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Aussteigerträume

Leben im Paradies, arbeiten, wo andere Urlaub machen -­ wo geht das besser als auf den Trauminseln der Welt. Immer mehr Menschen verlassen die Bundesrepublik und suchen eine neue Heimat: Fast 120.000 Deutsche haben sich im vergangenen Jahr bei der Auswanderungsbehörde registrieren lassen - zehn Prozent mehr als im Vorjahr.
Leben im Paradies, arbeiten, wo andere Urlaub machen ­- wo geht das besser als auf den Trauminseln der Welt. Immer mehr Menschen verlassen die Bundesrepublik und suchen eine neue Heimat: Fast 120.000 Deutsche haben sich im vergangenen Jahr bei der Auswanderungsbehörde registrieren lassen - zehn Prozent mehr als im Vorjahr. 200.000 Anfragen stapeln sich beim Raphaels-Werk, das seit über 130 Jahren Auswanderwillige berät. Und täglich werden es mehr.


Reif für die Insel
Arbeiten an den Traumplätzen der Welt. 120.000 Deutsche sind im vergangenen Jahr ausgewandert. Karriere online stellt die schönsten Traumziele vor: >> zur Bildergalerie


Die besten Jobs von allen


Die Dunkelziffer derjenigen, die Deutschland klammheimlich verlassen, ohne sich offiziell abzumelden, wird von Experten um ein Vielfaches höher geschätzt. Die meisten Emigranten gehen zu den Behörden erst später, um ihre Ansprüche auf Renten- und Sozialversicherung zu behalten, oder melden sich gar nicht.

Für wie lange sie verschwinden, halten sich die meisten Brückenabbrecher offen. Hauptsache, erst einmal weg: einen Job finden, ein Haus kaufen, ein Unternehmen gründen, Meerluft atmen, abtauchen. Karriere hat Aussteiger besucht, die ihre Trauminsel bereits gefunden haben. Samoa: Abtauchen in der Südsee

Koffer gepackt, Hausstand verkauft und ab in die Südsee. Ziel: Samoa, polynesischer Inseltraum mit weißen Stränden, Korallenriffen, dichtem Tropenwald, Vulkanen und schlängelnden Flüssen. "Vor Jahren habe ich mit Freunden herumgesponnen, hier mal die erste Tauchschule zu gründen. Jetzt haben wir es wahr gemacht." Sandra, 31, Ex-Controllerin bei Douglas in Hagen, ist nicht allein gekommen. Mit Patrick Walter, 34, einem Tauchlehrer aus Chemnitz, und Dirk Klein, 32, den sie inzwischen auf Samoa geheiratet hat, betreibt sie seit Januar 2002 auf Upolu ihre Tauchschule.

Das Gesparte der drei reichte nicht nur für Reise, Ausrüstung und ein kleines Wasserflugzeug ­ bald wollen sie sich auch noch ein Segelboot zulegen. "Für den Alltag brauchen wir fast kein Geld. Unser Leben ist ohne jeden Komfort", sagt Sandra, braun gebrannt, mit Bikini und einem bunten langen Tuch, das ihr im Wind um die Hüften streicht. Gleich fährt sie wieder raus. Tauchen. Wie jeden Tag, einmal morgens, einmal nachmittags. Ein traumhafter, aber ermüdender Job: Spätestens um zehn Uhr abends schläft das Trio.

Leicht war es nicht, Fuß zu fassen. Die Einheimischen waren anfangs abweisend. "Die Clanchefs des Dorfes haben das Sagen. Als die unsere Tauchgeräte sahen, dachten sie, wir wollten fischen. Und hatten Angst um ihre Bestände." Sandra, Dirk und Walter reagierten sofort. Sie lernten Samoanisch, luden die Häuptlinge zum Essen ein, machten von den 150 Dorfbewohnern Fotos und lieferten ihnen später eine Diashow. "Heute schenken uns die Samoaner Früchte und andere Nahrungsmittel. Verhungern werden wir nicht. Schade nur, dass es hier keine Currywurst mit Pommes gibt.

