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Berit Schmitz

Einführungstext
Oktober 2002
November 2002
Dezember 2002
Januar 2003
Februar 2003
März 2003

März 2003

Hatte ich im Januar geschrieben, dass wir uns nicht überarbeiten???? Jetzt jedenfalls schuften wir ganz schön! Fünf Klausuren und die Deadlines von einigen Groupworks gab es diesen Monat. Dazu kam dann noch das traditionelle Bocconi-Skiwochenende in Courmayeur, das einige Studenten organisiert haben. Direkt nach der Presentation in Corporate Finance sind wir Freitag Mittag nach Courmayeur gestartet und haben ein fantastisches Skiwochenende gehabt! Das Wochenende fiel damit zwar flach für's Lernen, aber das war es wert! Überhaupt bin ich in diesem MBA-Studium viel eher mal bereit, auf eine gute Note in einer Klausur zugunsten solcher Erlebnisse zu verzichten als in meinem Studium in Ingolstadt. Für mich ist der MBA nicht nur eine Note, die ich zum Schluss bekomme, sondern vor allem die Erfahrungen und Erlebnisse in der Uni, bei den Groupworks und eben auch in der Freizeit! Denn solch ein internationales und interessantes Umfeld, das wir hier haben, werden wir schwerlich noch mal in unserem Leben bekommen. Bei dem Lernen für die ganzen Klausuren habe ich auch erkannt, dass es viel besser ist, gemeinsam mit anderen zu lernen als alleine. Da jeder einen anderen Erfahrungshintergrund hat, kann man sich sehr gut ergänzen - so habe ich viel in Cost Accounting erklären können und meine irische Komilitonin hat mir Marketingkonzepte erklärt

An einem Nachmittag im Februar hatten wir Prof. Bower von der Harvard Business School zu Gast. Er hat einen neuen Case geschrieben über das Unternehmen Merloni, den wir vorbereitet haben und dann mit ihm diskutiert haben. Auch Sign. Merloni war bei dieser Veranstaltung anwesend!

Die besten Jobs von allen
!

Ein Fach, das wir diesen Monat neu hinzubekommen haben ist Organisational Design. In dem Fach müssen wir für jede Vorlesung ein Kapitel aus einem Buch plus ein case vorbereiten. Zu Beginn jeder Vorlesung gibt es dann Fragen zu dem case, die wir zunächst für dreißig Minuten mit unserer Arbeitsgruppe und anschließend mit der ganzen Klasse und dem Professor diskutieren. Für die Teilnahme der Gruppe am Unterricht gibt es dann eine participation grade. Der Durchschnitt aller participation grades geht zu 50% in die Kursbewertung ein. Zwar führt diese Art der Notengebung dazu, dass manche auch nicht so wertvolle Beiträge bringen (um den quantitativen Anteil zu erhöhen), aber insgesamt hat es doch immer zu einer interessanten Diskussion geführt.

Dann gab es diesen Monat auch die erste Runde im Career Counselling. Zusammen mit einer Mitarbeiterin im Career Development Service konnte man in einem intensiven Gespräch seine Stärken und Schwächen erarbeiten und entsprechende Berufsprofile identifizieren. Einen Sonntag habe ich diesen Monat an der ligurischen Küste in Recco und Camogli verbracht. Ich musste feststellen, dass Mailand ja in der Tat eine fantastische Lage hat! Knapp zwei Stunden zum Mittelmeer, knapp zwei Stunden in die Alpen - nur schade, dass wir das dieses Jahr gar nicht so richtig nutzen können.

Februar 2003

Als neue Fächer haben wir im Februar Marketing I und Financial Markets and Institutions I hinzubekommen. Leider ist auch in diesem Monat der Fokus sehr auf Lernen ausgerichtet und weniger auf case studies, aber es wird uns immer wieder versichert, dass sich das bald ändern wird. Der momentane Fokus sei halt auf das Schaffen theoretischer Grundlagen ausgerichtet und noch nicht auf die Anwendung.

Auch die erste Klausur in der Phase Functional Management haben wir im Februar geschrieben: Technology Management. Nachdem die Klausuren der Prelude Phase und der Pillars Phase ja reine pass/fail Klausuren waren, wird es jetzt spannend, denn ab jetzt gibt's dann Noten für die Klausuren. Ich bin schon mal gespannt, ob das den Konkurrenzdruck untereinander erhöhen wird. Bislang ist hier von Konkurrenz unter den Studenten keine Spur, was ich als sehr gut empfinde und als großen Vorteil gegenüber den Unis in Deutschland. Allerdings hört man auch, dass die Konkurrenz untereinander in der italienischen Klasse etwas höher ist.

