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Aufbrausende Frauen

Von Ingo Reich und Torsten Riecke
Die neue Pepsico-Chefin Indra Nooyi und Mary Minnick von Coca-Cola kämpfen um die Macht im Erfrischungsgetränkemarkt. Als Jugendliche ist sie ziemlich wild. Sie spielt Kricket und macht Rockmusik in einer Mädchenband. Noch heute trällert die temperamentvolle Hobbysängerin in ihrem Büro gerne mal den ein oder anderen Popsong. Mit so viel Power schafft man es auch bis ganz oben. Die gebürtige Inderin Indra K. Nooyi ist die erste Vorstandschefin des US-Getränkeherstellers Pepsico.
DÜSSELDORF/NEW YORK. Sie tritt als Chief Executive Officer (CEO) an gegen die zweite mächtige Frau im Weltmarkt für braune Brause: Mary Minnick. Die Amerikanerin ist seit gut einem Jahr Marketingvorstand des Erzrivalen Coca-Cola und hat sich bereits für den Job an der Konzernspitze empfohlen. Während Minnick mächtig wirbeln muss, um den Verfall des Markenwertes von Coca-Cola zu stoppen, muss die Inderin darum kämpfen, den Abstand von Pepsi-Cola zur Nummer eins im Markt für Erfrischungsgetränke weiter zu verringern.Bei Indra Nooyis Aufstieg ist allenfalls der Zeitpunkt überraschend, weil ihr Vorgänger Reinemund ein hohes Ansehen im Unternehmen und in der Branche genoss. Aber sie gehörte schon lange zu den Spitzenmanagerinnen. Das ?Wall Street Journal? führte die 50-Jährige seit Jahren in der Rubrik ?Women to watch ? Frauen, mit denen man rechnen muss?. Zuletzt behauptete sie dort beharrlich Rang drei.

