Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Aus für deutsche Handywerke

Weniger als ein Jahr nach dem Verkauf an die taiwanische BenQ ist die ehemalige Handysparte von Siemens finanziell am Ende. Der börsennotierte Mutterkonzern BenQ in Taipeh stoppte am Donnerstag völlig überraschend sämtliche Zahlungen an die verlustreiche deutsche Tochter. Die Münchener BenQ Mobile GmbH werde deshalb am Freitag oder am Montag Insolvenzantrag beim Amtsgericht München stellen, sagte ein Sprecher. Betroffen sind etwa 3 000 Arbeitsplätze in der Zentrale in München und in den Werken Kamp-Lintfort und Bocholt.

Für das deutsche Management kam der Schritt überraschend, er war ohne Beteiligung deutscher Manager auf einer Sitzung des BenQ-Verwaltungsrats am frühen Donnerstagmorgen in Taipeh entschieden worden. "Seit Oktober 2005 haben wir eine übermäßige Menge an Kapital und Ressourcen in unsere deutsche Mobiltelefontochter gesteckt", begründete Konzernchef K. Y. Lee den Schritt. Er sprach von einer "schmerzlichen, aber unvermeidlichen Entscheidung". Insgesamt hat BenQ bei der deutschen Tochter einen Verlust von 840 Mill. Euro verbucht

Die besten Jobs von allen


Die Lage von BenQ Mobile hatte sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Kontinuierlich war der Handyabsatz in den vergangenen Monaten zurückgegangen, er sank im zweiten Quartal 2006 im Jahresvergleich um 1,6 Punkte auf nur noch 3,2 Prozent weltweit. Im August hatte die Konzernleitung den Sanierer David Wang nach München geschickt. Doch selbst sein drastischer Sparkurs änderte nichts. Letzter Auslöser für den Schnitt scheint das wider Erwarten schlechte Weihnachtsgeschäft gewesen zu sein. Es lag nach Angaben des Unternehmens "deutlich" unter den Erwartungen.

Die Zukunft von BenQ Mobile ist nun ungewiss, dem Unternehmen fehlten die flüssigen Mittel, hieß es. Das laufende Geschäft soll aber aufrechterhalten werden. Vorerst könne BenQ Mobile auch die Gehälter seiner Mitarbeiter noch bezahlen. Ein Ergänzungstarifvertrag gibt den BenQ-Beschäftigten in Kamp-Lintfort eine Beschäftigungsgarantie bis Jahresende. Dafür hatten sie auf etwa ein Viertel ihres Gehalts verzichtet.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.09.2006