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Ausgezeichnete Geschäftsideen

Liane Borghardt
Die Wissensfabrik, eine Initiative führender deutscher Unternehmen, und karriere haben einen Gründerwettbewerb aufgelegt: Weconomy bringt Jungunternehmer mit Topmanagern zusammen. Welche Startups sich für das große Netzwerktreffen qualifiziert haben und wie die Jury ihre Entscheidung begründet, lesen Sie hier.
bagpax

Saubere Sache

Einer fetten Spinne auf der Windschutzscheibe verdankt Marvin Andrä seine Geschäftsidee. Für den Vater hatte der BWL-Student Gartenabfälle zur Deponie gebracht ? die Folgen: ein verdreckter Kombi und der behaarte Gliederfüßer mitten im Sichtfeld. Nach der Schrecksekunde im Berufsverkehr hatte Andrä den Einfall: ein reißfester, verschließbarer Kofferraumschutz, das wär's! ?So gut die Geschichte klingt ? sie war wirklich so?, erzählt der 25-Jährige. Drei Jahre ist das jetzt her. Marvin Andrä hat in der Zeit ein Unternehmen gegründet, in Asien lässt der Saarbrücker die praktischen Säcke fürs Auto nähen. Baumärkte, Gartencenter oder Autohäuser sind Vertriebspartner der Marke Bagpax. Seit dem Abitur interessiert Andrä sich für gewerbliches Schutzrecht, fuchste sich schon als 19-Jähriger in die Themen Patente, Gebrauchsmuster, Markenanmeldung. ?Mich fasziniert der Gedanke, dass man geistiges Eigentum schützen kann.? Das sagt er so selbstverständlich wie Alterskollegen sich für Partys begeistern. Seinen ersten Prototypen tackerte Andrä aus Baumarktfolie zusammen, recherchierte im Internet nach Herstellern, bastelte Broschüren und eine Website. Alles streng geheim. ?Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, will ich das durchziehen?, erklärt der Jungunternehmer, der schon als Schüler Computer für kleine Unternehmen fit machte.

Produktion, Logistik, Call-Center: Alles hat Andrä ausgelagert, um keine hohen Fixkosten zu haben. Startkapital gewann er bei zwei Gründerwettbewerben, den Kredit bekam er vom zuerst skeptischen Bankberater obendrauf. Seine Jugendlichkeit sei nie Nachteil: ?Ich bin auf Termine immer sehr gut vorbereitet.? Zurück an die Uni gehen und zuhören, ?wie ein Professor in der Vorlesung Witze erzählt? ? das kann Andrä sich nicht vorstellen. Dafür steckt er zu tief in der Praxis. Und ist nach seinem Vater überzeugtester Fan des verschließbaren Bagpax: ?Ich habe immer das neueste Muster im Auto eingebaut.?

Die besten Jobs von allen
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Das sagt die Jury: ?Bei Bagpax haben mich neben der simplen Idee vor allem der Gründer, seine Vielseitigkeit und Umsetzungsstärke überzeugt. Eine Person, von der wir noch so einiges hören werden.?
Lukasz Gadowski, Gründer des Erfolgsunternehmens Spreadshirt Gidtec

Cool wie 007

James Bond springt auf die Bühne ? smart mit Sonnenbrille und Anzug ?, zückt sein Handy und öffnet damit sekundenschnell den schwarzen 5er-BMW. Cool und effektvoll präsentieren Markus Weitzel und Philipp Spangenberg ihren Prototypen: ?BlueID? ist ein digitaler Schlüssel, der auf Handys verschickt und dessen Gültigkeit zeitlich begrenzt werden kann. Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung oder Autobild sprangen nicht nur auf die filmreife Vorführung an. Sondern vor allem auf die neue Technologie, die dem Hickhack um Schlüsselübergaben ein Ende setzt. Pralle Medienresonanz und damit ein Türöffner für die Gidtec-Gründer Weitzel und Spangenberg, um mit potenziellen Kunden wie Autozulieferern, -vermietungen oder Hotels anzubändeln

Die Idee zum digitalen Schlüsselbund hatte Markus Weitzel, vor zwei Jahren noch Student der technischen BWL an der TU München, mit Kommilitonen beim Brainstorming für ein Grundlagenseminar ?Business Plan?. Dass dies Grundstein für seine Selbstständigkeit sein würde, ahnte Weitzel nicht. ?Eigentlich bin ich ein risikoaverser Typ?, sagt der 25-Jährige, ganz BWLer. Doch zufällig habe er seine Studienzeit ?synergetisch für die Unternehmensgründung? nutzen können. Die Seminararbeit brachte ihm erste Kontakte zu BMW ein, seine Diplomarbeit schrieb Weitzel über ?Geschäftsmodelle für mobile Dienste?.

