Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Ausbildung oder Studium? - Das ist hier die Frage

In der elften und zwölften Klasse erscheint der Schulabschluss noch Lichtjahre entfernt. Es gilt: Erst mal das Abi in der Tasche haben, dann kann man weitersehen. Doch die Abi-Prüfungen kommen schneller als erwartet. Bei all dem Lernstress vergisst manch einer vollkommen, sich über seine berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Ausbildung oder Studium? Praktische Tätigkeit oder Bürojob? Drei Jahre Lehrzeit oder nach fünf Jahren Akademiker? Die Einstieg-Abi-Messen helfen bei der Entscheidung.
In der elften und zwölften Klasse erscheint der Schulabschluss noch Lichtjahre entfernt. Es gilt: Erst mal das Abi in der Tasche haben, dann kann man weitersehen. Doch die Abi-Prüfungen kommen schneller als erwartet. Bei all dem Lernstress vergisst manch einer vollkommen, sich über seine berufliche Zukunft Gedanken zu machen. Ausbildung oder Studium? Praktische Tätigkeit oder Bürojob? Drei Jahre Lehrzeit oder nach fünf Jahren Akademiker?

Genau diesen Fragen widmen sich die Einstieg-Abi-Messen, die im März in Köln statt fand. An knapp 300 Ständen repräsentieren sich Universitäten, private Bildungseinrichtungen, Ausbildungsbetriebe und Veranstalter von Auslandsaufenthalten. Neben naturwissenschaftlichen Schwerpunkten gibt es auch viele Angebote aus den Bereichen Wirtschaft, Sprache, Medien und Schauspiel. Schüler können sich hier nicht nur mit Informationsmaterial eindecken, sondern auch das persönliche Gespräch mit Personalern, Auszubildenden, Dozenten und Studierenden suchen und sich beraten zu lassen.

Die besten Jobs von allen


Zum Rahmenprogramm gehört eine ganze Palette an Vorträgen. Auf mehreren Bühnen finden fast ununterbrochen Info-Veranstaltungen statt: zu bestimmten Studiengängen und Hochschulen, zu Studienabschlüssen und Bafög, zum richtigen Bewerben, zum Arbeiten und Studieren im Ausland oder auch zu speziellen Ausbildungsberufen und den ausbildenden Unternehmen.

Mehr als 34.000 Oberstufenschüler besuchten am 26. und 27. März 2004 die Einstieg-Abi-Messe in Köln. Mit ihrem Hallenplan vor der Nase liefen sie grüppchenweise zwischen den Ständen her. Auf dem Plan sieht alles sehr übersichtlich aus, doch die Halle ist groß, überall locken Plakate, Flyer und Musik. Viele Aussteller machen durch Aktionen und pfiffige Angebote auf sich aufmerksam. Von Poppkorn über Bewerbungsfotos bis hin zum Minispotdreh ist alles dabei.

Die Auswahl ist vielfältig. Über 100 Universitäten, Fachhochschulen und Akademien aus ganz NRW stellen ihr Angebot vor. Lehramt, Diplom oder Magister? Master oder Bachelor? Egal, ob es sich um Betriebswirtschaftslehre, Naturwissenschaften oder Sozialpädagogik handelt, die Stände bieten genügend Informationsmaterial und sind zudem eine gute Anlaufstelle um persönliche Fragen loszuwerden. Informationen über Studieninhalte und Zugangsvoraussetzungen sind besonders gefragt. Nicht nur Dozenten geben über ihre Bildungseinrichtung Auskunft, sondern auch Studenten berichten gerne von ihren eigenen Erfahrungen und Eindrücken.

Aber auch die 50 internationalen Einrichtungen und Veranstalter von Auslandsaufenthalten stehen Rede und Antwort und geben jede Menge praktische Tipps. Reiselustige finden hier Informationen zu Auslandssemestern, Work & Travel Programmen und Sprachreisen. Mit verschiedenen Katalogen und Broschüren und einem weiteren Werbegeschenk geht's nach einer kurzen Beratung weiter zum nächsten Stand.

