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Ausserbörslicher Aktienhandel

Michael Kübbeler
Freitagabend, 23 Uhr. Klemens Braun sitzt wie elektrisiert vor dem Fernseher. Er glaubt, in der Sendung Telebörse auf ntv gerade einen heißen Aktientipp ausgemacht zu haben, und brennt nun darauf, eine Kauforder loszuwerden. Dummerweise sind die deutschen Börsen am Wochenende geschlossen.
Freitagabend, 23 Uhr. Klemens Braun sitzt wie elektrisiert vor dem Fernseher. Er glaubt, in der Sendung Telebörse auf ntv gerade einen heißen Aktientipp ausgemacht zu haben, und brennt nun darauf, eine Kauforder loszuwerden. Dummerweise sind die deutschen Börsen am Wochenende geschlossen.

Braun will nicht bis Montagmorgen warten. Er beschließt also, die Aktien im außerbörslichen Handel zu kaufen, jenseits der ordentlichen Börsenöffnungszeiten. Am Samstagmorgen wirft er den Computer an und gibt über das Internet eine Kauforder bei seinem Discountbroker ab. Dieser reicht sie dann an ein kooperierendes Maklerhaus zur Erfüllung weiter.

Die besten Jobs von allen


Hier klappt's auch am Wochenende

Banken/ Discountbroker

www.brokerage24.de

www.comdirect.de

www.consors.de/broking/tradegate

www.diraba.de

www.fimatex.de

www.1822direkt.de

www.pulsiv.com

www.systracom.de

Makler

Finacor Rabe/Market Maker Center: www.finrab.de

Lang & Schwarz/Tradelink: www.ls-d.de/lus/tradelink

www.schnigge.de
Braun ist nicht der Einzige, der an diesem Wochenende mit Aktien handelt. Seit dem Börsenboom-Jahr 1999 erfreut sich der außerbörsliche Handel, der lange Zeit nur zwischen Banken und Emissionshäusern praktiziert wurde, reger Beliebtheit. Mehr und mehr Banken ermöglichen es Privatanlegern, an der Börse vorbei Wertpapiere zu kaufen und zu verkaufen – abseits der großen Anlegermassen.

Außerbörslich heißt nicht nur ohne Beteiligung einer Börse, sondern auch zu deutlich verlängerten Handelszeiten, an Werktagen meist von acht Uhr bis in die späten Abendstunden sowie am Wochenende. In der Regel erfolgt die Abwicklung mit dem Discountbroker noch per Telefon, das Internet ist aber auch hier auf dem Vormarsch.

Das Besondere am außerbörslichen Handel: Die An- und Verkaufskurse werden von den Maklerhäusern festgestellt, sind also den offiziellen Börsenkursen nur ähnlich. Deshalb ist diese Form des Aktienhandels nicht jedermanns Sache: Den hohen Gewinnchancen stehen sehr hohe Risiken gegenüber. Oft muss der Anleger binnen fünf Sekunden entscheiden, ob er die Aktie zu dem vom System vorgegebenen Kurs kaufen will.

Aus diesem Grund wird der außerbörsliche Handel auch dem ?grauen Kapitalmarkt“ zugerechnet. Er ist weniger stark reglementiert und kontrolliert als der reguläre Handel.

Da keine einheitliche Preisfeststellung existiert, schwanken die Kurse extrem stark. Zudem unterscheiden sich die Preise und Kosten je nach Anbieter. Und letztlich sollte man auch nicht vergessen, dass der Makler angemessen bezahlt werden will – was in der Regel zu hohen Kursaufschlägen führt.

Auf Grund der Intransparenz und schwächeren Regulierung ist der außerbörsliche Handel allenfalls für Zocker interessant. Privatanleger, die ihr Geld mittelfristig investieren wollen, sollten die Finger davon lassen.

Diverse Discountbroker und Handelshäuser bieten in Deutschland den außerbörslichen Aktienhandel für Privatanleger an. Das Bankhaus Lang & Schwarz hat sich schon sehr früh als Makler in diesem Segment etabliert und ist Marktführer. Die Discountbroker Brokerage24, Direktanlagebank und Fimatex nutzen die Plattform von Lang & Schwarz, um ihren Kunden den Handel abseits der Börse zu ermöglichen. Ein weiterer Makler ist Finacor Rabe, der ebenfalls bei den meisten Discountbrokern, zum Beispiel Comdirect, im Boot sitzt.

Börsenmakler Schnigge bietet einen vorbörslichen Handel mit Neuemissionen. Auch bei Tradegate, einem Gemeinschaftsprojekt des Nürnberger Discountbrokers Consors und dem Börsensegment Berliner Freiverkehr, ist man außerbörslich dabei.

Freizeitzocker Klemens Braun hatte mit seiner Aktion übrigens kein Glück: Er konnte zwar am Samstag das Objekt seiner Begierde ergattern, doch die Ernüchterung kam prompt. Offensichtlich waren viele Anleger dem vermeintlichen Geheimtipp gefolgt und hatten am Wochenende schnell gekauft – angesichts der Nachfrage natürlich zu saftigen Preisen. Am Montag rutschte die Aktie an der Börse unter Brauns Einstiegskurs, weil viele Aktionäre den hohen Kurs zum Ausstieg nutzten und ihre Gewinne einsackten. Alle, bis auf Braun.
Dieser Artikel ist erschienen am 20.04.2001