Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Bahn braucht neuen Güterverkehrs-Chef

Die Deutsche Bahn muss einen neuen Topmanager suchen. Nach einem Gewinn-Einbruch im Schienen-Güterverkehr und Streit mit Bahnchef Mehdorn wird Güterverkehrs-Vorstand Bernd Malmström das Unternehmen verlassen.
Bernd Malmström und Bahnchef Hartmut Mehdorn. Foto: dpa
HB BERLIN. Bahn-Aufsichtsrätin Margareta Wolf bestätigte am Dienstag nach einer Sitzung des Gremiums, dass Malmström um Vertragsauflösung im März gebeten habe. Der Weg sei jetzt frei, verkehrspolitische und unternehmerische Ziele wieder zu verbinden. Ursprünglich stand eine Verlängerung von Malmströms Vertrag bis Ende 2006 auf der Tagesordnung.Der Aufsichtsrat billigte ferner die Planung für 2005, die wegen der Probleme im Güter- und Fernverkehr nur noch einen Betriebsgewinn nach Zinsen von 420 Mill. ? vorsieht. Das ist weniger als die Hälfte als vor einem Jahr geplant. Zudem wurde bis 2009 ein Programm ?Qualify Plus? aufgelegt, das jährliche Einsparungen von einer Milliarde Euro bringen soll. Nach Angaben aus Kreisen des Unternehmens bedeutet dies auch den Abbau von rund 9000 Stellen allein im Jahr 2005.

Die besten Jobs von allen

Malmströms Sparte besteht im Kern aus dem Schienen-Güterverkehr (Railion) und dem Spediteur Schenker (Lkw, Flugzeug, Schiff). Der Bereich erzielt mit 60 000 Mitarbeitern rund elf Mrd. ? Umsatz.Nach dem Ausscheiden von Personenverkehrs-Vorstand Christoph Franz wegen eines missglückten Preissystems verlässt nun ein zweiter Spitzenmanager das Unternehmen früher als geplant. Mehdorn selbst hatte noch vor wenigen Wochen erklärt, er wolle mit dem bestehenden Vorstand weiterarbeiten. Die Schienen-Gütersparte Railion war in diesem Jahr in die Krise geraten. Malmström schlug ein Sanierungsprogramm mit massivem Stellenabbau und dem Verzicht auf unprofitable Strecken vor.Bahnchef Mehdorn machte ihn aber für die überraschend schlechten Zahlen verantwortlich. Zwar transportierte die Bahn mehr Güter, die Gewinnmargen fielen jedoch anders als die Planung es vorgesehen hatte.Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Mehr Verkehr auf die Schiene" Radikale Einschnitte bei den Schienenverbindungen treffen aber beim Bund auf Widerstand. ?Es muss wieder mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werden?, forderte auch die parlamentarische Staatssekretärin im Umweltministerium, Wolf, die für die Grünen im Aufsichtsrat sitzt. Dies gelte vor allem vor dem Hintergrund der Grenzöffnung nach Osteuropa und den wachsenden Verkehrsströmen aus dieser Region. Über ein Konzept solle bei der nächsten Aufsichtsratssitzung im Frühjahr gesprochen werden.Die Eisenbahnergewerkschaften Transnet und GDBA verlangten ebenfalls, dass mehr Verkehr auf die Schiene verlagert werden müsse. Dabei sei allerdings auch der Bund gefordert, der mehr Investitionen in diesen Bereich fließen lassen müsse. Sonst sei die Verkehrsverlagerung nur ein Lippenbekenntnis, erklärten die Chefs von Transnet und GDBA, Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel.Der Unions-Verkehrsexperte Dirk Fischer sagte, alle realistischen Manager würden bei der Bahn mundtot gemacht. ?Es zeigt sich wieder einmal, dass der Bahnchef in seiner engsten Umgebung lediglich Ja-Sager duldet.?Malmström selbst ist wiederum enttäuscht über die Rolle von Schenker im Konzern. Er wollte die gewinnträchtige Sparte, die stark von der Weltkonjunktur profitiert, zu einem Konkurrenten der Deutschen Post ausbauen. Dafür war jedoch kein Geld vorhanden.Die Bahn hatte Schenker 2002 zusammen mit dem Stinnes-Konzern gekauft. Die Spedition mit ihrem Auslandsnetz sollte eigentlich dafür sorgen, dass etwa leere Güterzüge im Ausland wieder gefüllt würden. Dieses Konzept ist bislang nicht aufgegangen. Malmström war lange Chef von Schenker, bevor er zur Bahn wechselte.Für 2005 geht die Bahn Unternehmenskreisen zufolge davon aus, dass die Frachtsparte insgesamt gerade eine schwarze Null schreiben wird. Der Schenker-Gewinn würde damit praktisch vollständig von den Railion-Verlusten aufgezehrt.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.12.2004