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Aus für Bachelor und Master

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Für Juristen soll es künftig keine Bachelor- und Masterabschlüsse geben. Darauf haben sich die Koalitionspartner Union und SPD in ihren Verhandlungen geeinigt. Im Entwurf des Koalitionsvertrages heißt es, das Jurastudium müsse zwar ?den sich ändernden Anforderungen an die juristischen Berufe gerecht werden?.
Für Juristen soll es künftig keine Bachelor- und Masterabschlüsse geben. Darauf haben sich die Koalitionspartner Union und SPD in ihren Verhandlungen geeinigt. Im Entwurf des Koalitionsvertrages heißt es, das Jurastudium müsse zwar ?den sich ändernden Anforderungen an die juristischen Berufe gerecht werden?. Einen ?Bedarf für neue Abschlüsse? sehen die Koalitionspartner laut diesem Papier jedoch nicht.Schwarz-Rot lehne ?deshalb die Übertragung des Bologna-Prozesses auf die Juristenausbildung ab?. 1999 hatten die EU-Bildungsminister in Bologna verabredet, die traditionellen Abschlüsse Staatsexamen, Magister oder Diplom durch die internationalen Abschlüsse Bachelor und Master zu ersetzen. Das Jurastudium schert jetzt als erstes Fach aus dieser Vereinbarung aus. Angehende Juristen werden auch künftig das erste und zweite Staatsexamen ablegen müssen, um einen vollwertigen Abschluss in der Tasche zu haben.

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Das Votum aus Berlin ist Wasser auf die Mühlen der juristischen Berufsverbände. Bislang hat sich die Zunft heftig gegen den Bachelor als ?Schmalspur-Ausbildung? gewehrt: Drei Semester Studium qualifizierten nicht zum Beruf des Anwalts oder Richters. Zum gleichen Ergebnis kommt ein Urteil des Hamburger Verwaltungsgerichtes: Ein Absolvent mit Jura-Bachelor hat bis zum Staatsexamen weiter Anspruch auf Bafög, denn der Titel sei nicht berufsbefähigend. Claus Dieter Classen, Jura-Professor der Uni Greifswald, findet die Entscheidungen ?bedauerlich?. Die Unis Greifswald und Osnabrück sowie die Hamburger Bucerius Law School zählen zu den Pionieren, die parallel zum juristischen Staatsexamen den Bachelor vergeben. ?Politik wie Justiz tun sich schwer mit der Vorstellung, dass es für Juristen Tätigkeiten außerhalb der klassischen juristischen Berufe gibt?, kritisiert Classen. Dass der Jura-Bachelor kein berufsqualifizierender Abschluss sei, sei vor diesem Hintergrund schlicht ?falsch?: ?Warum sollte etwa ein Bachelor in Philosophie besser auf einen Einstieg in die Wirtschaft vorbereiten als einer in Jura??
Dieser Artikel ist erschienen am 22.11.2005