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Bayer wechselt Führung im kranken Gesundheitsgeschäft aus

Von Andreas Bohne, Handelsblatt
Der Bayer-Konzern hat überraschend einen Wechsel an der Spitze seiner Healthcare-Sparte angekündigt. Der Amerikaner Arthur Higgins wird den bisherigen Spartenchef Rolf Classon ablösen, der mit 58 Jahren in den Ruhestand geht.
DÜSSELDORF. Higgins, 48, hat laut Bayer-Vorstandschef Werner Wenning ?eine mehr als 20-jährige Erfahrung in den Bereichen Pharma, Diagnostik und Consumer Produkte". Wenning hofft, dass der Führungswechsel der Sparte ?wesentliche Impulse? geben kann.Ein Bayer-Sprecher dämpfte Spekulationen, dass ein Krach hinter den Kulissen zu dem Revirement bei Bayers Kernsparte geführt hat. Dagegen spricht Analysten zufolge auch, dass der Wechsel erst Ende Juni vollzogen wird. Auf Verwunderung stieß allerdings, dass mit Higgins ein wenig bekannter Manager von außerhalb des Konzerns an die Spitze des rund 10 Mrd. Euro schweren Gesundheitsgeschäft berufen wird, der gegenwärtig Chef des nur Insidern bekannten US-Biopharma-Start-ups Enzon Pharmaceuticals ist. Das Unternehmen machte im vergangenen Jahr gerade mal 50 Mill. $ Umsatz.

Die besten Jobs von allen

Bei Bayer Healthcare erwartet Higgins ein schwerer Job: In wenigen Wochen läuft der Patentschutz des mit 1,4 Mrd. Euro umsatzstärksten Medikaments, des Antibiotikums ?Cipro?, aus. Das neue Potenzmittel ?Levitra? erfordert hohen Marketingaufwand und dürfte erst 2005 Gewinne abwerfen. Dazu kommen die Nachbeben der US-Klagen wegen des zurück gezogenen Blutfettsenkers ?Lipobay? und die Ebbe in der Produktpipeline.So werden die Diagnostika sowie das rezeptfrei-Geschäft das Bild der Sparte prägen ? Produkte, mit denen der immerhin Deutschland-erfahrene Higgins bisher weniger zu tun hatte. Bayers neuer Chef-Pfleger hat vor Ennio bei Sandoz, bei Fission und bei Abbott Laboratories gedient, wo er drei Jahre lang das Arzneimittelbehälter verantwortete.Auch bei der für einen Börsengang vorgesehenen Chemiesparte, deren neuen Namen Bayer-Chef Wenning heute bekannt geben will, gibt es Überraschungen. Für Teile der Sparte gibt es Kaufinteressenten. Dies verlautete aus Industriekreisen im Vorfeld der heutigen Bilanzvorlage des Konzerns. Am konkretesten sind die Hinweise auf einen Interessenten für das Plastikgeschäft. So untersucht die koreanische LG Chemical, ob sich die Übernahme von Bayers vor zehn Jahren teuer zusammen gekauftem ABS-Business lohnen könnte. Die Koreaner nahmen dazu auf Anfrage eben so wenig Stellung wie Bayer.Wenning hat vor Analysten stets betont, dass sich am inzwischen fest gelegten Portfolio der Newco bis zum Börsengang spätestens Anfang 2005 nichts ändern solle. Konzernkunden schätzen aber, dass Wenning schwach werden könnte, wenn ein Teilverkauf den Start der neuen Gruppe erleichtern würde.Unterdes sind die Bayer-Aktionäre mit einem schmerzlichen Jahresabschluss 2003 konfrontiert. Die Analysten von zwei Dutzend Banken rechnen damit, dass Bayer einen Konzernverlust von rund 1,2 Mrd. Euro ausweisen wird. Operativ verdiente die Gruppe laut Analysten zwar vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 3,5 Mrd. Euro und damit ein Sechstel mehr als im Jahr zuvor. Nach den im vergangenen November angekündigten Sonderabschreibungen auf die Chemikalien- und Kunststoffproduktion ergeben sich aber rund 700 Mill. Euro betrieblicher Fehlbetrag (Ebit) ? im Vorjahr war das Ebit mit 1,6 Mrd. Euro positiv.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.03.2004