In einer zusätzlichen Veranstaltung diesen Monat wurde uns dann mal der "richtige Umgang" mit den Notebooks und dem Wireless Lan erläutert . . . ! Jeder Student in Bocconi muss über ein Notebook verfügen und erhält von der Uni eine Wlan-Karte. Falls eine Vorlesung also mal "nicht so spannend" ist, dann entscheidet sich so mancher Student, die Zeit lieber mit Emailen und Internet-Surfen zu verbringen (= "unrichtiger Umgang"). Es gab eine heftige Diskussion mit dem MBA-Direktor! Ich persönlich unterstütze die Meinung, dass jeder für sich entscheiden sollte, ob er während der Vorlesung im Internet surft oder nicht. Allerdings kann ich auch künftigen Studenten nur empfehlen, das Notebook zu Hause oder im Locker zu lassen, denn die Versuchung kann schon manchmal recht groß sein! Auch ich habe manches mal in einer langweiligen Vorlesung zum Notebook gegriffen und habe mails geschrieben, Hausarbeiten gemacht, an den Gruppenarbeiten weitergearbeitet etc. Aber letztlich ist eine Vorlesung für alle Seiten interessanter, wenn alle aktiv dabei wären.

Die Deadline für die Bewerbung für's Exchange Programm rückt jetzt auch langsam näher. Bis zum 30. März müssen wir uns entscheiden, ob wir uns für den Exchange bewerben wollen. Ich habe meine Entscheidung für die letzte Phase bereits getroffen: Für mich persönlich ist der Nutzen eines Firmenprojektes größer als der Nutzen zusätzlicher Vorlesungen. Außerdem würde ich gerne noch besser Italienisch sprechen, so dass ich in der Zeit von September bis Dezember in Italien bleiben möchte. Daher werde ich mich für ein Firmenprojekt und zwar als Gruppenprojekt entscheiden.

Ansonsten habe ich mich diesen Monat intensiv um die Organisation des MBA Tournament in Paris Anfang Juni gekümmert. Die Studenten von HEC in Paris organisieren diese jährliche MBA Olympiade und jede teilnehmende Schule hat einen school coordinator. Für Bocconi bin ich das mit einigen anderen Studenten. Meine Aufgaben liegen vor allem in der ganzen Logistik: die Anmeldungen organisieren, den Kontakt zu HEC halten, die Reise organisieren und die Kommunikation zu den Studenten von Bocconi zu gestalten. Unsere Informationsveranstaltung und die Informationsbroschüre waren jedenfalls schon mal erfolgreich - 145 Teilnehmer werden Anfang Juni nach Paris fahren! Dazu mussten wir in diesem Monat die Anmeldungen und die Kautionen einsammeln

Dank der neuen Günstig-Airlines, die ja passend zu meinem Start in Mailand ihren Betrieb aufgenommen haben, konnte ich auch ein Wochenende im Februar zu Hause verbringen. Für gerade mal 2 Euro bin ich nach Köln und zurück geflogen. Da ist der Zug zum Flughafen in Mailand für 9 Euro teurer als der Hin- und Rückflug gewesen!!

Januar 2003

Obwohl wir bis einschließlich 06. Januar "Ferien" hatten, bin ich bereits am 30. Dezember nach Mailand zurückgekehrt. Ich hatte mit ein paar Komilitonen beschlossen, die Chance zu nutzen und Silvester in Mailand zu feiern. Als ich zurückkam, konnte ich dann auch endlich in meine WG in der Mailänder Innenstadt ziehen. Jetzt kann ich die Uni und die Innenstadt in fünfzehn Minuten per Bahn oder aber auch mal zu Fuß erreichen - bei den ganzen Streiks hier nicht unerheblich!! Silvester haben wir zunächst bei einem französichen Komilitonen zu Hause gefeiert und sind anschließend zum Castello Sforzesco gefahren, um dort um Mitternacht das neue Jahr mit einem riesigen Feuerwerk und vielen Mailändern zu begrüßen. Wir sind alle sehr gespannt, was das neue Jahr alles bringen wird! Einig sind wir uns alle darüber, dass es wohl ein einmaliges Jahr werden wird!

