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Banken bei Studienkrediten zögerlich

Ein Drittel aller Studenten ist einer Umfrage des Handelsblatts zufolge bereit, das eigene Studium per Kredit zu finanzieren. Mit Ausnahme der staatseigenen KfW-Förderbank halten sich die Banken aber noch mit einem flächendeckenden Angebot an Studienkrediten zurück.
bag/mos/pam DÜSSELDORF. Das Düsseldorfer Meinungsforschungsinstitut Innofact hat für das Handelsblatt die Situation von Studenten untersucht. An der repräsentativen Umfrage nahmen 1008 Studenten teil. Demnach leben die zwei Millionen Studenten vor allem vom Geld der Eltern, von eigener Arbeit und der staatlichen Studienförderung Bafög. Nur 3,8 Prozent der Befragten hatten einen Kredit für das Studium aufgenommen.Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Januar ist klar, dass sich Studenten an vielen Hochschulen auf Studiengebühren einstellen müssen. Die Unionsländer einigten sich auf eine vorläufig geltende Obergrenze von 500 Euro pro Semester. Den Anfang will im Sommer 2006 Bayern machen. Baden-Württemberg und Hamburg wollen auf jeden Fall nachziehen. Die SPD-Länder wollen allenfalls Gebühren für Studenten aus anderen Bundesländern einführen. Ökonomen erwarten mittelfristig Gebühren bis zu mehreren Tausend Euro, wie sie im Ausland bereits vielfach üblich sind.

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Die Verfassungsrichter wiesen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass der Staat nur dann Gebühren einführen dürfe, wenn es ein funktionierendes Kreditangebot gebe. Damit stellt sich die Frage nach der Finanzierung der gesamten Lebenshaltungskosten während eines Studiums neu.Die KfW-Förderbank bietet zum kommenden Wintersemester Kredite für alle Studenten an. Monatlich können Nachwuchsakademiker bis zu 650 Euro erhalten. Nach acht Semestern summieren sich die Schulden auf maximal 31 200 Euro. Die KfW schlägt bei einem Zinssatz von 5,1 Prozent eine Rückzahlung über 15 Jahre in Monatsraten von 248 Euro vor. Auch eine längere Rückzahlungsdauer ist denkbar.Obwohl Experten mit einem jährlichen Kreditvolumen von 500 Mill. Euro rechnen, bietet der Rest der Finanzbranche bislang nur Lösungen für ausgewählte Studenten an ? etwa über einen Bildungsfonds für Hochbegabte, den der Finanzdienstleister Career Concept zusammen mit der Sparkasse Leipzig vermarktet. Die Deutsche Bank arbeitet gerade an einem Modell, das sich vor allem an Studenten im Hauptstudium richtet, da hier die Abbrecherquoten deutlich niedriger sind. Hypo-Vereinsbank, Citibank und Postbank beraten noch. Commerzbank und CC-Bank planen derzeit keine Angebote für Studenten.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hauptproblem sind mangelnde SicherheitenHauptproblem der Banken ist die Tatsache, dass Studenten oft keine ausreichenden Sicherheiten für einen Kredit anbieten können. Sogar die KfW rechnet damit, dass zwölf bis 13 Prozent der Gesamtsumme später nicht zurückgezahlt werden.Die Kritiker des KfW-Modells halten die Risiken für zu gering kalkuliert und befürchten, dass in letzter Konsequenz der Staat als Haupteigentümer der Bank haften muss, selbst wenn er nicht ausdrücklich für die Ausfälle bürgt. Das Thema beschäftigt mittlerweile die EU-Kommission, die prüfen will, ob das KfW-Angebot den Wettbewerb behindert. Ein entsprechender Brief der Kommission liegt dem Handelsblatt vor.Klaus Möller vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken bezieht klar Stellung: ?Die Tür für alle privatwirtschaftlichen Institute ist mit dem Vorpreschen der KfW verschlossen.? Ohne die Absicherung durch den Staat werde es schwierig, Studenten Kredite zu marktüblichen Konditionen anzubieten, sagt auch Marion Dressler vom Bundesverband Deutscher Banken. Die Bundesregierung hatte jedoch zuletzt betont, dass mit einer generellen Bürgschaft für Studentenkredite nicht zu rechnen sei.Die Sparkassen wollen dennoch bereits zum Wintersemester ein Angebot für Studenten auf den Markt bringen. Solange der Staat allerdings keine Haftung übernehme, müsse man sich an den normalen kreditwirtschaftlichen Anforderungen orientieren. Um die Risiken einschätzen zu können, arbeite man derzeit an einem speziellen Ratingverfahren für Studenten, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.@Weitere Informationen rund um Studienfinanzierung unter: www.handelsblatt.com/studium
Dieser Artikel ist erschienen am 11.04.2005