" Das größere Problem: Seit eineinhalb Jahren warten die Deutschen auf einen Telefonanschluss. "Auf Samoa gehen die Uhren anders. Man braucht viel Geduld und noch mehr Zeit", sagt Sandra und lächelt, als wüsste sie schon gar nicht mehr, was Zeit ist. Zum E-Mailen muss sie eine Dreiviertelstunde mit dem Boot zum Internetcafé auf die Nachbarinsel fahren. "So lange wir uns wohl fühlen, bleiben wir. Aber Pläne wie in Deutschland machen wir nicht mehr", ist sich Sandra sicher. Und was macht sie auf Samoa im Rentenalter? "Muscheln suchen."

Einwohner:
174.800

Klima:
tropisch, Jahresdurchschnittstemperatur 26°C, kaum Temperaturunterschiede, von Oktober bis März Regenzeit

Sprache:
Samoanisch, Englisch (Verwaltungssprache)

Wirtschaft:
Landwirtschaftsprodukte: Kokosnüsse, Bananen, Kakao

Flugdauer:
23 Stunden (Frankfurt/Main -> Upolu)

Links:

www.diveandflysamoa.com
www.samoa-reisen.de Island: Baden im heißen Loch

Als Kind hat sich Peter Weiss das Meer immer als "riesige Saugtoilette" vorgestellt. Mit 17 Jahren sah der Nordbayer zum ersten Mal die Nordsee in natura. "Da wurde mir klar: In dem Klo kann man ja sogar schwimmen", sagt er schmunzelnd. Und wählte die entlegenste Insel, die die See zu bieten hat: Island. "Für mich absolute Exotik." Jetzt ist Weiss für die Isländer ein Exot: ein Süddeutscher, der neun Monate Wintersturm und drei Monate Licht liebt und dem sommerliche elf Grad Außentemperatur gerade warm genug sind.

1997 zog Peter Weiss, damals 32, mit seiner Frau nach Reykjavik. Der Skandinavist und Germanist hatte zuvor als wissenschaftlicher Mitarbeiter fürs Nordische Institut in Greifswald gearbeitet und nahm nun die Stelle eines DAAD-Lektors an der Universität Island an. Bereut hat er den Wechsel in den unwirtlichen Norden nie: "Im Winter ist es nur zwischen zwölf und 15 Uhr hell. Aber kein Problem. Es gibt ja Neonlicht." Und Strom ist billig.

Weiss ist vermutlich einer der entspanntesten Bürger, die Bayern je hervorgebracht hat. "Das liegt nur an der Insel. Wenn ich etwas von den Einheimischen gelernt habe, ist es, Dinge einfach auf mich zukommen zu lassen." Wenn er morgens von seinem Haus am Meer mit dem Fahrrad am Ufer entlang in die Stadt zur Arbeit fährt, grüßt er jeden, dem er begegnet. "Anonymität gibt es so gut wie nicht. Das Land ist ein Dorf." Isländer verkörpern für ihn die Leichtigkeit des Seins ­ nicht nur was die Kontaktfreude, sondern auch was das Geld angeht. "Schulden zu haben, ist normal. Isländer denken nicht so über Sicherheiten nach wie die Deutschen.

" Lästig findet er nur, "dass man hier immer 500 Euro braucht, um mit dem Flieger wegzukommen". Und dass ein Glas Wein bis zu acht Euro kostet. "Deswegen geht man auch nicht einfach mal schnell zum Mittagessen ins Restaurant." Stattdessen ist Kantine oder Mikrowelle angesagt. Oder der "heiße Pott": "In den Mittagspausen bevorzugen viele zum Entspannen das Thermalbad. Das ist für Isländer so wichtig wie für Deutsche der Stammtisch."