Bereits an Neujahr war dann aber wieder lernen angesagt! Ich habe mit einem Komilitonen aus Österreich und einem Komilitonen aus Argentinien eine Lerngruppe gebildet und wir haben vor allem Mikroökonomie - das Fach mit dem ich mein gesamtes Studium auf Kriegsfuß stand . . . - gelernt. Aber diesmal werde ich es wohl das letzte mal lernen! Auch die anderen Fächer, Accounting & Control, Quantitative Methods, Firm and its Environment, Organisational Behaviour und Makro kamen nicht zu kurz! Nachdem wir eine Woche lang jeden Tag eine oder zwei Klausuren geschrieben hatten, haben wir diese am 13. Januar mehr oder minder erfolgreich überstanden. Aufgrund des gewaltigen Stoffumfangs blieb einem in ein oder zwei Fächern nichts anderes übrig als auf Lücke zu lernen und zu hoffen, dass man die richtigen Lücken gelassen hat! Ich hatte Glück und habe alle Klausuren auf Anhieb bestanden und musste nicht mehr in die "Nachklausuren" Ende Januar, aber einige hat's erwischt. Ich glaube aber, dass in den Nachholklausuren dann alle bestanden haben. Am 13. Januar abends haben wir dann jedenfalls erstmal groß gefeiert - das hatten wir uns auch wirklich verdient. Allerdings waren wir auch alle ganz schön müde, denn so richtig viel geschlafen hatte eigentlich keiner in der letzten Woche. Meist hat man bis tief in die Nacht gelernt, die Klausur morgens geschrieben, anschließend ein Stündchen geschlafen, um ein bisschen fitter zu werden und wieder bis tief in die Nacht für die nächste Klausur gelernt. Nur die wenigen, wahnsinnig organisierten Komilitonen, die bereits vor Weihnachten den Stoff bereits einmal durchgelernt hatten, waren da besser dran!

Damit wir auch nicht aus der Übung kommen, fing am Tag darauf direkt die dritte Phase des Bocconi-MBAs an: Functional Management. Wie der Name bereits andeutet, ist es das Ziel dieser Phase, uns mit allen Funktionen des Unternehmens vertraut zu machen. Gestartet haben wir im Januar mit folgenden Bereichen: Quantitative Methods, Corporate Finance, Cost Accounting und Technology Management. Auch unsere kleinen Arbeitsgruppen wurden neu zusammengesetzt: diesmal bin ich in einer Gruppe, die eher homogen vom beruflichen Hintergrund und auch rein europäisch ist: ein italienischer Unternehmensberater, ein englischer Unternehmensberater, ein italienischer Operations Management Mitarbeiter und eine irische Marketing Managerin. Endlich habe ich auch mal weibliche Unterstützung in meiner Arbeitsgruppe! Die Frauenquote in Bocconi ist nämlich eher gering, ca. 30%. Zur Einstimmung in unsere Gruppenarbeit sind wir erst mal Pizza essen gegangen. Auch sonst kamen die abendlichen Aktivitäten im Januar nicht zu kurz, da wir gar nicht so viel für die Uni arbeiten mussten. Obwohl uns die Phase Functional Management ja als sehr lernintensiv und super anstrengend beschrieben wurde, haben wir derzeit nicht das Gefühl, uns völlig zu überarbeiten. Vor allem die groupworks kommen meiner Meinung nach viel zu kurz! Aber eigentlich sind wir ganz dankbar nach der üblen Schufterei am Anfang des Monats, mal etwas kürzer zu treten! Und wahrscheinlich werden wir uns auch bald schon sehr nach dieser Zeit zurücksehnen! Bereichert wird unsere internationale Klasse seit Januar auch um zwei Exchange-Studentin: eine Amerikanerin von der Columbia Business School und eine Brasilianerin von einer Uni in Sao Paolo

Seit Anfang des Monats hat SDA Bocconi jetzt auch einen neuen Dekan: Maurizio Dalloccchio. Wir haben es als Studenten sehr geschätzt, dass er sich sehr rasch nach seinem Start bei uns vorgestellt hat, uns seine Ziele erläutert hat und um unsere Anregungen zur Verbesserung des Programms gebeten hat

Von dem Marketing-Bereich der Uni kam die Anfrage an unsere Klassen, Mitglied einer Fokusgruppe zu werden. Ich bin Mitglied dieser Fokusgruppe und in unserem ersten Treffen Ende Januar haben wir das Thema "Broschüre" diskutiert. Wir haben unser feedback zur existierenden Broschüre gegeben und Anregungen, wie die neue Broschüre gestaltet werden könnte.

