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Aus Sand gebaut

Martin Sturm
Der Vorsprung beträgt 100 Millimeter: Als eines der ersten Unternehmen weltweit produziert Infineon in Dresden Chips auf 300 Millimeter breiten Siliziumscheiben – das ist die Technologie der Zukunft. Wer in der Halbleiterfabrik arbeitet, muss bereit sein, ganz im Team aufzugehen.
Infineon Technologies AG
St.-Martin-Straße 53
81669 München
Telefon: 089/234-00
Fax: -84 01
Internet: www.infineon.com

Geschäftsfelder: Halbleiter, Speicherbau-Elemente, Systemlösungen für Automobil- und Industrie-Elektronik, Chipkarten, drahtgebundene und mobile Kommunikation

Die besten Jobs von allen


Standorte: München (Zentrale), Dresden, Düsseldorf, Regensburg, Porto (Portugal), Villach (Österreich), San Jose, Richmond, East Fiskill (alle USA), Singapur, Taiwan, Malacca (Malaysia), Tokio (Japan), Tel Aviv (Israel)

Umsatz: 7,28 Mrd. DM (Geschäftsjahr 1999/2000, weltweit)

Gewinn:
1,67 Mrd. DM (EBIT, Geschäftsjahr 1999/2000, weltweit)

Mitarbeiterzahl: 29.000 (weltweit)

Ansprechpartner für Bewerber: Kein persönlicher erster Kontakt möglich, nur über E-Mail: Mch.jobs@infineon.com, career@infineon.com.
Offene Stellen unter www.infineon.com/careers/

Bedarf an Hochschulabsolventen: rund 600

Bedarf an Young Professionals: rund 1.200 (jeweils Planzahlen von Oktober 2000 bis September 2001)

Gesuchte Studienrichtungen: Elektrotechnik, Mikroelektronik, Mikrosystemtechnik, Nachrichtentechnik, Halbleiterphysik, Wirtschaftsingenieurwesen, Informatik, Wirtschaftsinformatik

Auswahlverfahren: Bewerbungsgespräche, Bewerbertage

Qualifikationen erfolgreicher Bewerber: Studienrichtung und -schwerpunkte, Praxiserfahrungen, überdurchschnittliche Leistungen, Mobilität, Kreativität, Teamfähigkeit

Art der Einstiegsmöglichkeit: Direkteinstieg oder Traineeprogramm für High Potentials, www.meet-infineon.de

Einstiegsgehalt: 84.000 bis 115.000 DM; verbilligte Aktien für alle Mitarbeiter

Leistungsabhängige Vergütung: bis zu 19 Prozent Leistungszulage (ab dem 3. Monat nach Einstellung), Aktienoptionsplan für Führungskräfte und Mitarbeiter in Schlüsselfunktionen.

Unterstützung bei Doktorarbeit: möglich

Praktikum: möglich; außerdem Förderkreisprogramm für Top-Studenten ab Vordiplom, www.meet-infineon.de/members

Diplomarbeit: möglich, www.meet-infineon.de/programs
Chips sind kaum größer als ein Fingernagel und vor allem aus Silizium gemacht – Sand in seiner reinsten Form. Ein Produkt, das bescheiden daherkommt. Doch ist der Aufwand, es herzustellen, gewaltig: In den drei Dresdner Fabriken von Infineon Technologies AG, des größten deutschen Chip-Produzenten, hat jedes Fertigungsmodul etwa die Grundfläche eines Fußballfelds.

Milliarden für einen Winzling
Allein in die dritte Anlage, deren Bau im April dieses Jahres abgeschlossen wurde und die kurz vor Beginn der Produktion steht, investierte das Unternehmen mehr als zwei Milliarden Mark. Als ?Rohstoff für das Informationszeitalter“ hat der Infineon-Vorstandsvorsitzende Ulrich Schumacher seine Produkte einmal bezeichnet. Entscheidend für gute Chips seien nicht so sehr Maschinen, sondern vor allem die Ideen von Ingenieuren und Entwicklern, sagt Schumacher. ?In wichtigen Gebieten hängt unser Erfolg von dem Know-how einer oft kleinen Zahl qualifizierter Mitarbeiter ab.“

Mehr als 3.000 Menschen sind bei Infineon in Dresden beschäftigt. Weltweit zählt das Unternehmen, das aus der Siemens-Halbleitersparte hervorgegangen ist und in München seinen Hauptsitz hat, rund 33.000 Mitarbeiter

Nirgendwo ist die Luft sauberer als im Herzen einer Chip-Fabrik: dem ?Reinraum“. Auf einen Kubikmeter Luft kommen höchstens zehn Staubteilchen vom Durchmesser eines Zehntausendstel Millimeters. Mehr Schmutz würde die Qualität der Chips gefährden. Denn im Laufe der bis zu sechs Wochen dauernden Produktion werden Millionen kleinster Schaltungen in mehreren Schichten aufgebaut. 100 Leiterbahnen nebeneinander gelegt wären immer noch dünner als eine menschliche Wimper.

