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Belgien

Barbara Weise
Mit 8,4 Prozent Arbeitslosigkeit geht es den Belgiern nur wenig besser als den Deutschen. Ergo wartet niemand händeringend auf externe Otto-Normal-Akademiker. Spezialisten, vor allem für Controlling, Technik, Finanz- und Bilanzanalyse, sind dagegen gerne gesehen.
Belgien

Arbeitsmarkt

Mit 8,4 Prozent Arbeitslosigkeit geht es den Belgiern nur wenig besser als den Deutschen. Ergo wartet niemand händeringend auf externe Otto-Normal-Akademiker. Spezialisten, vor allem für Controlling, Technik, Finanz- und Bilanzanalyse, sind dagegen gerne gesehen. Rekrutiert wird bevorzugt im Sommer. Mehrsprachigkeit ist ein Muss. Ebenso wichtig: Berufserfahrung und Kontaktfreude

Job-Links
Nützliche Adressen

Boom-Regionen

Brüssel (bevorzugte Sprache: Französisch) ist die Hauptarbeitsmarktregion, verbucht aber auch die höchste Arbeitslosigkeit (über 21 Prozent). Die Hälfte der Jobs werden von Akademikern ausgeübt. Fazit: heftige Konkurrenz, hohe Anforderungen. Hauptarbeitgeber: das Europäische Parlament und Unternehmen im Dunstkreis (Jobs: http://europa.eu.int/epso). Im flämischsprachigen Flandern bieten sich Chancen in Antwerpen, Brügge, Gent. Wirtschafts-Stiefkind: Wallonien (französischsprachig).

Die besten Jobs von allen


Gehalt und Lebensstandard

Der Verdienst liegt zehn bis 20 Prozent niedriger als hierzulande. Ausnahme: Jobs bei der EU werden deutlich überdurchschnittlich bezahlt. 13 und 14 Monatsgehälter sind üblich, ebenso Urlaubsgeld. Die Abgabenquote ist deftig: Ein Single ohne Kinder blättert 55 Prozent seines Einkommens für Steuern und Sozialversicherung hin, eine Familie 40 Prozent. Die Preise sind mit Deutschland vergleichbar. Selbst in Brüssel wohnt es sich zu moderaten Preisen.

Bewerben

Oberstes Gebot: Halte dich an die Sprache der jeweiligen Region! Initiativbewerbungen sind in Wallonien gern gesehen. Flandern besetzt lieber über Empfehlungen. Anschreiben: kurz die Qualifikationen und die Motivation hinter der Bewerbung, ein bis zwei Referenzen. Im französischsprachigen Teil: handschriftlich auf bestem Briefpapier. Der Lebenslauf: chronologisch, bis zwei Seiten, detailliert mit Berufspraxis, keine Noten, Foto eher unüblich. Gewünscht: Name und Beruf der Eltern/des Partners sowie Details zu Kindern. Zeugnisse erst im Vorstellungsgespräch. Verbreitet: Psycho-, Grafologie- und Sprachtests.
Joblinks:

Wirtschaft und Arbeitsmarkt
  • Belgien ist extrem international: Von den rund 10 Millionen Einwohnern sind ein Viertel Ausländer. Das Land besteht aus drei Sprachgemeinschaften, dem flämisch-sprachigen Flandern mit einem Anteil von 57 Prozent der Bevölkerung, das französisch-sprachige Wallonien mit 42 Prozent der Bevölkerung und der deutsch-sprachige Gemeinschaft Ostbelgiens in der Gegend um Eupen und St.Vith (70.000 Einwohner).

  • Die wichtigsten Industriezweige in Belgien sind Eisen und Stahl, Metallverarbeitung, Chemische und Petrochemische Industrie, Textilindustrie, Elektroindustrie und Fahrzeugkonstruktion.