Dezember 2002

Im Dezember haben wir die gleichen Fächer gehabt wie im November. Allerdings waren die assignments, die wir zu bearbeiten hatten, andere. Vor allem der Mikro-Professor hat uns in dem Monat mit reichlich Arbeit eingedeckt - und das bei meiner bereits erwähnten Vorliebe für VWL-Fächer!! Auch in Firm and its Environment waren weitere assignements zu bearbeiten. Da ich ja in eine eher diskussionsfreudige Gruppe eingeteilt war, hat uns diese Arbeit schon jeden Abend bis um 23:00 Uhr in der Uni festgehalten - und anschließend zu Hause. Die Uni schließt während der Woche abends um 23:00 Uhr. So bemüht man sich zumindest, seine Arbeiten bis um 23:00 Uhr fertig zu stellen und kann dadurch wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommen. Samstags ist die Uni immer geöffnet, an Sonntagen ist sie grundsätzlich geschlossen, aber wenn die Studenten während der Woche der Verwaltung mitteilen, dass sie am Sonntag in der Uni arbeiten möchten, dann wird geöffnet.

Im Rahmen der Makro-Vorlesung hatten wir im Dezember Alberto Alesina als Guest Speaker. Er stammt aus Italien, forscht und lehrt aber seit Jahren in Harvard. Er hat einen wirklich eindrucksvollen Vortrag über die Vorteile und Nachteile von verschiedenen Möglichkeiten von Währungsunionen gehalten

Was mich überrascht hat und so gar nicht dem deutschen Uni-System entspricht, ist die strikte Anwesenheitskontrolle, die hier geführt wird! Jeden Morgen muss man sich bis 08:30 Uhr in eine Liste am Empfang eintragen, anhand derer die Anwesenheit kontrolliert wird. Das führt dann auch dazu, dass mal in einer Stunde gecheckt wird, ob die Studenten, die sich eingetragen haben, auch wirklich in der Vorlesung sind...!

An einem Abend wurden uns auch die Möglichkeiten für die fünfte Phase, die "Personalised Phase", die von September bis Dezember 2003 stattfinden wird, vorgestellt. Man kann sich z.B. für ein Exchange Programm bewerben, denn Bocconi hat mit fast allen Top Schulen ein Austauschprogramm. Eine weitere Möglichkeit ist, den Focus "Global Financial Management" oder "Entrepreneurship" zu belegen. Beide sind verbunden mit einem Gruppen- oder Einzel-Projekt in einem Unternehmen. Die dritte Möglichkeit ist, ein Gruppen- oder Einzelprojekt zu machen und zwei weitere, zweiwöchige Wahlfächer zu belegen. Entscheiden müssen wir uns bis Ende März 2003. Ich bin derzeit noch nicht sicher, welche Option ich wählen werde. Einerseits würde ich gerne einen Exchange machen, andereseits sehe ich aber auch den Vorteil eines Projektes mit einer Firma, im Rahmen dessen man dann auch anwenden kann, was man vorher gelernt hat. Außerdem kann ich meine Italienisch-Kenntnisse verbessern, wenn ich hier in Mailand bleibe. Der einmal in der Woche stattfindende Italienischkurs reicht nämlich nicht wirklich aus, wenn man vernünftig Italienisch lernen möchte. Denjenigen von Euch, die ihren MBA in Bocconi machen möchten, dann kann ich nur ans Herz legen, bereits zu den Precourses im Oktober in Mailand zu sein, und den Italienisch-Kurs (3-4 Wochen, 5 Tage pro Woche, 2 Stunden pro Tag) zu belegen. In der Phase hat man wenigstens noch ein bisschen mehr Zeit, sich auf das Sprachenlernen zu konzentrieren. Außerdem ist es ganz schön, seine Kommilitonen bereits vor dem offiziellen Start kennenzulernen und sich in Mailand einzuleben.

