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Aufsichtsratschef von Zapf tritt zurück

Der Aufsichtsratschef von Zapf Creation, Martin Gruschka, ist infolge des Konfliktes über die Übernahme des angeschlagenen Puppenherstellers zurückgetreten. Über die Gründe kann bislang nur spekuliert werden.
HB MÜNCHEN. Martin Gruschka, der dem Kontrollgremium seit gut einem Jahr vorstand, habe seinen Rückzug am Montag bekannt gegeben, teilte das Unternehmen mit Sitz im fränkischen Rödental mit, ohne einen Grund zu nennen. Gruschka hatte sich für die Übernahme des Puppenherstellers durch die japanische Bandai eingesetzt, war mit diesen Plänen aber im Aufsichtsrat gescheitert.Derzeit buhlen der Spielehersteller Bandai und der US-Puppenhersteller MGA um die Kontrolle bei den Franken. Bandai, der Hersteller von ?Power-Rangers?-Spielpuppen und des elektronischen Haustiers Tamagotchi, hatte Mitte Juni ein Übernahmeangebot für 10,50 Euro je Aktie vorgelegt. MGA konterte mit dem Erwerb von mehr als 18 Prozent der Zapf-Anteile und dem Angebot einer Vertriebskooperation. Nach der Freigabe durch das Bundeskartellamt in der vergangenen Woche kündigte MGA an, seinen Zapf-Anteil weiter aufstocken zu wollen.

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Der Aufsichtsrat hatte - in der Hoffnung, einen höheren Preis herauszuholen - gegen die Absichten von Vorstand und AR-Chef Gruschka das Bandai-Angebot abgewiesen.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Suche nach einem Nachfolger Die im SDax notierten Zapf-Papiere lagen am Montag bei 10,90 Euro, 1,2 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag. Bandai hatte jedoch erklärte, sein Angebot nicht erhöhen zu wollen. Am Wochenende wurde bekannt, dass die britische Beteiligungsgesellschaft Trafalgar Asset Management 5,63 Prozent der Zapf-Aktien hält.Ein Nachfolger für Gruschka stehe noch nicht fest, sagte ein Sprecher von Zapf. Satzungsgemäß bliebe der AR-Chef nach der Ankündigung noch vier Wochen Chef des Gremiums. Sollte bis dahin kein Nachfolger gefunden sein, würde der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Gustavo Perez Chef des Kontrollgremiums.MGA ist in Amerika mit seinen ?Bratz-Puppen? sehr erfolgreich. Zapf macht Puppen, die gebadet werden oder weinen können. Aufgrund von Absatzschwierigkeiten in den USA und in Deutschland war Zapf in die Krise gerutscht und musste mehrfach seine Geschäftsprognosen zurücknehmen. Im Zuge der Restrukturierung baute der Hersteller von ?Baby Born? oder ?Chou Chou? massiv Personal ab. Zusätzlich belastete eine Sonderprüfung wegen Unstimmigkeiten in den Bilanzen das Unternehmen.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.07.2006