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Aus Liebe zum Steak

Von Gregory Lipinski
Block-House-Gründer Eugen Block will die Steakhaus-Kette an seinen Sohn übergeben. Doch richtig loslassen kann er noch nicht.
HAMBURG. Fast jeden Tag besucht er die Baustelle im noblen Hamburger Elbvorort Othmarschen. Immer wieder drängt der junge Mann mit den blonden, gegelten Haaren die Arbeiter zur Eile, um den Umsatzausfall des Restaurants so gering wie möglich zu halten. Sie hellen den Wandputz auf, verschönern den Eingang ? und errichten einen meterhohen Tresen. ?Das Restaurant wirkt jetzt ruhiger und gemütlicher?, sagt Dirk Block, der 31-jährige Chef der Block House Restaurantbetriebe AG, stolz.Sein Vater Eugen ahnt nichts von der Renovierung einer der größten Filialen der von ihm gegründeten Steakhaus-Gruppe. ?Ich hätte den Tresen nicht gebaut. Das war ein Fehler?, mahnt der 64-jährige Inhaber des Familienbetriebs, als er vom Umbau erfährt. Doch sein Sohn bleibt hart: ?Der bleibt so stehen.?

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An das Machtwort des Juniors muss sich Eugen Block seit einiger Zeit gewöhnen. Denn der ist seit zwei Jahren Direktor für die bundesweite Kette von 32 ?Block House?-Ablegern und den Franchisebetrieben in Thessaloniki, Peking, Malaga und Mallorca. Die Steakhaus-Kette ist der Kern der mittelständischen Unternehmensgruppe der Familie Block, zu der auch das Hamburger Nobelhotel ?Elysee? gehört.1968 eröffnete der gelernte Hotel- und Gastronomiefachmann Eugen Block im Hamburger Stadtteil Winterhude sein erstes Restaurant. Das Konzept ist und war einfach: Er verkauft argentinische Steaks zu erschwinglichen Preisen. Die Idee geht auf, die Firma expandiert von Jahr zu Jahr.Im vergangenen Jahr setzte die Gruppe mit mehr als 1 360 Mitarbeitern 157 Millionen Euro um ? knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr.Damit ist Block House in der Branche ein sehr seltener Fall: Die Gastronomie durchlebt seit Jahren schwere Zeiten. So kämpfen die Unternehmen mit rückläufigen Umsätzen, lediglich die Systemgastronomie wie die Fastfood-Ketten McDonald?s oder Burger King expandieren.?Es ist eine Ausnahme, das in Deutschland Full-Service-Anbieter wie Block House Zuwächse verzeichnen können?, lobt eine Sprecherin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Berlin. Viele Bundesbürger würden angesichts knapper Haushaltskassen auf ein Essen im Restaurant verzichten, um eher preiswert bei einer der Fast-Food-Ketten zu essen.Und obwohl man sich nicht auf jeden Tresen einigen kann: Der agile Firmengründer mit dem leicht ergrauten, dünnen Haar hat mit seinem Junior noch viel vor. Bereits in drei bis fünf Jahren soll sein Sohn in den Vorstand rücken und später die Führung der gesamten Familienholding übernehmen. ? Ich traue ihm zu, dass er mein Nachfolger wird?, sagt der Vater. Wann er den Stab übergeben will, lässt er aber offen ? sehr zum Leidwesen seines Sohn.Dem nämlich geht der Wechsel zu langsam. Er hofft seit längerem, dass ihn der Senior demnächst an der Firma beteiligt. Doch dies lässt der Vater nicht zu. Er will vorerst weiterhin die Zügel in der Hand halten, obwohl er sich bereits vor einigen Jahren aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und in den Aufsichtsrat der Familienholding gerückt ist.Gretel Weiß, Chefredakteurin der Fachzeitschrift ?Food-Service?, rechnet damit, dass der Junior das Lebenswerk seines Vaters erfolgreich fortsetzt, sollte es zu einem Stabwechsel kommen: ?Dirk Block ist eine sympathische Persönlichkeit. Er wird seinen Weg im Unternehmen schon machen.? Auch für die Firma selbst findet sie lobende Worte: ?Das Unternehmen verfügt über eine sehr starke Marke, dass die Gäste anzieht.?Dass in der deutschen Gastronomiebranche der Sohn in die Fußstapfen seines