Das Programm in Bocconi dauert ja 14 Monate (Oktober - Dezember), so dass in diesem Monat auch die Studenten aus dem Jahrgang über uns noch hier in Mailand sind. Witzigerweise habe ich auch eine Kollegin von ADL aus dem Züricher Büro hier getroffen, mit der ich mal gemeinsam auf einem Training war. Da konnte ich mir natürlich noch mal ein paar hilfreiche Tipps geben lassen. Die Studenten aus dem MBA 27 Jahrgang freuen sich auf ihre Graduation Feier am 20.12.2002. Alle sind auf Jobsuche und einige haben auch schon ihre Verträge unterschrieben. Aber es ist nicht einfach, dieses Jahr Jobs zu finden. An dem Morgen von der Graduation war ich sehr beeindruckt, dass die MBA 27 jetzt fertig sind! Ich bin gespannt, was uns nächstes Jahr erwartet. Von allen wird einem versichert, dass die momentane Phase nur ein "Warm-up" für die kommende "Functional Phase" wird. Aber es sagen einem auch alle, dass das Jahr nur so verflogen ist und dass wir jede Sekunde genießen sollen!

Bevor wir alle in die Weihnachtsferien verschwunden sind (wenn man das so nennen kann, denn direkt anschließend wartet ab dem 07. Januar eine Woche mit sechs Klausuren auf uns!), haben wir noch mal eine große Party veranstaltet - das Motto war "Toga-Party" und wir haben bis tief in die Nacht gefeiert!

Ach ja - ein Wort noch über das Wetter: Wenn ich glaubte, dass ich nach Italien ziehe und hier nur tolles Wetter habe, dann hatte ich mich gründlich getäuscht!! Seit ich Anfang November hier angekommen bin, hat es eigentlich permanent geregnet. An einem Abend kamen wir aus der Metro, um in unseren Bus umzusteigen, aber von diesem trennte uns leider eine große Kreuzung mit etwa 30 cm hohem Wasser, da wegen der massiven Regenfälle die gesamte Kanalisation überschwemmt war. Ein bisschen Venedig-Gefühl in Mailand . . . !

November 2002

Am 1. November ging's dann los. Morgens um 7:00 bin ich mit drei Koffern und Taschen - und riesig viel Erwartungen in den Zug von Düsseldorf nach Mailand gestiegen. Am nächsten Tag kamen dann auch meine beiden Mitbewohnerinnen an, und wir haben zumindest ein paar Stunden Mailand angesehen. Ansonsten gab's für uns aber keine "Warm-up"-Phase, denn am Mittwoch, den 6. November gab's ja dann direkt die ersten Klausuren. Deswegen haben wir unsere ersten Tage in Mailand schon ausschließlich mit Lernen begonnen!

Am Dienstag, den 5. November gab's eine kurze Begrüßung durch die Schule für beide MBA-Klassen, danach wurden die beiden Klassen getrennt und man konnte seine zukünftigen Kommilitonen kennenlernen. In Bocconi studieren ca. 140 MBA-Studenten. Allerdings gibt es zwei Klassen, auf die die Studenten etwa je zur Hälfte aufgeteilt sind. Die italienische Klasse besteht fast ausschließlich aus italienischen Studenten und ihr Unterricht findet bis Juli 2003 in italienischer Sprache statt. Die internationale Klasse - der ich wegen mangelnder Italienisch-Kenntnisse natürlich auch angehöre - besteht aus Studenten aus 29 Nationen und unser Unterricht findet auf englisch statt. Bis zum September 2003 werden ich allerdings einen Konversations-Level in Italienisch erreicht haben müssen, denn dann beginnen die Projekte mit den Firmen und die Wahlfächer, wo dann beide Klassen gemeinsam unterrichtet werden (je nach Fach und Professor mit einem mehr oder minder hohem Italienisch-Anteil)