Beruflich hat sich Weiss inzwischen auch verändert. Am 1. September wird er Leiter des Goethe-Zentrums in Reykjavik. Die Stelle ist auf zwei Jahre befristet. Danach muss er sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Auf Island leben? "Ja." Auf Island bleiben? "Warum nicht. Nur, bayerischer Staatsbürger bleibe ich vermutlich immer

Einwohner:
280.000

Klima:
ozeanisch kühl, Niederschläge bis zu 2.000 mm pro Jahr. Kühle Sommer und für die Nähe zum Polarkreis relativ milde Winter

Sprache:
Isländisch

Wirtschaft:
Tourismus, Fisch und Fischereiprodukte, Aluminium

Flugdauer:
ca. 3 Stunden (Frankfurt/Main -> Reykjavík)

Links:
www.island.de
www.ratgeber-island.de
www.eldey.de
Bahamas: Flirten mit Flipper

Wenn der Garten Eden eine Mischung aus Blaue-Lagune-, Flipper- und James-Bond-Filmen ist, dann liegt er zwischen Florida und Kuba: "Auf den Bahamas zu leben, ist das Paradies. Keine Frage." Wenn Robert Meister, der 40-jährige Oberpfälzer aus Erbendorf, so etwas sagt, glaubt man ihm sofort. So begeistert, wie er dabei lacht, wirkt er gleich zehn Jahre jünger.

Überhaupt scheint es, als ob dem Mann nach 13 Jahren Bankkarriere in den USA mit dem Umzug nach Nassau, der Hauptstadt des Inselstaates, eine Last vom Hals gefallen ist ­ keine Hektik, kein Chaos, kein Hochhausmief mehr. Dass Robert so relaxed wirkt, liegt nicht nur an den Hunderten von Traumstrand-Inseln und Tausenden von Korallenriffen. Sondern auch an seinen 16 Delfinen. Als Managing Director und Chief Financial Officer arbeitet der Deutsche heute für Dolphin Encounters, ein Mega-Delfinarium mit Showprogramm und Schwimmvorführungen in blauen Lagunen. Besonders liebt er seine Showstars Jake, McGyver und Fatman: "Die drei Delfine spielten die Stars im Kinofilm Flipper mit Paul Hogan und Elijah Wood."

Günstige Voraussetzungen waren es, die Robert und seiner Frau den Umstieg vor drei Jahren erleichterten: Roberts Vater, der bereits 1979 nach Nassau ausgewandert war, hatte Dolphin Encounters gegründet. Er, Robert und sein Bruder führen heute dieses Familienunternehmen mit 130 Mitarbeitern ­ vom Buchhalter bis zum Delfintrainer. Im vergangenen Jahr kamen 140.000 Besucher. Damit sind die Flaschennasendelfine der Meisters eine der beliebtesten Touristenattraktionen auf den Bahamas.

"Ich könnte auch wieder in Deutschland wohnen. Aber nur wenn es sein muss", meint Robert eher höflich als ehrlich. Im Grunde würde er niemals die Bahamas verlassen wollen ­ wegen der Delfine nicht und wegen seiner Familie schon gar nicht. Außerdem: "Die Menschen auf unserer Insel sind so unglaublich freundlich. Das habe ich noch nirgendwo erlebt." Ein Grund, zumindest hin und wieder Deutschland zu besuchen, sind seine Verwandten ­ und Kartoffelknödel.

Einwohner:
340.000

Klima:
tropisch, Jahresdurchschnittstemperaturen schwanken zwischen 21 und 32°C, häufig Orkane

Sprache:
Englisch

Wirtschaft:
Tourismus (60 Prozent), Finanzen, Handel, Industrie (Erdöl, Erdgas, Aragonit)

Flugdauer:
9 Stunden (Frankfurt/Main -> Nassau)

Links:
www.bahamas.com
www.thebahamasguide.com
www.bahamas.net.bs
Teneriffa: Radeln zum Vulkan

Sie wollten nur raus aus Deutschland, dem nassen Winter entkommen samt den miesepetrigen Zeitgenossen. Stefanie Schmid-Laudon, 30, Tourismus-Betriebswirtin, und ihr Mann Lothar Schmid, 37, Controller. Bei Cats, einem Franchise-Unternehmen, das Sportstationen in südlichen Urlaubsregionen unterhält, unterschreiben die beiden Schwaben im Sommer 1999 den Vertrag und legen ihr Erspartes für Ausstattung und Lizenzgebühren auf den Tisch. Ihr Ziel: Teneriffa, Playa de las Américas ­ der größte Touristenort der Insel. Der Name ihres neuen Unternehmens: Sports Location Tenerife. Ihr Angebot: Rad- und Wandertouren für Touristen.