Die besten Jobs von allen

Nooyi gilt als Architektin der Restrukturierung, die das Unternehmen bei der Marktkapitalisierung zeitweise am Konkurrenten Coca-Cola vorbeiziehen ließ. Die Absolventin der US-Eliteuniversität Yale ist bekannt für ihren rasiermesser-scharfen Verstand. Sie wird als außerordentlich zähe und widerstandsfähige Managerin beschrieben, die ihre Mitarbeiter ständig zu Höchstleistungen antreibt.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nooyis Aufstieg war dornigNooyis Aufstieg war dornigWie ihre Konkurrentin von Coca-Cola arbeitet Nooyi schon lange im Konzern. Seit 1994 war sie an allen strategischen Entscheidungen in der Pepsico-Zentrale in Purchase im US-Bundesstaat New York beteiligt. Dazu gehört die Abspaltung der Restaurantsparte Yum mit den Schnellimbissketten Kentucky Fried Chicken und Pizza Hut ebenso wie die Milliardenakquisition des US-Frühstücksflockenherstellers Quaker Oats im Jahr 2001. Dies brachte ihr neben dem Posten der Finanzchefin auch einen Sitz im Pepsico-Verwaltungsrat ein.Der sicherte sich Nooyis weitere Dienste mit so genannten ?goldenen Handschellen?: Noch vor ihrer Berufung zum CEO wurde sie mit millionenschweren Aktienoptionen überhäuft. Diese kann sie nur einlösen, wenn sie im Jahr 2009 noch für Pepsico tätig ist.Ihr Aufstieg zu einer der mächtigsten Frauen in der US-Wirtschaft war dornig: Nur mit Hilfe eines Stipendiums gelingt Nooyi der Sprung an die Yale School of Management in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut. Ein schwieriger Schritt, denn nach traditioneller indischer Auffassung gilt eine junge Frau, die im Ausland studiert, nach ihrer Rückkehr auf dem heimischen Heiratsmarkt als unvermittelbar.Nooyi bleibt in den USA, studiert und arbeitet vor ihrem Wechsel zu Pepsico bei ABB und Motorola. Das private Glück kommt auch nicht zu kurz: Nooyi hat zwei Töchter, 12 und 21 Jahre alt. Die haben offenbar die freimütige Art der Mutter geerbt. Stolz präsentiert Nooyi ihren Mädchen die aktuellste Geschmacksrichtung der Snack-Tochter Frito-Lay. Die Älteste bemerkt nur: ?Mom, wie konntest du diese Zutat genehmigen? Dies schmeckt wirklich eigenartig.?Lesen Sie weiter auf Seite 3: Neue Frauen-Power kommt offenbar anDie neue Frauen-Power im Markt für Erfrischungsgetränke kommt offenbar an: Marc Greenberg, Analyst bei der Deutschen Bank in Stamford, würde es begrüßen, wenn Nooyis Kontrahentin bei Coca-Cola, Mary Minnick, bei Coke ebenfalls auf den Chefposten rücken würde.?Das wäre großartig für den Konzern?, sagt Greenberg. Lauren Torres von der Großbank HSBC in New York rechnet zwar noch nicht damit, dass die 46-Jährige bald Neville Isdell ablöst, der eingesprungen war, als sein Vorgänger gefeuert wurde. Doch auch die Analystin hat Minnick bereits auf dem Radar. ?Man kann aber noch nicht sagen, ob Mary Minnick eine reelle Chance hat?, sagt Torres. Minnick hat sich als Marketing-Vorstand bei Coca-Cola schon mächtig ins Rampenlicht gedrängt. Im Gegensatz zu Nooyi, die auch mal zu einer herzlichen Umarmung fähig ist, gilt Minnick als schonungslos gegenüber jedermann und ist vor allem wegen ihres beißenden Spotts gefürchtet.Erste Meriten hatte sich Minnick im Jahr 2000 bei der Sanierung des Coca-Cola-Geschäftes in Japan verdient: Ihre unverblümte Art stieß bei asiatischen Managern auf derartige Ablehnung, dass sie vom damaligen Coke-Boss Douglas Daft ihre unverzügliche Ablösung forderten. Doch der antwortete lapidar: ?Diese Frau wird wahrscheinlich länger in der Firma bleiben als ihr.? Seitdem ist Minnick kaum noch zu stoppen, denn auch Dafts Nachfolger als Coke-CEO, Neville Isdell, hält große Stücke auf die schnell sprechende Blondine.Sie muss den Getränkeriesen an einem Wendepunkt seiner Geschichte neu aufstellen. Die Ikone der US-Industrie kränkelt schon seit geraumer Zeit. Coca-Cola ist zwar immer noch die wertvollste Marke der Welt, hat aber seit 1999 rund 20 Prozent an Wert verloren. Außerdem kritisieren Analysten die einseitige Ausrichtung auf kohlensäurehaltige Softdrinks, während sich Pepsico auch noch ungehemmt mit Kartoffelchips und Cerealien gestärkt hat. Nun muss sich auch ein Dinosaurier wie Coca-Cola den veränderten Marktbedingungen anpassen ? oder untergehen.Wenn es nach Minnicks Willen geht, wird Coca-Cola künftig auch Drinks herstellen, die zum Beispiel Haut- und Gewichtsprobleme lindern. In Japan führte Minnick mit ?Love Body? ein Getränk ein, von dem Japanerinnen annehmen, dass es zur Brustvergrößerung beiträgt. Die Börse liebt diese Geschichten: Anleger setzen derzeit vermehrt auf die noch günstigeren Coca-Cola-Aktien.Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die Viten der RivalinnenVita von Indra Nooyi1955 wird sie am 28. Oktober in Madras/Indien geboren. Sie macht ihren Wirtschaftsabschluss am Indian Institute of Management/Kalkutta und an der Yale School of Management. Sie arbeitet bei Motorola und ABB.1994 wechselt sie zu Pepsico und wird im Mai 2001 Finanzvorstand.2006 wird sie am 1. Oktober Vorstandschefin.
Vita von Mary Minnick1960 wird sie im Mittleren Westen der USA geboren. Sie macht ihren MBA-Abschluss.1983 startet sie bei Coca-Cola und wird später Japan-Chefin.2001 übernimmt sie das Asien-Geschäft.2005 wird sie Marketingvorstand.
Dieser Artikel ist erschienen am 17.08.2006