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Berater und Anwälte verdienen sich dumm und dämlich

Ulrike Heitze
Schon komisch, da spricht man hierzulande kaum öffentlich über Gehälter ? und doch weiß alle Welt, dass Anwälte und Unternehmensberater so richtig fett Kohle scheffeln, nur Investmentbanker sind noch dicker im Geschäft. Alles klar! Wirklich?
?Nur einmal so viel Geld haben?, denken sich wohl all die Juristen und Consultants, die zwar ständig den öffentlichen Neid abkriegen, deren Gehaltsabrechnung aber längst nicht so üppig ausfällt, wie alle Welt ihnen unterstellt. Denn die Einkommenspalette bei Anwälten und Beratern reicht in Wirklichkeit von ?ausgesprochen üppig? bis ?gerade so über die Runden kommen?. Das untere Ende der Fahnenstange ist nur eben nicht so besonders sexy zum Weitertratschen

Die Anwälte verdanken ihr Unverschämtverdiener-Image den international tätigen Großkanzleien wie Freshfields, Clifford Chance oder Linklaters, die mit ihren sagenhaften Fangprämien für die besten zwei bis fünf Prozent eines Jahrgangs beständig durch die Presse geistern: Hier steigen Jungjuristen mit 65.000 Euro aufwärts ein, die Elite kann mit bis zu 100.000 Euro Jahressalär rechnen, regelmäßige Gehaltssprünge gehören immer noch zum Standardprogramm.

Die besten Jobs von allen


In den mittelständischen Kanzleien sind dagegen schon ?nur? noch 40.000 bis 75.000 Euro für Einsteiger drin. Gemessen an anderen Absolventengehältern, wie etwa denen der Architekten, jammern auch diese Juristen also auf recht hohem Niveau.

Doch das Gros der Juristen bestreitet sein Berufsleben eben nicht in Kanzleien dieser Größenordnung, sondern in noch kleineren Läden. Und da wird das Leben deutlich härter: Nach einer Studie der Bundesrechtsanwaltskammer verdiente ein angestellter Anwalt ? über alle Berufserfahrungsklassen hinweg ? im Jahr 2004 im Westen durchschnittlich 43.000 Euro, so viel also wie derzeit jungen Ingenieuren schon beim Jobeinstieg geboten wird.

Anwälte, die sich selbstständig machen, müssen in einer Einzelkanzlei im Schnitt mit einem Jahresüberschuss von 32.000 Euro zurechtkommen, also knapp 2.700 Euro brutto monatlich. Spätestens das ist dann weit entfernt von ?fett Kohle scheffeln?.

Den Beratern geht es ähnlich: Die Mackies, BCGler oder Roland Bergers dieser Welt können sich über ihr Gehalt in der Tat nicht beklagen ? verzichtet man mal darauf, ihre Gehälter auf die geleistete Arbeitszeit umzurechnen. Laut den Vergütungsexperten von Personalmarkt steigen Absolventen in Beratungshäusern mit mehr als 1.000 Mitarbeitern mit durchschnittlich 50.000 Euro jährlich ein, bei den auf Strategieberatung spezialisierten Marken können es durchaus auch 60.000 Euro werden. Mit fünf Jahren Joberfahrung ist man dort gut 15.000, 20.000 Euro mehr wert.

Der Haken: Nur 0,4 Prozent aller Beratungen, ganze 55 Firmen, setzen mehr als 45 Millionen Euro pro Jahr um. Und nur ein Drittel der 73.000 deutschen Berater arbeitet dort. Am unteren Ende, bei den 12.300 Firmen, die weniger als eine Million Euro Umsatz machen, werden wesentlich kleinere Brötchen gebacken: Dieses Beraterdrittel kann laut Bundesverband Deutscher Unternehmensberater ?nur? noch mit durchschnittlich 35.000 Euro brutto Jahressalär rechnen.

Ganz zu schweigen von den knapp 13.000 Ein-bis-zwei-Mann-Klitschen, die immerhin 60 Prozent des Marktes ausmachen. Sie leiden nicht zwangsläufig Hunger, die dicke Marie verdienen aber eindeutig andere. ? Die Investmentbanker.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.08.2007