Doch auf den Kanarischen Inseln angekommen, folgt auf die Euphorie herbe Enttäuschung. Die beiden waren von trainierten Touristen ausgegangen, mit denen sie den 3.700 Meter hohen Teide-Vulkan hochwandern oder die zahlreichen Inselberge mit dem Mountainbike erklimmen können. "Stattdessen kamen immer wieder Urlauber ohne Kletterschuhe und Kondition", erzählt Lothar Schmid. Manche seien sogar mit Badeschlappen zum Wandern angetreten.

Heute, vier Jahre später, haben sich die beiden Deutschen sehr viel besser auf die Kundenwünsche eingestellt. Und arbeiten inzwischen auf eigene Rechnung ­ ohne Franchisegeber. Die Geschäfte laufen gut, dank der vielen Kontakte, die sie mittlerweile auf der Insel haben. Über Reiseveranstalter wie Jahn-Reisen kommen sportliche Gruppen zu ihnen, mit denen sie mehrtägige Rad- und Wandertouren über die Insel machen. Neckermann, ITS oder Thomas Cook bringen Gäste vom Strand, die überwiegend Tagestouren buchen.

Jetzt sucht das Paar einen Geschäftsführer. "Im August erwarte ich nämlich unser zweites Kind", sagt Stefanie Schmid-Laudon. Wegen der Familie die kanarische Existenz aufzugeben und in den schwäbischen Alltag zurückzukehren, käme für sie kaum in Frage. "Je länger wir hier selbstständig sind, desto schwerer wird es sein, alles aufzugeben."

Einwohner:
750.000

Klima:
subtropisch, Jahresdurchschnittstemperaturen: 15°C im Winter und 24°C im Sommer

Sprache:
Spanisch

Wirtschaft:
Tourismus, Agrarwirtschaft (Bananen)

Flugdauer:
ca. 4 Stunden (Frankfurt/Main -> Kanarische Inseln)

Links:
www.teneriffa.de
www.canaries-live.com/D
www.canary-guide.com
Neuseeland: Tor zum Himmel

Für Christina Demmler war Neuseeland Liebe auf den ersten Blick. "Ich machte damals nur Urlaub. Ich kam an, sah das Land und wusste: Hier willst du bleiben." Vier Jahre später zog sie von ihrer Heimat Karlsruhe endgültig auf die große lange Insel. Da war sie 34 Jahre alt. Nach Auckland, der größten Stadt des Inselstaates, kam sie mit Freund und gemeinsamem Baby im Bauch. Ihr Sohn Yao ist inzwischen sieben und wie er selbst sagt ein "echter Kiwi" ­ Neuseeländer.

Den Kiwis gibt Christina heute Unterricht: Bewegungstherapie. Schon in Deutschland hatte sich die gelernte Krankengymnastin tanztherapeutisch weitergebildet. "Karriere wollte ich nie machen. Tanz und Bewegungsmeditation sind für mich eine Lebensform", sagt sie. Mit Tanzen sichert sich Christina heute ihren Lebensunterhalt. Der Weg dahin war steinig.

