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Bericht: Bernhard geht am Donnerstag

Der Markenchef von Volkswagen, Wolfgang Bernhard, denkt nach dem überraschenden Führungswechsel beim Autohersteller offensichtlich ernsthaft darüber nach, den Konzern zu verlassen. Einem Medienbericht zufolge will er bereits am Donnerstag seinen Rücktritt erklären. Es gibt auch schon Spekulationen, wohin er gehen könnte.
HB/hz FRANKFURT. Nach Medienberichten und Informationen aus Unternehmenskreisen will VW-Markenchef Wolfgang Bernhard an diesem Donnerstag seinen Rücktritt erklären. Am Donnerstag bereite das Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen die Sitzung des VW-Kontrollgremiums am Freitag vor, berichtete die ?Frankfurter Allgemeine Zeitung?. VW kommentierte die Personalveränderung nach Angaben der Zeitung nicht.Zuvor hatten Unternehmenskreise gegenüber dem Handelsblatt berichtet, der Topmanager habe bereits im Mai dieses Jahres im kleinen Kreis mit seinem Rückzug gedroht, falls Audi-Chef Martin Winterkorn neuer VW-Chef wird. Ein Ausscheiden von Bernhard würde weitere Verwerfungen an der Konzernspitze bedeuten und den kommenden VW-Boss Winterkorn vor eine Bewährungsprobe stellen.

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Winterkorn räumt Bernhard in seinen Planungen bislang eine Schlüsselrolle ein. Der vom kommenden VW-Chef geplante Konzernumbau würde den bisherigen Rivalen um die Macht an der VW-Spitze zum Mann für die schwierigsten Fälle im Konzern machen. Nach dem Willen von Winterkorn sollen die Marken des Autokonzerns neu gruppiert werden, und zwar in eine Premiumgruppe mit Audi, Bentley, Bugatti und Lamborghini sowie eine Gruppe für das Massengeschäft mit Volkswagen, Seat und Skoda, wie Unternehmenskreise einen Bericht des ?Spiegel? bestätigten.Bislang teilt sich das PKW-Geschäft in die Markengruppen Volkswagen und Audi auf. Zur VW-Gruppe gehören die Stamm-Marke VW sowie Skoda, Bugatti und Bentley, die Audi-Gruppe vereint die Marken Audi, Seat und Lamborghini.Bernhard würde damit künftig neben der schwächelnden Kernmarke VW auch die Verantwortung für die Verluste schreibende spanische VW-Tochter Seat von Audi übernehmen. Laut Unternehmenskreisen würde der Aufsichtsrat Bernhard gerne halten, aber das Verhältnis zwischen dem VW-Markenchef und Winterkorn gilt als unterkühlt.Vor einem Jahr hatte Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch Bernhard selbst als möglichen Nachfolger von Bernd Pischetsrieder ins Spiel gebracht. An diesem Freitag kommt der VW-Aufsichtsrat zu seiner jährlichen Strategiesitzung zusammen, um den Führungswechsel offiziell zu beschließen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: VW übt Druck auf Bernhard aus.Hinter den Kulissen versucht Volkswagen, Bernhard zu einem klaren öffentlichen Bekenntnis für einen Verbleib in Wolfsburg zu bewegen.?Es gibt ein großes Bestreben, Bernhard zu halten?, hieß es von Insidern. Aber es sei nicht sicher, dass er bleibe. Auch beim Konkurrenten Daimler-Chrysler hatte im vergangenen Sommer Mercedes-Chef Eckhard Cordes das Handtuch geworfen, nachdem ihm Chrysler-Boss Dieter Zetsche als Vorstandschef vorgezogen worden war.VW-Chef Pischetsrieder war am vorigen Dienstag überraschend vom Aufsichtsrats-Präsidium abgelöst worden. Als Nachfolger hat das Präsidium Audi-Boss Martin Winterkorn ausgerufen.In Branchenkreisen wird bereits seit einigen Tagen spekuliert, dass Bernhard zu Daimler-Chrysler zurückkehren könnte. Der heutige Chef der Marke Volkswagen hatte mit vor seinem Engagement bei Volkswagen Daimler-Chef Zetsche eng bei der ersten Sanierung der heute wieder angeschlagenen Daimler-Chrysler-Tochter Chrysler unterstützt. Branchenkenner sehen für Bernhard jedoch wegen des Widerstands der Arbeitnehmer im Aufsichtsrat kaum einen Weg zurück zu den Stuttgartern. Zetsche hatte sich letzte Woche zurückhaltend zu einem möglichen Wechsel Bernhards geäußert.
Volkswagen steht vor weiterm UmbauAudi-Nachfolge: Als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Martin Winterkorn an der Audi-Spitze gilt Finanzchef Rupert Stadler. Eine Entscheidung wird voraussichtlich erst im Dezember fallen. Die nächste Sitzung des Audi-Kontrollgremiums ist Anfang des kommenden Monats geplant.Familienfirma: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will VW in ein Familienunternehmen verwandeln ? mit ihm selbst als Oberhaupt. Laut ?Spiegel? kaufen Investoren ?aus dem weiteren Umfeld Piëchs? VW-Aktien auf. Der vom Piëch-Clan kontrollierte Sportwagenbauer Porsche erwägt zudem, seinen VW-Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken.
Dieser Artikel ist erschienen am 15.11.2006