Am Mittwoch, den 6. November waren dann die drei Klausuren dran - ich habe es mal als Tag der "increasing difficulties" bezeichnet. Quantitative Methoden war soweit machbar, Accounting schon schwieriger und dann kamen Mikro und Makro! Aber mit den beiden Fächern habe ich schon während meines Studiums in Ingolstadt auf Kriegsfuß gestanden . . . ! Am Abend gab es dann die offizielle Begrüßung durch den Dekan der Uni, den Direktor des MBA-Programms und Kommilitonen aus dem MBA 27-Jahrgang (wir sind der 28. Jahrgang). Der Direktor hat uns dann auch mal die "Love-Curve" der Studenten zum MBA-Direktor aufgezeigt. Auf der x-Achse ist die Zeit, auf der y-Achse die Liebe zum MBA-Direktor aufgetragen: jetzt, Anfang November, ist die Liebe zu ihm sehr hoch, da wir alle sehr glücklich sind, zugelassen worden zu sein. Bis Ende Dezember wird sich die Kurve schon abwärts neigen, bevor sie dann während der Functional Phase von Januar bis Ende Juni ungeahnte Negativ-Werte (=Hass) erreichen wird. Langsam wird diese Kurve dann wieder steigen und nach etwa 3 Jahren nach Ende des Programms wieder den Level von November 2002 erreichen! Schaun wir mal - ich habe schon einen kleinen Eindruck, wie das Lernen hier sein könnte, denn in der letzten Woche vor den Prelude-Klausuren kam der Schlaf schon recht kurz. Aber so richtig vorstellen, wie hart es wirklich sein soll (O-Ton einer Kollegin: "Mehr als man sich jemals vorstellen kann, schaffen zu können"), das kann ich mir noch nicht.

Am nächsten Tag fingen dann die Vorlesungen an. In der Pillars Phase (November und Dezember) haben wir folgende Fächer: Accounting und Control, Microeconomics, Macroeconomics, Organisational Behaviour, Quantitative Methods und The Firm and its Environment (Basiskurs Unternehmensstrategie)

Die Pflicht-Vorlesungen finden jeden Tag von 08.30-10.00, 10.10-11.40, 12.00-13.30 und 14.30-16.00 Uhr statt. Anschließend gibt es freiwillige Veranstaltungen bis etwa 19:00 oder 20.00 Uhr (im November waren das u.a. Research Data Banks, Investment Banking Activities, Präsentation der Exchange Students, Association of MBAs, L'oreal und natürlich der wöchentliche, freitags stattfindende Italienisch-Kurs). Außerdem haben sich die verschiedenen Clubs, die es hier an Bocconi gibt, vorgestellt (u.a. Finance Club, Management Consulting Club, Marketing Club, Sailing Club, Entrepreneurship Club, Wine Tasting Club, Unicef, Masteriadi). Jeder Club wollte natürlich viele aktive Mitglieder gewinnen. Ich habe mich entschlossen, Teil des Masteriadi-Teams zu sein. Masteriadi ist die italienische Bezeichnung für die jährlich im Juni stattfindende Olympiade der Top-European Business Schools, die von HEC in Paris organisiert wird. Wir sind auf der Suche nach Sponsoren für unsere Teilnehmer, organisieren die Teilnahme unserer Uni (welche Sportarten, wer ist in welchem Team, Transport, Sport-Trikots, etc.). Außerdem bin ich in permanenten Kontakt mit meinem Ansprechpartner von HEC

Ziemlich schnell fingen dann unsere Professoren an, uns mit Arbeit zu versorgen. Vor der ersten Stunde jedes Fachs findet man den sogenannten "Course Syllabus" in seinem Postfach. Dieser beinhaltet das Ziel des Kurses, den Inhalt jeder einzelnen Stunde und wie man sich auf diese vorzubereiten hat, Assignements und deren Abgabetermine, Literaturempfehlungen und Angaben zur Abschlussklausur. In den ersten beiden Wochen hatten wir jeden Tag einen Gastprofessor von der Georgia State University in Accounting, für den wir insgesamt 3 Assignments zu bearbeiten hatten. Dadurch haben wir dann bereits die ersten beiden Wochen jeden Abend bis 23:00 Uhr in der Uni verbracht!

Auch der Professor in Firm and its Environment versorgte uns sehr rasch mit drei Assignments, allerdings verteilt auf sechs Wochen. Für die Gruppenarbeiten hat die Uni uns in 13 Gruppen à 5-6 Studenten aufgeteilt. Wir haben versucht, das System hinter der Gruppenzusammensetzung zu verstehen, mussten aber letztlich feststellen, dass das Motto wohl "so heterogen wie möglich" hieß!! Meine Gruppe besteht aus einem Investmentbanker aus Los Angeles, einem Berater aus Argenitinien, einem Start-up Gründer aus Brasilien, einem Reuters-Mitarbeiter aus Moskau und einem Ford-Mitarbeiter aus Paris. Das war genau, was ich von einem MBA erwartet habe! Wir arbeiten ganz erfolgreich zusammen, allerdings stellte sich nach ein paar Wochen doch heraus, dass wir eine unterschiedliche Auffassung über Pünktlichkeit, Einhalten von Deadlines und Qualität von Arbeiten hatten. Aber diese Schwierigkeiten zu überwinden stellt eine Herausforderung beim MBA dar.