"Ich brauchte eine Arbeitsgenehmigung. Als die nach zwei Jahren ablief, habe ich eine unbeschränkte Aufenthaltsgenehmigung beantragt." Bis sie die bekam, vergingen Monate. "Finanzieren konnte ich mich lange Zeit nur durch das Erbe meiner Eltern." Beide leben nicht mehr ­ "ein Grund, warum ich mich Deutschland nicht mehr zugehörig fühle." Ein weiterer: "Deutsche leben ständig unter hoher Anspannung", sagt sie, froh, dem Druck entflohen zu sein. Die multikulturellen Neuseeländer seien viel entspannter ­ "laid back". Aber unpünktlich: "Heute habe ich mich daran gewöhnt, dass zum Beispiel Handwerker mal zu spät oder gar nicht kommen.

"Auch das Klima war eine Überraschung: "Im Winter ist es hier relativ kühl. Am Anfang war ich ziemlich geschockt, dass es hier Häuser ohne irgendeine Heizung gibt. Wir haben immerhin Holzfeuer." Den Einheimischen sind die niedrigen Temperaturen egal: "Viele laufen auch im Winter nur im T-Shirt herum und gehen barfuß ­ aber mit Wollpullover."

Von ihrem deutschen Freund hat sich Christina mittlerweile getrennt und lebt nun mit einem Neuseeländer zusammen ­ im eigenen Haus auf einem Hügel bei Auckland, umgeben von wild wuchernden Farnbäumen. Weit hinten glitzert das Meer.

Einer der berühmtesten Strände Neuseelands ist nur eine halbe Autostunde von ihrem Haus entfernt: "Karekare", der Strand, an dem Jane Campion den Film "Das Piano" drehte. Am liebsten jedoch ist Christina in ihrem kleinen Ort. Kein Wunder. Er heißt "Titirangi" ­ was Maori ist und so viel bedeutet wie "Das Tor zum Himmel".

Einwohner:
3,9 Millionen

Klima:
gemäßigt

Sprache:
Englisch und Maori

Wirtschaft:
Agrarwirtschaft

Flugdauer:
23 bis 27 Stunden (Frankfurt/Main -> Auckland)

Links:
www.neuseeland.de
www.nzvillage.com/neuseeland/auswandern.php
www.touring-newzealand.de Malta: High-Tech mit Meerblick

Sein Büro hat Andreas W. Gerdes außerhalb von Maltas Hauptstadt Valetta, "damit man mittags mal schnell ans Wasser gehen kann". Aber: "Wer glaubt, auf der Insel erwarte ihn ein Leben wie in einem Club Med, der irrt gewaltig." Gerdes, 37, ist ein harter Arbeiter, ein Typ, der an Geschäftsideen glaubt.

Vor der Geburt seines ersten Sohnes zog er mit seiner Frau nach Malta: "Wir wollten, dass unser Kind an einem Ort aufwächst, wo Englisch gesprochen wird, es italienische Pasta gibt und so gutes Wetter wie in Kalifornien." Gerdes konnte es sich leisten. Schon als 20-Jähriger hatte der Jüngste von sechs Kindern in der Münsteraner Garage seiner Eltern Deutschlands ersten mobilen Service Provider ABC Telecom gegründet. Später verkaufte er das Geschäft erfolgreich und verdiente von nun an ­ ohne Studium und Ausbildung ­ bei Top-Unternehmen der Branche sein Geld.

Doch auch auf Malta konnte der Selfmademan nicht die Finger vom Geschäft lassen. Wieder fand er Investoren und gründete vor drei Jahren die IWorld-Group ­ ein 40 Mitarbeiter zählendes Unternehmen, das Anwendungen für den mobilen E-Commerce entwickelt. "Malta ist als IT-Standort noch so gut wie unentdeckt. Und ideal fürs Geschäft." Die Gründe: eine offene und Export-unabhängige Marktwirtschaft, staatliche Förderung der High-Tech- und Elektroindustrie, wenig Bürokratie, niedrige Steuern und Löhne ­ das Jahresdurchschnittseinkommen eines Maltesers beträgt 12.000 Dollar. Für Gerdes normal: "Auf Malta braucht man nicht viel.

Außerdem sehen die Leute alles viel gelassener als bei uns. Nicht umsonst heißt ein maltesisches Sprichwort: Kollox jghaddi ­ alles geht vorbei."

