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Auswandern nach China

Sabine Hildebrandt-Woeckel
Seit 2001 gibt es zwischen der Volkrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen, das sich allerdings nur auf die Renten- und Arbeitslosenversicherung bezieht. Versicherungspflicht besteht demnach grundsätzlich im Beschäftigungsstaat.
Seit 2001 gibt es zwischen der Volkrepublik China und der Bundesrepublik Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen, das sich allerdings nur auf die Renten- und Arbeitslosenversicherung bezieht. Versicherungspflicht besteht demnach grundsätzlich im Beschäftigungsstaat; Ausnahmen gibt es nur bei Entsendungen, bei denen der Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag mit einem deutschen Unternehmen hat und nicht länger als 48 Monate in China ist. In China gibt es fünf Pflichtversicherungen: die Renten-, Kranken-, Arbeitslosen, Arbeitsunfall- und Mutterschaftsversicherung.

Doch auch wenn ausländische Arbeitnehmer dort einzahlen müssen, bedeute dies nicht, dass diese Absicherung auch ausreiche, erläutert Werner John, Versicherungsvermittler, der sich auf China spezialisiert hat. Das Sozialversicherungssystem im Land der Mitte befindet sich zwar seit den 80er Jahren im Umbruch und soll mittelfristig zu einer besseren Absicherung führen, bislang aber gibt es nicht nur krasse Unterschiede zwischen Stadt und Land, die versicherten Summen sind auch insgesamt zu gering.

Die besten Jobs von allen


  • Krankenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Weiterführende Adressen

    Krankenversicherung

    Gesetzlich Versicherte genießen in China keinen Schutz

    Es gibt jedoch deutsche Privatkassen, die Auslandskrankenversicherungen für China anbieten. Diese kosten je nach Alter und Geschlecht monatlich zwischen 50 und 200 Euro, können jedoch nur für zweimal drei Jahre oder zweimal fünf Jahre abgeschlossen werden; wer von vorneherein plant länger zu bleiben, muss daher eine internationale Versicherung wählen. Bei beiden Varianten jedoch ist Vorsicht geboten, weil es nach Aussage europäischer Ärzte gerade für China große Unterschiede bei der Leistung gibt. Wichtig sei vor allem eine weitgefasste Ausflugmöglichkeit, da Chinas Medizin - auch wenn mitunter ein anderer Eindruck vorherrsche - in vielen Bereichen noch nicht dem westlichen Standard entspreche. Als guter Versicherer gilt die in Irland ansässige Allianz Worldwide Care (www.allianzworldwidecare.com). Wer nicht ausschließen kann, jemals nach Deutschland zurückzukehren, sollte die deutsche Pflichtversicherung auf Anwartschaft stellen, was sehr kostengünstig möglich ist und später eine reibungslose Wiederaufnahme garantiert.

    Privatversicherte fragen bei ihrem Anbieter nach, ob dieser den internationalen Versicherungsschutz gegen Zuzahlung über die üblichen sechs Wochen ausdehnt. Mitunter ist dies möglich, allerdings nie für die enthaltene Pflegepflichtversicherung und die Leistungen bei Verdienstausfall. Erstere muss also entweder gekündigt oder voll weitergezahlt werden. Letztere müssen separat abgesichert werden.

    Rentenversicherung

    Das chinesische System funktioniert nach dem Modus eines Sozialfonds mit individuellen Konten, wobei die Beträge von Region zu Region und Firma zu Firma unterschiedlich sind. Eine Rente erhält nur, wer mehr als 15 Jahre eingezahlt hat. Wer kürzer dabei ist, erhält seinen Anspruch als Einmalsumme ausgezahlt. Leistungen können auch nach Deutschland transferiert werden. Um in Deutschland von dem Geld leben zu können, aber reicht die Summe in keinem Fall; zusätzliche private Absicherung ist daher unbedingt notwendig.

    Arbeitslosenversicherung

    Auch in der Arbeitslosenversicherung sind die Beiträge zu gering, um wirkungsvollen Schutz zu bieten (zwei Prozent vom Arbeitgeber, ein Prozent vom Arbeitnehmer). Derzeit gibt es noch bis Ende 2010 die Möglichkeit für rund 26 Euro im Monat die deutsche Arbeitslosenversicherung weiter zu führen. Experten empfehlen dies.

    Berufsunfähigkeitsversicherung

    Die chinesische Arbeitsunfallversicherung zahlt zwar Behandlungskosten und eine sehr geringe Hinterbliebenrente, aber keine BU-Rente. Auch diese muss daher privat abgeschlossen werden. Dies kann allerdings schwierig werden, wenn Auswanderer solche noch nicht haben. Denn zumeist ist ein Abschluss unmöglich, wenn innerhalb der nächsten sechs Monate ein längerer Aufenthalt im Ausland geplant ist. Der von der Düsseldorf Hofmann Versicherungsvermittlungs GmbH gegründete "Interessenverein tätiger Personen im Ausland" arbeitet hier jedoch mit einigen Anbietern zusammen. Die Mitgliedschaft kostet für Einzelpersonen einmalig 75 Euro.

    Weiterführende Adressen
    • Auf die Vermittlung von Versicherungen jeglicher Art für China hat sich die Hofmann Versicherungsvermittlungs GmbH spezialisiert, Tel.: 0211 166 6513, Email: hofmann-vers.gmbh@t-online.de
    • Deutschsprachiger Ansprechpartner in Gesundheitsfragen ist Dr. Kurt Matthaus in Shanghai, Tel.: +86 1 38 18 63 48 92
    • Einen Überblick über die Sozialsysteme in verschiedenen Ländern gibt das German Healthcare Portal (www.germanhealthcare.org)
    • Länderbroschüren können darüber hinaus beim Bundesverwaltungsamt (www.bva.bund.de) angefordert werden
    • Wer sich in China selbstständig machen will, für den ist die chinesisch-deutsche Handelskammer zuständig (www.ahk-china.org)
  • Dieser Artikel ist erschienen am 26.04.2007