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Aufbruch nach Gütersloh

Von Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt
RTL-Finanzvorstand Thomas Rabe soll Siegfried Luther bei Bertelsmann ablösen.
DÜSSELDORF. Luxemburg ist ein kleines Paradies. Das Großherzogtum besitzt sowohl steuerliche als auch kulinarische Vorteile. Beides weiß Thomas Rabe zu schätzen. Der schlanke Finanzvorstand von Europas größtem Fernseh- und Radiokonzern, RTL Group, kennt die guten Feinschmecker-Adressen bestens. Am liebsten isst er mediterran im ?Lagura? am Rande der Altstadt.Doch schon Ende des Jahres muss der Deutsche auf die Vorzüge des Ministaates verzichten. Denn Rabe soll Finanzvorstand beim Medienkonzern Bertelsmann im ostwestfälischen Gütersloh werden. Der 39-Jährige soll die Nachfolge von Siegfried Luther antreten. Das gilt in Kreisen des Medienkonzerns als sicher. Noch ist nichts offiziell. Erst im Juli solle der Aufsichtsrat grünes Licht geben, heißt es in der Bertelsmann-Zentrale.

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Konzernchef Gunter Thielen hat Rabe als Finanzchef der börsennotierten Bertelsmann-Beteiligung RTL Group schätzen gelernt. Sollte der in Gütersloh wenig geliebte Gesellschafter Albert Frère tatsächlich einen Börsengang von Bertelsmann verlangen, hätten die Gütersloher mit Rabe einen Finanzvorstand, der mit dem komplizierten Räderwerk eines börsennotierten Mediengiganten gut umgehen kann.Ähnlich wie Luther, einst einer der engsten Vertrauten des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, ist Rabe ein stiller Zahlenmensch. Und genauso wie Luther gelingt es Rabe, schnell Vertrauen aufzubauen. In der Belegschaft kommt er gut an. ?Er ist unser bester Mann. Er hat am Standort Luxemburg für ein erheblich besseres Betriebsklima gesorgt?, sagt ein RTL-Mitarbeiter, der Rabe seit Jahren kennt.Als Gerhard Zeiler im März vergangenen Jahres zum Vorstandschef der RTL Group aufstieg, war Rabe wenig erfreut. Denn der Finanzvorstand wäre am liebsten selbst Chef der Holding geworden. Doch ihm fehlte der entsprechende Rückhalt in der Gütersloher Konzernzentrale. Das hat Rabe begriffen. Mittlerweile ist er in Gütersloh ein vertrautes Gesicht. ?Sein Rückhalt ist riesengroß?, sagt ein Insider. Auch Bertelsmann-Matriarchin Liz Mohn schätzt den Finanzvorstand mit den feinen Manieren. Thomas Rabe ante portas.Der promovierte Diplom-Kaufmann, der seine Wochenenden am liebsten in seiner Berliner Zweitwohnung unweit des pittoresken Gendarmenmarktes verbringt, hat in den vergangenen vier Jahren hart gearbeitet. Im Auftrag Zeilers kümmerte er sich um den Verkauf von Europas größtem Sportrechtevermarkter Sportfive an den Finanzinvestor Advent International. Innerhalb weniger Monate hat Rabe, der Französisch und Englisch fließend spricht, sich auch Spanisch angeeignet, um im Aufsichtsrat des Madrider Fernseh- und Radiokonzerns Antena 3 mitreden zu können. Damit macht der polyglotte Manager beim Gesellschafter in der ostwestfälischen Provinz Eindruck.Bei Albert Frère hingegen hält sich die Freude über den schnellen Aufstieg Rabes vermutlich in Grenzen. Denn es war Rabe, der am RTL-Chefsessel des Frère-Vertrauten Didier Bellens sägte. Der Belgier Bellens hatte zuletzt in Gütersloh keine Fürsprecher mehr und nahm im Februar 2004 die Möglichkeit wahr, an die Spitze des belgischen Telekomkonzerns Belgacom zu wechseln. Ursprünglich wäre Bellens am liebsten selbst Finanzvorstand bei Bertelsmann geworden.Aber nun ist sein Gegenspieler Rabe an der Reihe. Der hat übrigens gleich Bellens? luxuriöse RTL- Dienstwohnung in der Luxemburger Altstadt übernommen. Der Umzug nach Gütersloh wird Rabe nicht leicht fallen. Seine Koffer wird er voraussichtlich Ende des Jahres packen. Dann tritt Siegfried Luther ab. Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen hingegen wechselt erst im August 2007 auf den Chefsessel der Bertelsmann-Stiftung.Seine Nachfolge ist offiziell noch kein Thema. Tatsächlich laufen sich bereits Kandidaten wie Hartmut Ostrowski, Chef des Mediendienstleisters Arvato, warm. Insider sehen aber schon Gerhard Zeiler als künftigen Bertelsmann-Chef und Rabe als dessen Vorhut. Obwohl Vertraute des Fernsehmanagers nicht müde werden zu betonen, dass Zeiler derzeit nichts nach Gütersloh zieht, wächst dort die Zahl seiner Anhänger.Wenn Rabe Anfang kommenden Jahres sein Gütersloher Büro in der Carl-Bertelsmann-Straße bezieht, wartet vor allem eine große Aufgabe auf ihn. Er muss alle Vorbereitungen für den schon mehrmals angedachten Börsengang des Konzerns mit einem Umsatz von knapp 17 Milliarden Euro treffen. Denn Frères Groupe Bruxelles Lambert (GBL), der 25,1 Prozent an Bertelsmann gehören, kann 2006 den Gang aufs Parkett verlangen.Doch das macht Rabe nicht Bange. Unter Selbstzweifel leidet der 39-Jährige traditionell nicht. Als Fan des FC Bayern München ist er es gewohnt, zu den Siegern zu gehören.
Dieser Artikel ist erschienen am 21.01.2005