Nicht vorbei geht auf Malta das schöne Wetter. 300 Sonnentage pro Jahr garantiert. Dass der Fischerort, in dem sich Gerdes für seine Familie eine Villa gekauft hat, ausgerechnet "Tas Silg" ­ Schnee ­ heißt, ist ein Kuriosum. Seinem erstgeborenen Sohn gefällt das. Er ist es auch, der davon träumt, endlich mal wieder durch den deutschen Regen zu laufen.

Einwohner:
385.000

Klima: Mittelmeerklima, regenarme Sommer, Temperaturen im Winter nicht unter 2°C, im Sommer bis 42°C

Sprache:
Maltesisch, Englisch (2. Amtssprache), z.T. auch Italienisch

Wirtschaft:
Produzierendes Gewerbe, Tourismus, Finanzdienstleistung

Flugdauer:
2,5 bis 3 Stunden (Frankfurt/Main -> Valetta)

Links:
www.malta-reisen.de
www.visitmalta.com/de
www.IWG.info Sicher auswandern

Aufenthalt auf Probe
In fast allen Ländern kann man sich als Tourist bis zu drei Monate (ohne Arbeitsaufnahme) aufhalten ­ die ideale Möglichkeit, sich schon einmal Infos über Lebensverhältnisse, Klimaverträglichkeit und Arbeitsplätze zu beschaffen.

Visum
Wer sich im Ausland länger aufhalten und arbeiten will, kommt um ein Visum meist nicht herum. Bevor das nicht definitiv erteilt ist, sollte kein Arbeitsplatz gekündigt, keine Wohnung aufgelöst und kein Flugticket gekauft werden. Auch vertragliche Bindungen ins Zielland sind ohne sicheres Visum ein Risiko.

Steuern
Wer seine Zelte komplett abbricht, unterliegt grundsätzlich dem Steuerrecht des neuen Aufenthaltsortes. Wer sich aber Hintertürchen offen halten will, sollte sich vorher bei einem spezialisierten Steuerberater die cleverste Kombination ausrechnen lassen. Sonst wird er unter Umständen doppelt besteuert, verliert staatliche Förderungen oder muss Abgaben in einem Hochsteuerland zahlen.

Krankenversicherung
Wer im Ausland lebt und keinen deutschen Arbeitgeber mehr hat, fällt unter das Sozialsystem des fremden Staates. Für privat Versicherte gilt: Wird der Wohnsitz verlegt, endet meist der Versicherungsschutz. Um Verträge zu verlängern, sind Neuverhandlungen mit dem Versicherer nötig. Beim Umzug ins EU-Ausland geht das in der Regel problemlos, ist aber teurer als im Inland. Weitere Infos unter http://www.karriere.com/Auslandseinsatz.

Staatsangehörigkeit
Grundsätzlich bleibt man auch als Auswanderer deutscher Staatsbürger. Wer jedoch eine ausländische Staatsangehörigkeit annimmt, muss damit rechnen, seinen deutschen Pass zu verlieren.

Rückwanderung
Wer die deutsche Staatsangehörigkeit im Ausland (zum Beispiel durch Einbürgerung) verloren hat, unterliegt bei der Rückwanderung dem Ausländerrecht und kann nur unter bestimmten Bedingungen wieder Deutscher werden. Tipp: Vor der Abreise informieren, welche Ausreisebeschränkungen im Zielland nach der Einwanderung bestehen.

www.auswandern-aktuell.de
www.bva.bund.de
www.fernweh-pur.de
www.raphaels-werk.de
www.derreisefuehrer.com
www.bdae.de Weitere Inseltipps

Bermudas
64.000

Klima:

subtropisch ohne Regenzeit bei gemäßigten Temperaturen. Heißeste Monate: Juli, August und September.

Sprache:
Englisch (Amtssprache), ein kleiner Bevölkerungsteil spricht Portugiesisch.