Insgesamt kam im November auch der soziale Aspekt des MBA nicht zu kurz! Jeden Freitag abend haben wir uns mit unseren Kommilitonen zu einem Aperitivo in einer Bar in Mailand getroffen. Aperitivo ist eine sehr nette Mailänder Gepflogenheit: in jeder Kneipe gibt es von etwa 18:00 - 21:00 Uhr Drinks zu einem festen Preis und dazu ein freies Buffet mit Kleinigkeiten zum Essen. Nach den Aperitivos konnten wir das Nachtleben in Mailand erkunden, was wirklich einiges zu bieten hat. Mailand ist sicherlich nicht die italienischste Stadt (kein Vergleich zu den Sehenswürdigkeiten in Florenz oder Rom), aber was das Ausgehen angeht ist es kaum zu toppen! Allerdings sind die Preise auch entsprechend! 8 Euro für ein Bier ist hier keine Seltenheit!

Auch mein Wohnungsproblem konnte ich vor Ort dann letztendlich lösen. Ab Januar werde ich mit einer türkischen und einer italienischen Kommilitonin eine Wohnung im Stadtteil Porta Romana beziehen! Dann wird die ewige Pendelei zur Hotelresidenz, die uns zur Zeit mehr als 2 Stunden pro Tag kostet, auch ein Ende haben!

Oktober 2002

Die erste Phase des MBA-Studiums in Bocconi dauert von August 2002 - Oktober 2002 und wird als "Prelude Phase" bezeichnet. Ziel dieser Phase ist es, alle MBA-Studenten auf einen gleichen Wissenstand in den Fächern Accounting, Quanitative Methods, Macroeconomics und Microeconomics zu bringen. Dieser wird dann auch gleich am ersten Tag nach dem "offiziellen" Start des MBA-Programms in jeweils einstündigen Klausuren abgeprüft.

Im Gegensatz zu den restlichen Phasen in Bocconi, hat man als Student in der Prelude Phase die Wahl, sich auf verschiedene Art den Lernstoff anzueignen und sich auf die Klausuren vorzubereiten. Nachdem ich für das Programm zugelassen wurde, habe ich einen "Self-Assessment-Test" erhalten. Anhand diesem konnte ich selber beurteilen, welchen Wissensstand ich zu der Zeit hatte und habe eine Empfehlung bekommen, wie ich mich am besten auf die Klausuren vorbereiten kann.

Dazu gibt es drei Möglichkeiten: Erstens kann man sich anhand der Angaben der Uni, welche Themenfelder in diesen Klausuren geprüft werden und welche Bücher man am besten zur Vorbereitung nutzt, alleine im Selbststudium auf die Klausuren vorbereiten. Zweitens wird ein eLearning-Kurs angeboten, bei dem man sich ortsunabhängig per Internet-Zugang auf die Klausuren vorbereiten kann. Die dritte Möglichkeit ist, sich für die Präsenzkurse hier vor Ort in Mailand anzumelden. Diese dauern vier Wochen und beinhalten neben den vier genannten Klausurfächern auch einen täglichen Italienisch-Kurs.

Ich hatte mich für die Option 1 entschieden. Von ADL war ich für den MBA ab Oktober freigestellt und nachdem ich meinen Auszug aus meiner Wohnung in Düsseldorf über die Bühne gebracht habe, habe ich mich zu Hause bei meinen Eltern auf die Klausuren vorbereitet. Ursprünglich hatte ich geplant, bereits im Oktober nach Mailand zu ziehen, um mich dort vorzubereiten und in Mailand einzuleben, aber da bin ich dann bereits das erste mal mit der italienischen Gelassenheit aneinandergeraten J. Eine bezahlbare Wohnung in Uninähe in Mailand zu finden, gleicht einem Alptraum und solange man nicht vor Ort ist, stellt auch die von der Uni genannte Wohnungsvermittlerin keine wirkliche Hilfe dar. Letztlich habe ich mit zwei zukünftigen Kommilitoninnen aus der Türkei beschlossen, für November und Dezember in eine Hotelresidenz zu ziehen und vor Ort in Mailand nach einer Wohnung zu suchen. Und ich hatte gedacht, dass das Wohnen in Hotels nach dreieinhalb Jahren Unternehmensberatung erst mal vorbei gewesen wäre. . . !