  • Die Arbeitslosenquote lag in den letzten Jahren zwischen sechs und acht Prozent.
Arbeitsvermittlung und Bewerbung
  • Im Belgien befasst sich das nationale Arbeitslosenamt nur mit Fragen der Arbeitslosenleistungen. Bei der Suche nach Arbeitsstellen helfen vier regionale Arbeitsämter: 
    - für Flandern VDAB (Vlaamse Dienst voor Arbeitsbemiddeling en Beroepsopleiding)
    - für Wallonien FOREM (Formation - Emploi)
    - für Brüssel ORBEM/BGDA (Regionales Arbeitsamt Brüssel)
    - für das deutschsprachige Gebiet ADG

  • Arbeitgeber und Personalberater suchen neue Mitarbeiter zum großen Teil über Stellenanzeigen in der Presse. Nach einer Untersuchung der Zeitung Le Soir werden 65 Prozent der freien Stellen aufgrund von Zeitungsanzeigen, 20 Prozent durch Empfehlung anderer und 15 Prozent durch Headhunter neu besetzt.

  • Wer Informationen über ein bestimmtes Unternehmen sucht, findet diese zum Beispiel bei Move up, Kompass Belgique, TOP 30000 oder den Gelben Seiten von Belgien.

  • Jobbörsen im Internet:
    www.advalvas.be Metasuchmaschine mit sechs Stellenbörsen (niederländisch und französisch)
    www.monster.be (französisch, niederländisch, englisch)
    www.orbem.be (niederländisch und französisch)
    www.stepstone.be (niederländisch, französisch, englisch und deutsch)
    www.eurobrussels.com (englisch) www.jobs-career.be (niederländisch, englisch und französisch)
Soziale Absicherung, Steuer, Versicherung
  • Das Bruttoeinkommen in Belgien ist ca. 10 bis 20 Prozent niedriger als bei uns.

  • Die steuerlichen Belastungen sind höher als in Deutschland, die Sozialversicherungsbeiträge aber niedriger.

  • Arbeitnehmer bekommen in der Regel 13,85 Monatsgehälter im Jahr, die sich im Laufe des Jahres automatisch der Inflationsrate anpassen. Arbeiter erhalten während des Urlaubs keine Lohnfortzahlung, sondern von ihrem Sozialversicherungsträger 1/14 des im Vorjahr gezahlten Lohnes als Urlaubsgeld

  • Jeder Beschäftigte und jeder Arbeitslose muss Mitglied einer Krankenkasse sein. Dabei stehen fünf verschiedene Krankenkassenvereinigungen zur Wahl, zusätzlich eine vom Staat geschaffene Hilfskasse. Die Beitragssätze liegen inklusive Rentenversicherungsbeiträgen bei etwa 13 Prozent des Bruttogehaltes. Es gibt nach oben keine Beitragsbemessungsgrenze. Weitere Informationen erhalten Sie beim Ministerium für soziale Angelegenheiten, Volksgesundheit und Umwelt.
Wussten Sie schon...

... dass man in Belgien bei der Bewerbung zunächst nur Anschreiben und Lebenslauf einreicht? Es ist nicht üblich, im ersten Brief Zeugnisse, Referenzen und Fotos beizulegen. Auch Gehaltswünsche sind nicht gern gesehen.

... dass im wallonischen Teil Belgiens Ausländer mit Initiativbewerbung gute Chancen haben, in Flandern aber nicht? Dort werden die meisten Stellen über persönliche Beziehungen vergeben.

... dass der Europäischen Gerichtshof Belgien verurteilt hat, weil es die europäische Richtlinien zur Anerkennung von Abschlüssen noch nicht in nationales Recht umgesetzt hat? Trotzdem können Sie bei den zuständigen Behörden auf der Anerkennung Ihrer Abschlüsse nach europäischen Recht bestehen.

Nützliche Adressen

Botschaft des Königreichs Belgien
IHZ, 9. Etage
Friedrichstraße 95
10117 Berlin
Tel.: (030) 20 35 20
Fax: (030) 20 35 22 00

Botschaft der BRD
Avenue de Tervueren 190
B - 1150 Brüssel
Tel.: (0032) 2 7 74 19 11
Fax: (0032) 2 7 72 36 92

Europäisches Berufsberatungszentrum
Roermonderstraße 51
52072 Aachen
Tel.: (0241) 897-1104
Fax: (0241) 897-1589
E-Mail: Aachen.euroguidance@arbeitsamt.de

Dieser Artikel ist erschienen am 22.08.2003