Wirtschaft:
Die Wirtschaft floriert ­ dank Tourismus, internationaler Finanzdienstleistung und Telekommunikation. Die Bermudas sind der drittgrößte Versicherungsmarkt der Welt. Die Fertigungsindustrie konzentriert sich auf Schiffbau, Arzneimittel-, Parfüm- und Kosmetika-Herstellung.

Land&Leute:
Bei Geschäftstreffen sind leichter Anzug, Hemd und Krawatte ebenso angemessen wie Bermuda-Shorts. Gelegentlich werden Empfehlungsschreiben verlangt. Karibische Besonderheit: Es ist üblich, fremde Leute auf der Straße zu grüßen.

Flugdauer:

7-8 Stunden (Frankfurt am Main- Hamilton)

www.bermudatourism.com Fidschi-Inseln

Einwohner:
800.000

Klima:
mildes Tropenklima. Heiß und nass von November bis April.

Sprache:
Fidschianisch und Hindi, Englisch, teilweise auch Chinesisch.

Wirtschaft
Hauptexportgut: Zucker, daneben Fischkonserven, Ingwer, Bananen, Kokosprodukte. Wichtigste Devisenquelle: Tourismus. Ebenfalls von Bedeutung: fischverarbeitende Industrie, Holzwirtschaft, Goldgewinnung.

Land & Leute:
Tropenanzüge und leichte Sommergarderobe sind im Geschäftsleben angemessen. Typisch fidschianisch: Besucher zum Bleiben oder zum Essen einzuladen. Wurde man bereits ins Haus gebeten, sollte man jedoch weitere Einladungen höflich ablehnen oder auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Gäste, die im Dorf übernachten, sollten ihrem Gastgeber als Anerkennung ein nützliches Geschenk in entsprechendem Wert machen.

Flugdauer:
20 bis 25 Stunden (Frankfurt/Main -> Fidschi)

www.bulafiji.de
www.spto.org Hawaii

Einwohner:
1,2 Millionen

Klima:
tropisch Jahresdurchschnittstemperatur bei 29°C.

Sprache:
Englisch (Amtssprache), Hawaiianisch.

Wirtschaft:
Die meisten Arbeitgeber im Tourismus, in der Agrarwirtschaft (Zuckerrohr, Ananas, Kaffee, Papaya), im Maschinenbau und in der Bekleidungsindustrie.

Land & Leute:
Auf Hawaii ist das Geschäftsleben wie auf dem Festland der USA. Die Ureinwohner Hawaiis sind gastfreundlich und warmherzig.

Flugdauer:
17 bis 19 Stunden (Frankfurt/Main ->Honolulu)

www.gohawaii.com
www.state.hi.us
www.hawaii.gov/tourism Kanalinseln

Einwohner: 150.000

Klima:
mediterran mild, ganzjährig Temperaturen von 9° bis 20°C.

Sprache:
Englisch

Wirtschaft:
Inseln Alderney, Guernsey, Jersey, Sark und Herm leben vor allem von Finanzindustrie, Tourismus, Milchwirtschaft und vom Export von Schnittblumen.

Land & Leute:
Geschäftsprache Englisch (manchmal auch Französisch). Europäische Lebensweise.

Flugdauer:
2 Stunden (Frankfurt/Main -> Kanalinseln)

www.jersey.com
www.guernseytouristboard.com Kapverdische Inseln

Einwohner:
435.000

Klima:
zwischen 20° und 30°C ganzjährig. Niederschlag an wenigen Tagen im August und September

Sprache:

Portugiesisch (Amtssprache), Kreolisch.

Wirtschaft:

Agrarwirtschaft (Mais, Bananen, Kartoffeln, Zuckerrohr, Bohnen) und Fischerei sind die wichtigsten Branchen der Inseln.

Land & Leute:

Flugdauer:
6 Stunden (München -> Kapverden)

www.promex.org
www.embassy-capeverde.de Malediven

Einwohner:
270.000

Klima:
heiß und tropisch. Selbst nachts fallen die Temperaturen selten unter 25°C.