Hallo liebe Leserinnen und Leser

Mein Name ist Berit Schmitz und ich werde Euch in den nächsten Monaten einen Live-Bericht über meine Erfahrungen beim MBA an der SDA Bocconi in Mailand geben. Wenn Ihr Fragen an mich habt - sei es zum MBA allgemein oder zu SDA Bocconi speziell - dann könnt Ihr mir jederzeit eine eMail schicken!

Zu meiner Person:

Ich bin 30 Jahre alt und in Düsseldorf aufgewachsen. Nach dem Abitur 1991 wollte ich nicht nahtlos von der Schulbank auf die Unibank wechseln und habe daher zunächst eine Bankausbildung bei der Deutschen Bank in Düsseldorf gemacht. Anschließend habe ich an der Katholischen Universität Eichstaett-Ingolstadt und an der University of Humberside and Lincolnshire in England Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach Praktika in verschiedenen Branchen und Funktionen (Consulting, Banking, Marketing, Wirtschaftsprüfung), habe ich mich entschlossen, meinen ersten Job im Management Consulting zu suchen und habe im Mai 1999 als Business Analyst in der eBusiness und Information Management Practice bei Arthur D. Little angefangen. An der Aufgabe eines Beraters hat mich vor allem gereizt, mich immer wieder um unterschiedliche Aufgaben und unterschiedliche Kunden zu kümmern. Insgesamt habe ich jetzt dreieinhalb Jahre bei ADL gearbeitet und habe mich vor allem um Kunden im Logistik-, Finanz- und Automobilsektor gekümmert.

Warum ein MBA?

In meinen Projekten bei ADL habe ich vor allem IT- und eBusiness-Strategien für meine Kunden entwickelt. Ich bin überzeugt davon, dass heutzutage IT einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen ist und dass mir das Wissen, das ich in dem Bereich gewonne habe, auch in Zukunft sehr zugute kommen wird. Ich sehe allerdings derzeit die Gefahr, in eine Spezialistenrolle zu geraten. Der MBA wird mir die Möglichkeit geben, alle funktionalen Themenfelder in einem Unternehmen und deren Vernetzung untereinander intensiv zu erarbeiten. Obwohl ich ja bereits BWL studiert habe, bin ich davon überzeugt, noch mal wertvolle neue Lerninhalte vermittelt zu bekommen, vor allem da ich diese heute vor einem komplett unterschiedlichen persönlichen und beruflichen Hintergrund und in einem wesentlich internationalerem Umfeld reflektieren kann als während meines ersten Studiums.

Warum Bocconi?

Bei der Auswahl meiner MBA-Uni waren drei Kriterien entscheidend: Erstens wollte ich in jedem Fall an eine europäische Universität, da ich langfristig meine Zukunft in Europa sehe. Deswegen ist für mich das Netzwerk einer europäischen Schule wertvoller als das einer amerikanischen Schule. Zweitens wollte ich nur ein Ein-Jahres-Programm. Mit einem betriebswirtschaftlichen Hintergrund wäre ein längeres Programm einfach ein zu hohes Zeitzugeständnis gewesen. Drittens war klar, dass ich an einer der Top-Schulen studieren wollte, denn alles andere lohnt einfach die sehr hohe Investition nicht. Legt man diese Kriterien zu Grunde, dann reduziert sich die Zahl der Bewerbungen ganz schnell auf sehr wenige.

Ich bin sehr froh, dass Bocconi geklappt hat, denn dort legt man besonders viel Wert auf die Ausbildung von Generalisten, indem eine sehr breite Ausbildung in jeder Unternehmensfunktion angeboten wird. Außerdem kann ich mir vielleicht eine Karriere im Mode-/Luxusgüterbereich vorstellen, und da ist die Modestadt Mailand mit Firmen wie Gucci, Prada, Armani etc. natürlich toll! Zudem hat Bocconi ein sehr attraktives Austauschprogramm mit praktisch allen Top Business Schools in den USA und Europa. Persönlich freue ich mich auch, eine Zeitlang in Italien leben zu können. Ich bin sicher, dass ich von der italienischen Gelassenheit viel lernen kann! Ich hoffe auch, dass ich in eine WG mit italienischen Kommilitonen ziehen kann, um vor Ort die italienische Lebensart und italienische Sprache zu lernen.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.01.2003