei Berliner Studenten schafften es beim internationalen Case-Study-Wettbewerb der Darden School of Business ins Finale. karriere war bei ihrer Reise nach Charlottesville/Virginia dabei.
"Welcome to Darden, guys!" ruft Jay Bourgeois, Dean of International Affairs, und weist mit einer lockeren Handbewegung den Weg zur Terrasse im Innenhof des Uni-Gebäudes. Ganz so haben sich die drei Deutschen ihre Ankunft in Virginia nicht vorgestellt. Eine Hand voll Professoren und Studenten in Shorts und T-Shirts empfängt die Gäste aus Berlin. Drückt jedem ein Bier und einen Teller mit Pizza in die Hand.
Markus Höhne, Stefan Priemer und Christian Krügerke studieren normalerweise BWL an der Humboldt-Uni in Berlin. Jetzt erobern sie Amerika. Nachdem sie sich in der Vorrunde der International Case Study Competition der Darden School of Business gegen 500 andere Studenten durchgesetzt haben, sind sie nun zum großen Finale nach Virginia eingeladen, um gegen Argentinien, Griechenland, Dänemark und ein weiteres deutsches Team anzutreten

Millionendeal bei 30 Grad

Gegenstand der finalen Fallstudie: Ein Biotechnologieunternehmen soll verkauft werden. Keine leichte Aufgabe, doch Stefan bleibt erst mal gelassen: "Wir sehen das alles ganz locker", sagt er. "Hauptsache wir nehmen ein paar schöne Tage und Erfahrungen mit." Doch als sie auf die MBA-Studenten der Darden School treffen, die ihre Gegner bei der simulierten Verhandlung sein werden, ist es vorbei mit der Coolness. Die Deutschen wollen zeigen, was sie draufhaben: Bis spät in die Nacht sitzen sie zusammen, rechnen, probieren, diskutieren.
Am nächsten Tag ist es soweit. Drei Studenten aus dem ersten Jahr des MBA-Programms erwarten Markus, Christian und Stefan in einem kleinen Verhandlungszimmer. Alle haben das perfekte Pokerface aufgesetzt. Nervosität macht sich breit, die Jungs schwitzen in ihren Anzügen - trotz Klimaanlage. Christian nestelt unentwegt an seiner Krawatte, Markus sagt eine ganze Weile kein Wort mehr. Beide Teams wollen beweisen, wie fit sie sind, gehen komplett in ihren neuen Rollen auf.
"Du kannst nicht einschätzen, wie viel die anderen über deine Firma wissen, wie ehrlich sie auf dich zukommen oder ob sie nur versuchen, dich über den Tisch zu ziehen", sagt Christian. So als wäre es wirklich um einen Millionendeal gegangen. Am Ende finden sie aber einen Konsens, zu welchem Preis die Biotechnologiefirma den Besitzer wechseln soll - nach drei Stunden Verhandlung. Mit gemischten Gefühlen warten sie auf die Auswertung der Professoren, tigern durch die Gänge und versuchen herauszufinden, zu welchen Ergebnissen die anderen Gruppen gekommen sind. Mürrische Stimmung bei den Dänen, sie haben keinen Vertrag zustande bekommen, und auch die Griechen sind wenig überzeugt von ihrer Lösung. "Die haben uns garantiert gelinkt", meint Stefan, "irgendwas haben wir übersehen."

Die besten Jobs von allen


Endlich Freibier

Doch die Berliner haben mit Abstand den höchsten Preis für ihr Unternehmen rausgeschlagen und fliegen als Sieger zurück nach Deutschland. "Jetzt haben wir Urlaub!", freut sich Stefan. Und auch die anderen Studenten lockern sich. Die Anzüge wandern zurück in die Koffer, und die internationalen Studierenden machen sich gemeinsam auf den Weg, die Umgebung zu erkunden und den immensen Vorrat an Freibier zu vernichten, den die Schule gestiftet hat.
Vier Tage Virginia vergehen wie im Flug. Kaum angekommen, müssen die Studenten aus Berlin auch schon wieder Abschied nehmen. Ob für immer, da sind sie sich noch nicht sicher. "Wir bleiben in jedem Fall in Kontakt mit den anderen Teams", sagt Markus. "Und vielleicht kommt der ein oder andere von uns ja doch zum Studieren her." Denn in einem sind sie sich einig: "Wenn MBA, dann Darden."

Für 2007 plant die Darden School of Business wieder eine International Case Study Competition. Infos darüber dann auf www.darden.virginia.edu
Dieser Artikel ist erschienen am 04.09.2006