Wer hat die größten Scheiben?
Auf einer einzigen Siliziumscheibe, dem so genannten Wafer, können heute Hunderte Halbleiter gleichzeitig produziert werden. Je größer die Scheibe, desto höher die Ausbeute - so könnte man auch das Wettrennen in der Branche um den größten Waferdurchmesser beschreiben. Seit den 70er-Jahren wuchs dieser Wert durch technologischen Fortschritt von 100 Millimetern über 125 und 150 auf den heute üblichen Standard von 200 Millimetern

Infineon ist einen Schritt weiter: Seit Februar 1999 liefert eine Pilotanlage in Dresden Halbleiter auf 300 Millimeter breiten Wafern. Die neue Infineon-Fabrik, die derzeit noch mit High-Tech-Maschinen bestückt wird, soll im Laufe dieses Jahres erstmals die Herstellung größerer Stückzahlen im 300-Millimeter-Standard aufnehmen – und Ende 2002 ihre maximale Kapazität erreichen. Nach den Plänen des Unternehmens entstehen in der Anlage weitere 1.100 neue Arbeitsplätze.

Vom größeren Wafer-Durchmesser verspricht sich Infineon einen gewichtigen Kostenvorteil. Denn auf der vergrößerten Oberfläche lassen sich zweieinhalbmal so viele Chips als auf den 200-Millimeter-Scheiben unterbringen. Dadurch seien die Produktion effektiver, die Herstellungskosten um 30 Prozent niedriger, rechnet das Unternehmen vor.

Kopf an Kopf mit Taiwan
Weltweit gibt es nach Angaben des internationalen Verbands der Chip-Ausrüstungsindustrie SEMI nur zwei Unternehmen, die Halbleiter auf 300-Millimeter-Wafern produzieren: Neben Infineon – mit einem Weltmarktanteil von rund drei Prozent zehntgrößter Chiphersteller – benutze das taiwanesische Unternehmen Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) die Technologie der Zukunft.

Zwar seien insgesamt 25 Fabriken mit der neuen Technik im Bau. Doch bis zur Fertigstellung muss sich die Konkurrenz mit dem 200-Millimeter-Standard begnügen

Die Chips von Infineon arbeiten unter anderem in Computern und Internet-Servern, Autos und Industrie-Anlagen, Mobiltelefonen und Chipkarten. Das wichtigste Standbein sind jedoch Speicherchips. Sie trugen im Geschäftsjahr 1999/2000 rund die Hälfte zum Umsatz und etwa 80 Prozent zum Ergebnis vor Zinsen und Steuern bei.

Doch zurzeit bringen Speicherchips Verluste, weil der Weltmarktpreis unter die Herstellungskosten gesunken ist. Vor allem wegen dieses Preisverfalls sowie der geringeren Nachfrage aus dem Mobilfunk schmolz der Infineon-Gewinn: von 880 Millionen Mark im letzten Vierteljahr 2000 auf rund 20 Millionen Mark im ersten Quartal dieses Jahres.

Mehr Chancen als Risiken
Starke Preisschwankungen sind typisch in der Chip-Branche, und auch die Aktienkurse fahren gelegentlich Achterbahn. ?Einsteiger sollten davon aber nicht automatisch auf unsichere Arbeitsplätze schließen“, sagt Michael Bahlmann, 36. Der Aktienanalyst des Hamburger Bankhauses M. M. Warburg & Co. rechnet für 2001 mit einem ?ganz fürchterlichen Jahr“ für Speicherchips. Dennoch empfiehlt er Infineon als ?attraktiven Arbeitgeber“. Das Unternehmen investiere in Forschung und Entwicklung neuer und weniger schwankungsanfälliger Produkte.

Außerdem werde das Wachstum der Branche – wie fast immer seit 20 Jahren – auch künftig meistens über dem Durchschnitt der gesamten Wirtschaft liegen. Und schließlich sei der Infineon-Konzern stark genug, den Preiskampf zu bestehen und seinen Weg zu gehen. ?Chancen überwiegen – die Risiken sind begrenzt“, meint Bahlmann.

Kein Platz für Einzelkämpfer
Viele der angekündigten 1.800 neuen Planstellen für junge Akademiker hat das Unternehmen schon besetzt – einige andere fielen einem Sparprogramm, das den Gewinneinbruch abfedern soll, zum Opfer. Trotzdem sucht Infineon weiter Mitarbeiter.

Hoffnungen auf einen Job beim Chip-Hersteller können sich nicht nur Informatiker, sondern insbesondere Ingenieure und Naturwissenschaftler machen. Sie müssen bereit sein, sich stark zu spezialisieren und in Teams zu arbeiten, die mit anderen Projekt- und Arbeitsgruppen eng vernetzt sind. Einzelkämpfer oder Selbstdarsteller würden die straff organisierten Arbeitsabläufe in einer Chip-Fabrik stören – so wie zu viel Staub die Luft im Reinraum.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.06.2001