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Bei Bankern stimmt die Kasse

Von Katrin Terpitz
Trotz des seit Jahren anhaltenden massiven Stellenabbaus bleiben die Verdienst- und die Aufstiegschancen bei Finanzdienstleistern wie Banken und Versicherungen attraktiv. Top-Leute bleiben von Entlassungen meist verschont, und bei Privatbanken dürfte das Einsparpotenzial ausgereizt sein.
Die Bankenskyline von Frankfurt am Main im Abendlicht. Foto: dpa
FRANKFURT. 1 500 Euro netto gibt?s auf die Hand ? für jeden neuen Mitarbeiter, den ein Citibanker seinem Unternehmen empfohlen hat. Seit fünf Jahren betätigen sich Citibanker nebenher erfolgreich als Jobvermittler ? und das in Zeiten, in denen die meisten Finanzdienstleister ganz andere Schlagzeilen machen: Die Deutsche Bank baut Tausende von Jobs ab trotz Milliardengewinn, die Allianz schließt elf Standorte und streicht 7 500 Arbeitsplätze, Gerling/HDI will 1 800 Stellen abbauen. Die Liste ist lang.?Gegen den Branchentrend stellt die Citibank kontinuierlich weiter ein. In den letzten fünf Jahren haben wir 1 200 Arbeitsplätze geschaffen und die Mitarbeiterzahl auf 6 600 erhöht?, berichtet Knut Krämer, Leiter Personalmarketing der Privatkundenbank stolz. In diesem Jahr schafft die US-Bank 300 weitere Jobs ? für 200 Auszubildende und 100 Anlage- und Vermögensberater. Das Besondere dabei: Jeder fünfte Neuling wurde von den eigenen Leuten angeworben. Krämer: ?Keine Stellenanzeige kann die Citibank so authentisch beschreiben wie ein Mitarbeiter ? der noch dazu sehr gut abschätzen kann, ob wir die Erwartungen des Bewerbers erfüllen können und umgekehrt.? Weil das Anwerbeprogramm so gut läuft, hat die Bank die Prämie im vergangenen Jahr gar verdoppelt.

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Doch bildet die Citibank zusammen mit wenigen anderen Auslandsinstituten die krasse Ausnahme. Fakt ist: Im deutschen Kreditgewerbe sank in den letzten zehn Jahren die Zahl der Stellen von knapp 780 000 auf 693 000, ermittelte der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes. In der Versicherungsbranche sieht es kaum besser aus: Dort fällt in den nächsten zwei Jahren fast jeder zehnte der 233 000 Jobs weg, schätzt zumindest die Gewerkschaft Verdi.?Auf der Streichliste von Banken und Versicherungen standen vor allem die klassischen Back-Office-Jobs?, erläutert Hans-Rudolf Ulrich, Finanzdienstleistungsexperte der Managementberatung Kienbaum. Denn hinter den Kulissen kommt es auf die Marke nicht mehr an. Die Postbank etwa übernahm die Zahlungsverkehrsabwicklung von Deutscher Bank und Dresdner Bank. Zudem fusionierten viele Institute und mutierten zu regelrechten Kreditfabriken. ?Vor allem filialorientierte Banken haben viele entlassen?, beobachtet Heinz-Dieter Sauer, Geschäftsführer beim Bankarbeitgeberverband. Und bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken steht der einschneidende Strukturwandel noch bevor. Dort dürfte der Jobabbau erst richtig losgehen.Trotz allem täuschen viele Horrormeldungen über die Jobkiller auf den ersten Blick. Zwar fielen zahllose Stellen bei den Finanzdienstleistern selbst weg. Diese wurden aber oft an banknahe Dienstleister outgesourct, so die IT oder Gehaltsabrechnung. Die Deutsche Bank etwa lagerte ihr kontinentaleuropäisches Rechenzentrum an IBM aus. Inzwischen aber sind die Einsparpotenziale beim Personal der Privatbanken ausgereizt, warnen Branchenkenner.Lesen Sie weiter auf Seite 2: In welchen Bereichen lässt sich bei den verschlankten Finanzdienstleistern künftig Karriere machen?In welchen Bereichen lässt sich bei den verschlankten Finanzdienstleistern künftig Karriere machen? Außertariflich bezahlte Banker waren vom Stellenabbau ohnehin kaum betroffen, betont Sauer. Und Spezialisten sind nach wie vor gefragt. Händeringend gesucht werden Experten für Wertpapierhandel, Übernahmeberatung und Unternehmensfinanzierung. Investmentbanker verdienen überdurchschnittlich mit Einstiegsgehältern ab 80 000 bis 100 000 Euro. Dafür wird aber auch überdurchschnittlicher Einsatz verlangt.Grundsätzlich gilt: Banken und Assekuranzen stocken auf in allen wertschöpfenden Bereichen. Mindestens 4 000 Außendienstler suchen derzeit die Versicherer ? um näher am Kunden dran zu sein, wie der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Bernhard Schareck, kürzlich im Handelsblatt erläuterte. Auch die Geldhäuser wollen wieder den direkten Draht zum lange verschmähten Kunden. ?Heute umwerben Banken nicht nur die Firmenkunden, sondern auch die Privatkunden wieder ? vornehmlich bei der Altersvorsorge und bei Vermögensfragen?, so Kienbaum-Berater Ulrich. Gefragt sind deshalb sehr kommunikative Leute, die ziel- und kundenorientiert handeln. ?Im Vertrieb und bei regional ausgerichteten Instituten ist zudem Bodenständigkeit von Vorteil.?
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In den meisten Leitungspositionen bei Finanzdienstleistern aber geht es künftig kaum mehr ohne Studium, fließendes Englisch, Auslandserfahrung und Mobilität. Ungewiss ist, ob sich potenzielle Azubis statt für eine Lehre nun gleich für ein kurzes Bachelor-Studium entscheiden, um in der Hierarchie höher einzusteigen. Den letzten Schliff für Top-Positionen gibt ja ohnehin die brancheneigene Weiterbildungsmaschinerie.Und was zahlen Finanzdienstleister? Die Einstiegsgehälter der Banker liegen im Schnitt zwischen 34 000 und 44 000 Euro für Uni-Absolventen sowie 32 000 und 40 000 Euro für FH-Abgänger. Zu Karrierebeginn steigt das Gehalt deutlich. Aber: ?Das Spektrum der Managerbezüge in Banken ist riesig?, betont Kienbaum-Vergütungsexperte Martin von Hören. Die Spanne der Jahresgesamtbezüge beginnt unter 40 000 Euro beim Abteilungsleiter einer kleinen Volksbank und reicht bis zu 11,9 Millionen Euro für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Die Faustregel: Am meisten zahlen Privatbanken, am wenigsten Genossenschaftsbanken. Je größer die Bank ? nach Mitarbeiterzahl oder Bilanzsumme ? umso höher das Gehalt der Führungskräfte.Und: Variable Vergütung ? nach individueller Leistung und/oder Ertragslage ? wird immer wichtiger, so von Hören. Bei Privatbanken liegt der Anteil schon bei 20 bis 35 Prozent auf der ersten Managerebene, bei Assekuranzen bei 16 Prozent. Die gute Nachricht für leitende Angestellte: Trotz aller Sparprogramme stiegen ihre Gehälter 2005 im Schnitt um 2,8 Prozent bei Versicherern und um 3,3 Prozent bei Geldhäusern.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.10.2006