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Axel Weber wird ?Chefvolkswirt?

Die Bundesbank hat die Zuständigkeiten ihrer Vorstandsmitglieder neu geordnet. Bundesbank-Chef Axel Weber übernimmt die wichtigen Abteilungen Volkswirtschaft und Forschung und erhält damit zugleich den inoffiziellen Titel Chefvolkswirt. Die neue Aufgabenverteilung im Bundesbank-Vorstand findet viel Zustimmung unter Fachleuten. Von der Bundesbank wären damit stärkere Impulse für die geldpolitische Forschung zu erwarten, sagte Thomas Mayer, der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank.
HB FRANKFURT. Die neue Aufgabenverteilung im Bundesbank-Vorstand findet viel Zustimmung unter Fachleuten. Von der Bundesbank wären damit stärkere Impulse für die geldpolitische Forschung zu erwarten, sagte Thomas Mayer, der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Dies sei für Notenbanken heute um so wichtiger, als die Beiträge der Wissenschaft etwa über Geldmenge und Vermögenspreise dazu schwach seien. Auch der Präsenz der Bundesbank in der breiten Öffentlichkeit würde es keinen Abbruch tun, wenn sich Weber künftig noch stärker auf die Entscheidungen im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) konzentrieren würde. ?Es ist wichtig, dass die Bevölkerung Vertrauen in die EZB und die Bundesbank hat - und da hilft letztlich nur eine gute Geldpolitik?, sagte Mayer.Mit dem Wechsel von Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark am Donnerstag zum Direktorium der EZB hat der Bundesbank-Vorstand seine Zuständigkeiten neu verteilt. Der bisherige Chefvolkswirt der Bank, Hermann Remsperger, gibt seine Abteilungen bis auf die Statistik an Weber ab und übernimmt von Stark die Verantwortung für Internationale Beziehungen. Die anderen Aufgaben von Stark - Revision und technische Zentralbankkooperation - wurden auf Edgar Meister und Hans Reckers verteilt. Für die übrigen drei Vorstandsmitglieder ändert sich nichts. Fraglich ist, was das achte Leitungsmitglied an Ressorts übernehmen soll, wenn denn das vorschlagsberechtigte Land Baden-Württemberg noch einen Kandidaten präsentiert.

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Nach Einschätzung von Michael Heise, Chefvolkswirt von Allianz/Dresdner Bank, hat die Bundesbank damit schon Fakten in Richtung einer Vorstandsverkleinerung geschaffen: ?Die Neuaufteilung halte ich für gut - sie zeigt, dass man auch mit einem Vorstand von sieben Personen alle Aufgaben abdecken kann.?Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schub für die Forschung erwartetSchub für die Forschung erwartetWeber hatte es schon bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren zu seinem Ziel erklärt, das Profil der Bundesbank in ihrem fachlich angestammten Gebiet - der Geldpolitik und ihrer wissenschaftlichen Grundlage - zu schärfen. Die größte und einst wichtigste nationale Notenbank hatte unter dem Bedeutungsverlust gelitten, den der Übergang der Entscheidungshoheit über die Zinsen auf die EZB bedeutete. Heute entscheidet nur noch der Bundesbank-Präsident im EZB-Rat über die Zinsen mit.Die Rolle des Präsidenten habe sich in der Bundesbank gewandelt, sagte Heise. War der Präsident früher als konsensorientierter Moderator für die Beschlüsse im Zentralbankrat gefordert, muss er jetzt als einer unter 18 Währungshütern seine Position im EZB-Rat allein vertreten. Die Beratung des Präsidenten über die wirtschaftliche Lage sei damit wichtiger geworden. ?Dann ist es auch gut, wenn das beim Präsidenten direkt angesiedelt ist.?Meyer erwartet, dass Weber mit der Veränderung die Bundesbank als wegweisende Institution in der zentralbankeigenen Forschung der zwölf nationalen Notenbanken an die Spitze setzen will. ?Er hat erkannt, dass es der Bundesbank ein besonderes Forschungsanliegen sein muss, die monetäre Analyse weiter auszubauen - als Vollblutökonom ist er der richtige Mann dafür, der auch Neuland betreten kann.? Der Forscherdrang ist für die Zentralbanken Mayer zufolge in den letzten Jahren wichtiger geworden. Es sei die wichtigste Frage für die Geldpolitik, wie Vermögenspreise in die Strategie der Inflationsbekämpfung integriert werden können. Die Wissenschaft habe mit ihrer Konzentration auf die direkte Inflationssteuerung, die nach Mayers Ansicht ein Auslaufmodell ist, die Zentralbanken bisher im Stich gelassen.
Dieser Artikel ist erschienen am 31.05.2006