Auf einer Nikolausfeier im Gründerzentrum Garching neben der TU lernte er den Mann für die Technik kennen, den Maschinenbauer Spangenberg, 25. Das Gründerduo hat inzwischen sechs Mitarbeiter, erste Projekte sind an Land gezogen. Und der nächste Türöffner ist auch schon da: der Sieg beim Gründerwettbewerb Weconomy

Das sagt die Jury: ?Gidtec hat die Technologie, die das Problem der Schlüsselübergabe löst. Das ist extrem gut. Am Team hat mir gefallen, dass es sich intensiv mit potenziellen Kunden austauscht.?
Malte Brettel, Professor der Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler an der RWTH Aachen Syntops

Zeitung nach Maß

?Stellen Sie sich vor: Es ist Samstagmorgen, der Duft von frischem Kaffee und Croissants steigt Ihnen in die Nase. Jetzt schlagen Sie die druckfrische Tageszeitung auf, die Sie sich selbst zusammengestellt haben: mit dem Lokalteil Ihrer Heimatzeitung, dem Politikteil der ?Welt? und dem Wirtschaftsteil der Handelszeitung.? Wenn Stephan Jung über sein Produkt spricht, bringt er sich und andere ins Schwärmen. Das ist auch sein Job: Bei Syntops ist der 26-Jährige dafür zuständig, Verlage fürs Projekt ?individuelle Zeitung? zu gewinnen. Ein Geschäftsmodell, das von einem Startup kommen muss: Vermutlich würden konkurrierende Verlagshäuser Jahre für ihre Kooperationsverhandlungen brauchen. Mit der Vermittlung von Syntops ? vier jungen Augsburgern ? klappt's. Für die Kunden des Reiseveranstalters Operaplus produzieren sie eine Kulturzeitung, die aus den Feuilletons verschiedener Blätter bestückt wird

Die Ansprache einzelner Leser, die im Internet ihre Zeitung nach Maß bestellen, erlaubt das Marketingbudget noch nicht. ?Deshalb bieten wir Multiplikatoren unsere Software an: beispielsweise den deutschen Parteien, verschiedene Politikteile zu kombinieren?, erklärt Jung. Dass in diesem Geschäft ?Musik steckt?, stellte Gründer Gregor Dorsch, 31, fest, als er vor zweieinhalb Jahren im MBA-Progamm der Handelshochschule Leipzig ?mit Zahlen und Finanzplänen spielte?. Zurzeit ist das Unternehmer-Quartett, das sich einst im deutschen Jugendkammerchor kennen lernte, auf der Suche nach einem Geldgeber. ?Wenn wir nicht erfolgreich sind, machen wir eine A-cappella-Gruppe auf?, scherzt Jung. Einen Namen hätten sie auch schon: die Singtops

Das sagt die Jury: ?Syntops hat eine starke Vision und die Chance, die im Umbruch befindliche Medienindustrie mitzugestalten. Diese Unternehmer sind bereit, sehr viel von sich zu geben.?
Florian Schweitzer, Partner von BrainsToVentures, bringt Privatinvestoren und schnell wachsende Unternehmen zusammen. Urteil sehr gut

Wer noch gewonnen hat

c-LEcta GmbH, Leipzig
Das Startup um Marc Struhalla entwickelt und vermarktet Enzyme (zum Beispiel als waschaktive Substanzen in Waschpulver) für die Industrie.
www.c-lecta.de

CureVac GmbH, Tübingen
Das Team unter Leitung von Ingmar Hörr erforscht einen Impfstoff gegen Krebs.
www.curevac.de

FACTON GmbH, Potsdam
Die Brüder Thoralf und Martin Nehls verkaufen eine Software, mit der Unternehmen Produktionskosten analysieren und optimieren können.
www.facton.com

Greenmiles GmbH, Hamburg
Gründer Sven Bode bietet Reisenden an, CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte auszugleichen.
www.greenmiles.de

SportKreativWerkstatt GmbH, München
Eckehard F. Moritz und Mitarbeiter entwickeln Innovationen, etwa Sportangebote für Senioren.
www.sportkreativwerkstatt.de

Der Wettbewerb

Jungunternehmer stehen zwei, drei Jahre nach der Gründung vor neuen Herausforderungen: Wie expandiere ich ins Ausland, wie führe ich ein wachsendes Team oder erweitere meine Produktpalette? Guten Rat, den es nicht zu kaufen gibt, haben acht Startups beim Gründerwettbewerb Weconomy gewonnen. Ein Wochenende lang treffen sie auf Entscheider der deutschen Wirtschaft. In persönlichen Gesprächen und Workshops tauschen sie sich mit Topmanagern aus, darunter Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender des Chemieunternehmens BASF, oder Franz Fehrenbach, Chef von Bosch, unter anderem größter Automobilzulieferer der Welt

22 Teams hatten sich für die Endrunde des Wettbewerbs qualifiziert. Vor einer hochkarätigen Jury mit Experten aus der Gründerszene präsentierten sie ihre Unternehmen. Überzeugen konnten schließlich motivierte Kandidaten aus den unterschiedlichsten Branchen.

www.weconomy.de
Weitere Infos auf karriere.de: Treffen Sie den Chef
Dieser Artikel ist erschienen am 09.08.2007