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Ausgezeichnet

Martin Roos
Die Rechnung lohnt sich wirklich: erst an der Uni büffeln, dann abkassieren. Zum sechsten Mal vergeben karriere und die DZ Bank den mit insgesamt 26.450 Euro höchstdotierten deutschen Preis für Master- und Bachelorarbeiten in Banking and Finance.
Indiana Jones würde blass werden. Schon die Ahnentafel des Schweizers Bertrand Piccard schlägt an Sensation jeden noch so geheimnisvollen Schatz, den der Abenteuer-Wissenschaftsfreak je in einem Hollywood-Film entdeckte. Piccards Großvater August erkundete 1931 auf 16.000 Meter Höhe die Stratosphäre und war der erste Mensch, der in einem U-Boot an die tiefste Stelle des Ozeans tauchte. Vater Jacques brach den Tiefsee-Tauchweltrekord im Marianengraben: 10.916 Meter abwärts.

Bertrand schließlich, der Psychiater und Wissenschaftler, umkreiste mit Brian Jones als erster Mensch die Erde in einem Ballon. So einer wie Piccard ist am Abend der DZ-Preis-Verleihung genau der Richtige - als charmanter Gastredner und eindrucksvoller Motivator vor Absolventen, die als Akademiker nun in die Praxis hinausdrängen. Im Grunde hätten sie alle einen Preis verdient.

Die besten Jobs von allen


Denn das Niveau ihrer wissenschaftlichen Leistungen war hoch: Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, und Jurymitglied Wolfgang Bühler lobten in ihrer Laudatio die große Qualität aller 129 eingereichten Bachelor- und Masterarbeiten in diesem Jahr. Über die Masterarbeit von Gewinner Maximilian Georg Rödel konnte ARD-Börsen-Moderatorin Anja Kohl, die durch die Preisverleihung führte, nur staunen. Unumwunden gab sie zu, schon beim Lesen und Verstehen des Titels ihre Probleme gehabt zu haben: "The Entrepreneur's Cost of Capital - A Theoretical Model Incorporating Underdiversification and Myopic Loss Aversion".

Harte Kost freilich. Doch wie sagte Bertrand Piccard an diesem Abend über die Ballonfahrt: "Hindernisse gibt es immer. Bei der Ballonfahrt ist das der Gegenwind. Wichtig ist dann, mit ihm und nicht gegen ihn zu fliegen. Man muss lernen, die richtige Flughöhe zu finden.

Im Fall der Master-Siegerarbeit mit dem "incomprehensible title" könnte das bedeuten, erst mal einen richtig guten Englischkurs zu absolvieren.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2007