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Bei Anruf Interview

Schweden und Dänen sind nette Leute. Und sie vertrauen auf das Urteil anderer netter Leute. Deshalb gehört eine Referenzliste unbedingt in die Bewerbung hinein.
Bei der Jobsuche in Schweden und Dänemark läuft viel über die offiziellen Arbeitsvermittlungen. Deshalb ist auch das Portal Eures eine gute Suchoption, weil es Stellenangebote dieser Vermittlungen bündelt. Initiativbewerbungen können sinnvoll sein; es empfiehlt sich aber, vorher anzurufen. So finden Sie auch Ansprechpartner, auf die Sie sich beziehen können. Außerdem sollten Sie fragen, ob eine Bewerbung auf Englisch akzeptiert wird. Dies ist vor allem bei internationalen Konzernen häufig der Fall. Auf längere Sicht führt an der Landessprache aber kein Weg vorbei

Einen einheitlichen Kanon für Lebensläufe in Skandinavien gibt es nicht, außer: Ein Foto ist nicht nötig, mehr als zwei Seiten auch nicht. Ebenfalls maximal zwei Seiten umfasst das Anschreiben, das in Dänemark nüchterner und weniger persönlich gehalten sein kann als in Schweden. Wie in Deutschland werden Kopien von Zeugnissen mitgeschickt, nach Möglichkeit auch in englischer Übersetzung.

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Außerdem gehört eine Referenzliste mit zur Bewerbung: Drei Referenzpersonen, die Gutes über Sie zu berichten haben, werden mit Anschrift und Telefonnummer am Ende des Lebenslaufs oder auf einem Extrablatt genannt. Besonders geeignet sind natürlich Personen, die einen beruflichen Bezug zu Schweden oder Dänemark haben. Nehmen Sie die Auswahl dieser Referenzpersonen ernst. Sie werden in den allermeisten Fällen tatsächlich angerufen. Deshalb sollten auch alle zumindest Englisch sprechen

Telefoninterviews zur Vorinformation oder zum Aussieben sind üblich, manchmal sogar ohne Vorankündigung. Besonders für Schweden, aber auch für Dänemark gilt: Die persönliche Motivation und Note muss im Bewerbungsgespräch sichtbar werden. Das klingt banal, aber stellen Sie sich vorher trotzdem unbedingt folgende Fragen: Warum wollen Sie gerade zu diesem oder jenem Unternehmen? Und warum in Schweden oder Dänemark? "Ich wollte immer schon mal nach Stockholm" ist jedenfalls keine gute Antwort. Erfahrungsbericht

Duzen erwünscht

Nicole Höfer, 25, arbeitet seit Mai 2007 für die Unternehmensberatung Potentialpark Communications in Stockholm. Sie hat BWL und Englisch in Mannheim studiert. Wie sie an ihre Stelle kam und was sie bei der Bewerbung erlebte, erzählt sie hier:

"Nach meinem Studium wollte ich gerne ins Ausland, zumindest für ein Praktikum. Außerdem gab es für mich trotz sehr guter Noten in Deutschland zu diesem Zeitpunkt keine wirklich tollen Angebote. Schweden war ursprünglich gar nicht auf der Tagesordnung; ich wollte eigentlich viel lieber nach Singapur oder Dubai. Bei einer deutschen Praktikumsbörse habe ich aber dann das Angebot einer Unternehmensberatung aus Stockholm gefunden, die sich auf Recruitment Marketing spezialisiert hat. Ich fand sowohl das Angebot als auch das Unternehmensprofil sehr interessant, weswegen ich mich direkt mit einem internationalen Lebenslauf auf Englisch beworben habe. In der Anzeige stand, dass Schwedischkenntnisse nicht unbedingt vonnöten seien. Überhaupt kommt man in Schweden - insbesondere in Stockholm - bei der Bewerbung mit Englisch ganz gut durch. Aber auf Dauer sollte man auf jeden Fall Schwedisch lernen. Man kann schließlich nicht in einem Land leben und die Sprache nicht sprechen.

Aus dem Praktikumsangebot ist dann eine feste Stelle geworden. Dafür habe ich an zwei Telefoninterviews und einem persönlichen Gespräch teilgenommen. Während der Telefonate sprachen wir vor allem über meinen Lebenslauf und inwiefern ich zu ihnen passen könnte. Beim persönlichen Gespräch haben sie mich mit "Hej Nicole" begrüßt. Also habe ich sie auch mit Vornamen angesprochen, um mich auf derselben Ebene zu bewegen.

Man sollte sich aber nicht täuschen lassen durch die informelle und freundliche Art, in der hier vieles geregelt wird. Die meisten Schweden, mit denen ich bei meiner Arbeit zu tun habe, sind eher zurückhaltend und weniger kontaktfreudig als beispielsweise wir Deutschen oder die Engländer. Im Rahmen der Bewerbung und des Interviews sowie in alltäglichen Situationen sollte man also bestimmt, aber subtil auftreten und nicht mit der Tür ins Haus fallen."
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2007