Vaters tritt, ist selten. ?Es gelingt nur wenigen Vätern wie Eugen Block, ihre Kinder für die Gastronomie zu begeistern?, sagt eine Sprecherin des Dehoga. Viele Kinder aus der Gastronomie gingen in andere Branchen, die weniger zeitintensiv seien. Denn in Hotels und Restaurant sei ein Vierzehnstundentag die Regel.Dirk Block hat sich bereits früh für eine Karriere im Familienunternehmen entscheiden: Er lernt das Geschäft von der Pike an. Nach dem Abitur beginnt er eine Ausbildung zum Hotelfachmann im ?Vier Jahreszeiten? in München, geht anschließend nach New York ins ?Intercontinental?. Dort ist er für die Bereiche Essen und Trinken verantwortlich. Wirtschaftliches Rüstzeug holt er sich dann an der Universität in Edinburgh, dort macht er seinen MBA-Abschluss. Auf seine Lehrjahre ist der kosmopolitisch wirkende Junior stolz, gern prahlt er damit bei Besuchern. So hängen Fotos seiner Ausbildungsstationen wie eine Perlenkette aufgereiht an den mintfarben gestrichenen Wänden seines eher spartanisch eingerichteten Büros.Sollte Dirk Block das Zepter übernehmen, dürfte in dem Familienbetrieb allerdings ein neuer Führungsstil einziehen. ?Mein Sohn ist mehr der Firmenlenker, der Sachen initiiert und dann an die Bereichsleiter delegiert. Ich hingegen bin eher der Gründertyp, der lieber alle Sachen selbst in die Hand nimmt?, urteilt Eugen Block.Das ist ihm anzumerken: Der Vater ist detailversessen und gilt als pingelig. In der Hamburger Konzernzentrale hat er sich vor einigen Jahren eine eigene kleine Werkstatt und Designabteilung eingerichtet. Dort tüftelt er täglich mehrere Stunden ? mal an neuen Tischplatten für die Restaurants, mal am Design für Stühle.Trotz der unterschiedlichen Managementstile kracht es zwischen den beiden Generationen anscheinend wenig. ?Es gibt zwischen uns selten Streit?, sagen beide.Auch bei der derzeitigen Branchenkrise will Dirk Block das Wachstum der Kette weiter vorantreiben. Er plant vor allem, mit Franchisenehmern deutlich zu expandieren. Langfristig hat er 100 Steakhäuser im Visier. Zudem soll die Hamburgerkette ?Jim Block? bundesweit ausgebaut werden.Doch der Senior dämpft die hochfliegenden Expansionspläne seines Filius. Denn Eugen Block hat selbst ehrgeizige Pläne. Er erweitert und renoviert derzeit für mehr als 100 Millionen Euro das von ihm 1985 eröffnete Luxushotel ?Elysee?, das in feinster Lage nahe der Hamburger Alster liegt.Fast täglich verbringt der Firmengründer mehrere Stunden in dem Hotel, um die Bauarbeiten zu begleiten. Jedes Detail ist von ihm genau geplant ? von den Bädern bis zum Ballsaal. Selbst neue Matratzen für die Gäste testet er selbst.Sein Sohn Dirk beobachtet die Schönheitskur des Hotels mit Argusaugen: ?Ich hätte hier im ,Elysee? einiges anders gestaltet?, sagt der Sohn ganz offen. Doch im Hotel lässt sich Eugen Block nun gar nicht reinreden ? und spricht mit markiger Stimme ein Machtwort. ?Das hier ist mein Lebenstraum.?Eurgen und Dirk BlockEugen Block1940 wird er am 13. September im oldenburgischen Kargebrügge geboren. Er macht eine Ausbildung zum Hotel-und Gaststättenkaufmann an der Heidelberger Hotelfachschule.1968 eröffnet er im September in Hamburg-Winterhude das erste ?Block House?. Damit legt er den Grundstein für sein späteres Steakhaus-Imperium.1985 eröffnet er das Luxushotel Elysee in Hamburg.Dirk Block1975 wird er am 27. Januar in Hamburg geboren. Seine berufliche Karriere startet er als Hotelfachmann im ?Kempinski Hotel Vier Jahreszeiten? in München.1999 geht er zunächst zur Cornell University und macht dann an der Business School der Uni Edinburgh seinen MBA.2002 steigt er in den Familienbetrieb als Betriebsleiter der Block House Restaurantbetriebe ein.2004 wird er Direktor der Block House Restaurantbetriebe.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.02.2006