Sprache:
Maldivisch, Elu und Englisch (Deutsch, Italienisch oder Französisch nur vereinzelt).

Wirtschaft:
Die Mehrheit der Bevölkerung lebt vom Tourismus. Auf vielen der 70 Urlaubsinseln in den letzten Jahren zahlreiche Investitionen in: Meerwasserentsalzungsanlagen, renovierte Unterkünfte, Generatoren, Klimaanlagen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass die Tourismusbranche, die derzeit fast ein Viertel des Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, auch in Zukunft florieren wird. Weitere Einnahmequellen: Fischerei (vor allem Thunfisch) und Landwirtschaft.

Land & Leute:
Die meisten Geschäfte werden vormittags abgewickelt. Die Bekleidung im täglichen Leben ist zwanglos. Die einheimische islamische Bevölkerung nimmt allerdings daran Anstoß, wenn Badekleidung in der Öffentlichkeit getragen wird. Während des Ramadan raucht und isst man im Allgemeinen erst nach Sonnenuntergang.

Flugdauer:
9 bis 10 Stunden (Frankfurt/Main -> Male)

www.visitmaldives.com Mallorca

Einwohner:
630.000

Klima:
gemäßigtes Mittelmeerklima. Die Winter sind mild und trocken.

Sprache:
Spanisch

Wirtschaft:

Mallorca lebt von Tourismus, Landwirtschaft (Gemüse, Getreide, Zitrusfrüchte), Bergbau (Abbau von Marmor, Kupfer- und Bleierz) und Fischerei.

Land & Leute:
73 Prozent des Auslandsgrundbesitzes auf Mallorca sind in deutscher Hand. Mehr als 35.000 Deutsche leben länger als drei Monate im Jahr auf der Hauptinsel der Balearen, 3.500 wohnen hier dauerhaft mit Aufenthaltsgenehmigung. Wer auf Mallorca beruflich etwas erreichen will, sollte sich mit Mallorquinern zusammentun. Beste Kontaktstelle: Bars, wo sich Geschäftsleute treffen ­ diese Bars liegen im Umfeld von Ämtern und Behörden. Ohne Spanisch- und Fußballkenntnisse hat man keine Chance: Auf welchem Tabellenplatz der Fußballverein Real Mallorca gerade steht, sollte jeder wissen.

Flugdauer:
2 Stunden (Frankfurt/Main -> Palma de Mallorca)

www.mallorca.de
www.a-palam.es
www.visitbalears.com Mauritius

Einwohner:
1,2 Millionen

Klima:
tropisches Meeresklima, häufig Orkane.

Sprache:
Englisch (Amtssprache), Mauritianisch (französisches Kreolisch). Dazu: indische Sprachen, Chinesisch und Französisch als Bildungssprache.

Wirtschaft:
Hauptbranchen sind Agrar- und Elektroindustrie, Erdöl- und Diamantenverarbeitung und Tourismus. Der Staat fördert insbesondere die IT- und Elektronik-Branche sowie feinmechanische Betriebe. Die Regierung bemüht sich neuerdings, die Ansiedlung von ausländischen Finanzinstituten anzuregen. Der Erfolg bleibt abzuwarten.

Land & Leute:
Legeres Outfit ist auf der Insel üblich. In Geschäftskreisen trägt man oft Safari-Anzüge. Abendkleidung wird nur zu gesellschaftlichen Anlässen erwartet. Viele Geschäftsleute sprechen Englisch. Bei Einladungen ist es üblich, ein kleines Geschenk mitzubringen. Mauritius ist eine Multikulti-Insel ­ es gilt, die jeweiligen Traditionen der Gastgeber zu respektieren, die je nach Religionszugehörigkeit sehr unterschiedlich sein können.

Flugdauer:
11 Stunden (Frankfurt/Main -> Mauritius)

www.mauritius.net
www.mauritius-info.com
Dieser Artikel ist erschienen am 30.01.2004