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Bankerin in grüner Mission

Von Peter Köhler
Frauen haben zwar auch im Geldgewerbe Einzug gehalten, bis an die Spitze der Schaltzentralen sind aber weltweit nur gut ein Dutzend Managerinnen gekommen. Matthäus-Maier von der KfW-Bankengruppe hat es geschafft ? trotzdem ärgert sie dieses Ungleichgewicht. Wo immer sich die Möglichkeit bietet, versucht sie dagegen zu halten.
FRANKFURT. Frauen haben zwar auch im Geldgewerbe Einzug gehalten, bis an die Spitze der Schaltzentralen sind aber weltweit nur gut ein Dutzend Managerinnen gekommen. Matthäus-Maier hat es geschafft ? trotzdem ärgert sie dieses Ungleichgewicht. Wo immer sich die Möglichkeit bietet, versucht sie dagegen zu halten. So auch an diesem Morgen. Der Mittelstand könne sich weiter auf die KfW verlassen ? und auf die dahinter stehende Manpower; nicht zu vergessen die ?Womanpower?, wie sie betont. In ihrer Bank konnte sie die ?Frauenquote? bei den Abteilungsleitern auf rund 15 Prozent steigern.?MM?, so wird sie intern genannt wird, steht seit Oktober als Vorstandssprecherin an der Spitze der KfW Bankengruppe, der mächtigsten Staatsbank in Deutschland. Mit gut 3 700 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von 341 Mrd. Euro gehört die KfW hierzulande zu den größten zehn Banken. Sie soll dann einspringen, wenn ?Marktversagen? vorliegt ? was immer auch eine politische Frage ist. Der Aufgabenbereich ist deshalb sehr weit, wie die Rolle der KfW beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS zeigt.

Die besten Jobs von allen

Die 61-jährige Top-Bankerin kennt dieses Spannungsfeld zwischen privatem Wirtschaften und öffentlichem Auftrag nur zu gut. Ihr Motto: ?So viel Staat wie nötig, so viel Markt wie möglich.? Mit Ideologien, das hat sie in ihrer politischen Vergangenheit gelernt, kommt man nicht weit.Die gelernte Juristin, die ihren Berufsweg als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Oberverwaltungsgericht Münster begann, hat ihre Überzeugungen nie aus dem Blick verloren. An ihrer schwarzen Pony-Frisur hat sie über die Jahre festgehalten. Ähnlich ist es bei Themen, die sie bewegen. Die Umweltpolitik, die Förderung kleiner mittelständischer Betriebe und die finanzielle Zusammenarbeit mit Osteuropa und den Entwicklungsländern. Das KfW-Programm WUW (Wohnen, Umwelt, Wachstum ) ist ihr besonders wichtig; Ökonomie und Ökologie sollen ausgesöhnt werden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Baustellen der Förderbank Unter ihrer Führung ist die KfW wieder politischer geworden. Anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus sagte sie: ?Zwischen nachhaltiger Armutsbekämpfung und Friedenssicherung besteht ein direkter Zusammenhang. Die von Professor Yunus entwickelte Idee der Mikrofinanzierung ist einer der wichtigsten Förderansätze für die Bekämpfung von Armut und für die Entwicklung von Wohlstand.?Solche Statements hätte es unter ihrem Amtsvorgänger Hans W. Reich kaum gegeben. Er hatte die Bank immer als Taktgeber für den Finanzplatz Deutschland gesehen und sich selbst als Innovator für die Kreditwirtschaft verstanden. Dritte-Welt-Themen kamen vor, allerdings nur am Rande. Reich fühlte sich auf dem internationalen Parkett wohl und konnte auf ein globales Netzwerk von Top-Bankern setzen, Matthäus-Maier wird dagegen immer bemüht sein, nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Über 20 Jahre war ?MM? im Bundestag, die meiste Zeit davon im Finanzausschuss. Sie war die gefürchtete Gegenspielerin von CSU-Finanzminister Theo Waigel und für die Spitzenposten im Ministerium und der Bundesbank im Gespräch. Die Zeit hat sie bis heute geprägt. Wenn Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Rande einer Mittelstandsinitiative die Steuerlast in der Kreditwirtschaft beklagt, pflichtet sie ihm bei, räumt aber gleichzeitig ein, dass die Steuerpolitikerin in ihr das wohl anders sehen würde. Wegbegleiter bezeichnen die frühere Atomkraftgegnerin als mutig, zielstrebig und in Berlin unverändert gut verdrahtet. Das half ihr im Machtkampf um den KfW-Chefposten Ende 2005.Der Wechsel an der KfW-Spitze sollte eigentlich geräuschlos verlaufen, stattdessen fand er mit viel Getöse statt. Während die Union Reich halten wollte, pochte die SPD auf den Wechsel. Matthäus-Maier wurde von den Gegnern als Politikerin dargestellt, die vom Bankgeschäft kaum Ahnung hat. ?Ich hätte mich deutlicher wehren müssen?, sagt sie. Schließlich ist sie schon seit sieben Jahren im Vorstand der KfW, kennt fast jedes Detail der Förderprogramme. Privat konnte sich ?MM? während ihrer Karriere auf ihren Ehemann, den Diplom-Mathematiker Robert Maier, verlassen. Er hielt ihr den Rücken frei und kümmerte sich um die beiden Kinder, die heute erwachsen sind. Matthäus-Maier fährt gerne mit dem Fahrrad zu ihrem Arbeitsplatz. Als eine der ersten Amtshandlungen hat sie die Parkmöglichkeiten für Fahrräder vor der Zentrale am Palmengarten verbessern lassen. Doch bei aller Volksnähe sollte keiner übersehen, dass niemand als reiner Gutmensch an die Spitze der KfW kommt. ?Ich kann versichern, dass Frau Matthäus-Maier nicht nur Nehmerqualitäten hat?, sagt ein Mitarbeiter.
Baustellen der FörderbankExpansion: Die KfW-Bankengruppe würde gerne die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Eschborn bei Frankfurt unter ihre Fittiche nehmen. Damit würde die deutsche Förderung in den Entwicklungsländern aus einer Hand von den Bankern in Frankfurt gesteuert. Die politische Diskussion darüber hält an.MittelstandDie KfW bietet bei ihren Förderkrediten, die von den Geschäftsbanken durchgeleitet werden, keinen Einheitszins mehr an. Noch ist unklar, ob vor allem die kleinen Firmen durch die ?risikoadäquate Bepreisung? langfristig die Zeche zahlen werden. Bei Gründungsfinanzierungen sollen die Banken ganz vom Ausfallrisiko befreit werden.ExportNach einer Verständigung mit der EU wird die kommerzielle Export- und Projektfinanzierung in die Ipex-Bank ausgegliedert, die sich mit privaten Banken messen muss. Die Umorganisation soll bis Ende 2007 bewältigt werden, zahlreiche aufsichtsrechtliche Probleme müssen noch gelöst werden, bevor die Ausgliederung umgesetzt werden kann.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.12.2006