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Auf Nummer sicher gehen

Peter Nederstigt
Auch wenn sich Selbstständige nicht versichern müssen: Spätestens wenn feststeht, womit und wann sie sich selbstständig machen, sollten sie sich mit der privaten und betrieblichen Vorsorge befassen. In dieser Folge geht es um die persönliche Absicherung.
Auch wenn sich Selbstständige nicht versichern müssen: Spätestens wenn feststeht, womit und wann sie sich selbstständig machen, sollten sie sich mit der privaten und betrieblichen Vorsorge befassen. In dieser Folge geht es um die persönliche Absicherung.

"Gerade die wird sehr spärlich beachtet, weil die Gründer zunächst jede Mark umdrehen", meint Jörg Heidemann, Fachreferent beim Deutschen Versicherungs-Schutzverband (DVS). Dabei gilt: "Alle Versicherungen, die ein Arbeitnehmer hat, sind ratsam." So bringen es Gunter Kästner und Jürgen Mönch in ihrem Buch "Endlich selbständig!" auf den Punkt.

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Im Gegensatz zu Angestellten können Selbstständige unabhängig von der Höhe ihres Einkommens in die private Krankenversicherung eintreten. Sie können sich aber auch innerhalb von drei Monaten für die freiwillige Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenversicherung entscheiden, falls sie zuvor gesetzlich krankenversichert waren.

Für die gesetzliche Krankenversicherung spricht, dass Familienmitglieder beitragsfrei mitversichert sind. Die private Konkurrenz lockt mit der freien Wahl der Leistungen und günstigeren Beiträgen - vorausgesetzt, der Versicherte tritt früh ein und hat keine chronischen Krankheiten.

Die Beiträge für die freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung richten sich nach dem steuerpflichtigen Gewinn. "Dabei wird ein Mindesteinkommen von rund 1.720 Euro monatlich zu Grunde gelegt", erklärt Markus Kern, Referent bei der AOK Rheinland. Wer mehr verdient, wird in eine höhere Beitragsklasse eingestuft.

Bei der AOK Rheinland zahlen freiwillig Versicherte mindestens 200 Euro pro Monat für die Krankenversicherung und 320 Euro, wenn sie zusätzlich eine Krankentagegeldversicherung abschließen, die bereits ab der dritten Krankheitswoche eintritt. "Sie macht gerade bei Ein-Mann-Betrieben Sinn", meint Kern. Der Versicherte erhält 80 Prozent seiner üblichen Einkünfte und muss keine Beiträge an die gesetzliche Krankenkasse zahlen - sofern er einen Verdienstausfall nachweisen kann.

Bei Unfällen während der Arbeit oder bei der An- und Abreise sowie bei Berufskrankheiten, die zur Invalidität führen, zahlt die Unfallversicherung der zuständigen Berufsgenossenschaft, in der sich Selbstständige freiwillig versichern können. Unfälle in der Freizeit können mit einer privaten Unfallversicherung abgedeckt werden. Allerdings vertritt Friedrich von Collrepp in seinem Handbuch Existenzgründung die Auffassung: "Das Risiko der Invalidität wird besser mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgesichert." Sie ist meist in den Leistungen der relativ preisgünstigen berufsständischen Versorgungswerke enthalten.

Diese würden jedoch nur dann eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente grundsätzlich zahlen, wenn der Versicherte seine berufliche Tätigkeit komplett aufgeben muss, warnt die Gerling-Versicherung auf ihrer CD-Rom "Existenzgründung in freien Berufen". Private Berufsunfähigkeitsversicherungen zahlen auch, wenn der Betroffene seinen Beruf noch stundenweise ausüben kann. Dagegen hat die gesetzliche Rentenversicherung die Leistungen bei Berufsunfähigkeit stark gestutzt.

Trotzdem kann es für Selbstständige sinnvoll sein, in der gesetzlichen Rentenversicherung zu bleiben, um die Altersvorsorge auf mehrere Pfeiler zu stellen. Sie können sich innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit auf Antrag pflichtversichern lassen oder freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung werden. Pflichtversicherte Selbstständige zahlen 19,1 Prozent ihres Einkommens oder einen Regelbeitrag von derzeit 855,68 Mark, freiwillig Versicherte können einen Beitrag zwischen 120,33 und 1.661,70 Mark (jeweils alte Länder) frei wählen.

Ob es sich lohnt, lässt man sich am besten beim Rentenversicherer ausrechnen. "Entscheidet sich ein Selbstständiger gegen die gesetzliche Rentenversicherung, so bleiben seine Ansprüche bestehen, wenn er mindestens fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt hat", erklärt Renate Thiemann von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA). "Ansonsten kann er sich seine Beiträge mit 65 Jahren auszahlen lassen."

Eine Alternative oder Ergänzung bieten private Rentenversicherungen, die eine lebenslange Rente versprechen, oder Kapital-Lebensversicherungen, bei denen die Altersvorsorge mit der Versorgung der Hinterbliebenen verknüpft ist. Sie kann mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung gekoppelt werden. Allerdings stehen Kapital- Lebensversicherungen nicht gerade im Ruf, rekordverdächtige Renditen zu erwirtschaften. Wer die will, setzt lieber auf Investmentfonds und muss dafür ein höheres Risiko in Kauf nehmen - aber das ist man ja als Unternehmer gewohnt.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.12.2001