Darüber hinaus sind über 40 große Unternehmen auf der Messe vertreten, die über ihre Ausbildungsprogramme und Karrieremöglichkeiten informieren. Interessierte Schüler können hier alles über die aktuellen Zugangsvoraussetzungen, Ausbildungsinhalte und Berufsperspektiven erfahren, aber auch persönliche Fragen stellen

Viele Messebesucher wenden sich mit ganz konkreten Fragen an Andreas Jurgenowski vom Berukskolleg für Medienberufe. Er vermutet, dass immerhin zehn Prozent der Schüler bereits ganz gezielte Berufsvorstellungen haben. Etwa die Hälfte, so seine Einschätzung, habe eine grobe Idee, was sie später einmal machen wollen und sammeln erst einmal allgemeine Informationen. Diejenigen, die schon genaue Berufsvorstellungen haben, können vor Ort die ersten Kontakte knüpfen. Ausbilder und Auszubildende der AOK zum Beispiel informieren über die Inhalte der verschiedenen Berufsbilder sowie die Karrierechancen im Anschluss an die Lehre. Ralf Jansen, Personalentwickler der AOK, betont jedoch "Viele Schüler haben falsche Vorstellungen von den Bewerbungszeiträumen. Unsere Auszubildenden für diesen Sommer stehen schon lange fest. Wer 2005 seine Ausbildung bei uns beginnen möchte, muss sich bis spätestens Ende April bewerben." Doch auch Schüler, die bei einem kurzen Gespräch am Messestand einen guten Eindruck hinterlassen, müssen den ganz normalen Bewerbungsprozess durchlaufen: Bewerbung - Assessment Center - Vorstellungsgespräch.

Dass der Besuch der Messe dennoch große Vorteile für die Bewerbung haben kann, macht Christine Hartwig von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte deutlich. "Schüler haben hier die Möglichkeit, diejenigen, die ihre Bewerbungen später bewerten werden, kennen zu lernen. Wir geben gerne Tipps und sagen, worauf es uns bei einer Bewerbung besonders ankommt." Zudem zeigt der Betreffende Interesse an dem Unternehmen, wenn sein Anschreiben mit "In Bezugnahme auf unser Gespräch auf der Einstieg Abi Messe am ...." beginnt. Auch wenn Bosch und Siemens zu einer frühzeitigen Bewerbung raten, sind derzeit die Hälfte der 16 Ausbildungsplätze sowie der acht Stellen für eine duale Ausbildung noch nicht besetzt. Christine Hartwig möchte aber nicht nur Informationen vermitteln. "Ich denke, dass es sehr wichtig ist, die jungen Leute zu ermutigen und zu motivieren, schließlich wagen sie bald den Schritt in die Arbeitswelt."

Wie auch andere Vertreter aus der Versicherungsbranche, hat sich auch Sonja Könemann den Kampf gegen Vorurteile zur Aufgabe gemacht. Die Personalchefin der dkv ist überrascht. "Viele haben völlig falsche Vorstellungen von den versicherungskaufmännischen Tätigkeit. Sie glauben, dass sie beamtenartig sei und sowieso nur reine Verwaltungsarbeit." Doch dass das falsch ist, zeigt die Möglichkeiten, die man nach einer abgeschlossenen Ausbildung hat. Viele Versicherungskaufmänner und -frauen arbeiten in Internetabteilungen, im IT- Bereich, im Gesundheitsmanagement oder schaffen sogar den Aufstieg zum Abteilungsleiter. Auch bei der dkv sind noch 10 von insgesamt 50 Ausbildungsstellen im Raum Köln offen. "Bewerbungen bekommen wir genug, doch die Qualität und Qualifikation der Bewerber lässt häufig zu wünschen übrig.", so Könemann. Bei der dkv wird von Bewerbern ein Abiturdurchschnitt von mindestens drei, gute Kommunikationsfähigkeiten, ein sicheres Auftreten und Interesse am Umgang mit Patienten sowie dem speziellen Bereich Krankenversicherungen vorrausgesetzt. Wie an vielen anderen Messeständen auch, können Oberstufenschüler ihre Bewerbungsunterlagen hier gleich abzugeben und in einem kurzen Gespräch einen ersten Eindruck hinterlassen

Weitere Einstieg-Abi-Messen gibt es am 25. und 26. Juni 2004 in Karlsruhe und am 10. und 11. September in Berlin. Auch dort werden sich verschiedene Hochschulen, Weiterbildungsinstitutionen und Ausbilder präsentieren. Vorträge, Präsentationen und Diskussionsrunden zu verschiedenen Themen sollen bei der Orientierung helfen. Unter www.einstieg.com gibt es weitere Informationen zu den Messen.

Anke Dörpinghaus
Dieser Artikel ist erschienen am 31.03.2004