Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Auf einmal ist er Opel-Chef

Von C. Herz und J. Hofmann
Der Techniker Hans Demant wird überraschend Vorstandschef der Adam Opel AG. Allerdings wird er bei allen wichtigen Entscheidungen das Sagen anderen überlassen müssen. Der starke Mann bei Opel bleibt sein Vorgänger Carl-Peter Forster.
Hans Demant
FRANKFURT/M. Hans Demant kennt keinen Dünkel. Als der Bundeskanzler bei der Einweihung des neuen Stammwerks in Rüsselsheim kurzfristig das Programm ändert und eine Testfahrt mit dem neuen Vectra vorschlägt, springt der Opel- Entwicklungsvorstand ein. Er chauffiert den silbergrauen Mittelklassewagen persönlich zum Frankfurter Flughafen und überlässt das Steuer dort Gerhard Schröder.Diese Episode spiegelt Demants künftige Rolle wider. Der introvertierte Techniker mit dem grauen Vollbart wird zwar bei Opel ganz vorne sitzen, aber das Steuer bei wichtigen Entscheidungen anderen überlassen müssen. Ende kommender Woche wird er nach Informationen aus Unternehmenskreisen offiziell als Vorstandschef der Adam Opel AG vorgestellt. Doch starker Mann bleibt sein Vorgänger Carl-Peter Forster.

Die besten Jobs von allen

Der wechselt überraschend in die Spitze der europäischen Zentrale der Muttergesellschaft General Motors nach Zürich, wo die Amerikaner die Macht ihrer europäischen Marken bündeln wollen. Damit verliert auch Opel einen Teil seiner Unabhängigkeit. Demant wird an Forster berichten, der ein Büro in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim behält.Diese Rollenverteilung dürfte Demant, eher klein von Statur, ganz recht sein. Er gilt als leiser Manager, der sich ungern in den Vordergrund drängt. Er sei, beschreibt ihn ein Opel-Kollege, unbestritten ein versierter Entwicklungschef, aber eben ?kein Manager-Pop-Star?.Anders der ehemalige BMW-Manager Forster: Er hat der Marke mit dem Blitz im Emblem in seinen drei Jahren an der Opel-Spitze wieder ein Gesicht gegeben. Der Autohersteller hat häufig betont, wie wichtig es für die Marke sei, dass an ihrer Spitze eine charismatische Identifikationsfigur stehe, die den Hersteller auch in den Medien vertrete. Forster galt dafür als idealer Kandidat.Diese Aufgabe wird er weiter wahrnehmen, zumindest so lange, bis Demant in seine neue Position hineingewachsen ist. Außerdem wird Forster nach Informationen aus Unternehmenskreisen voraussichtlich den Opel-Aufsichtsratsvorsitz von Hans Barth übernehmen.Die neue Konstellation mit Forster als starkem zweiten Mann in Zürich hinter Europachef Fritz Henderson sowie Demant als seinem Platzhalter in Rüsselsheim zeigt exakt die neuen Machtverhältnisse im Europageschäft des weltgrößten Autokonzerns auf. Künftig spielt die Musik in der GM-Zentrale in Zürich. Das eigentliche Herz von Opel schlägt also noch stärker als zuvor in seinem Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (ITZ), das die Basis für alle GM-Mittelklassewagen entwerfen soll. So macht der überraschende Wechsel des Entwicklungsvorstands Demant an die Opel-Spitze durchaus Sinn.Der 53-Jährige kennt das Unternehmen zudem wie kaum ein Zweiter. Der Mann, der in der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, wird intern bei den Opelanern wohl leichtes Spiel haben. Er ist nicht der Typ des perfekt gestylten Managers, sondern jemand, der die Sprache der Leute am Band spricht. Er sei sich nicht zu schade, bei Problemen das Sakko auszuziehen und die Ärmel hochzukrempeln, berichten Mitstreiter.Lesen Sie weiter auf Seite 2Schwieriger wird seine Außendarstellung. Der gelernte Diplom-Ingenieur hielt sich bislang bei öffentlichen Auftritten stets im Schatten von Forster. Er überließ ihm die große Bühne. Es sei denn, die Technik stand im Mittelpunkt. Demant lief schnell zur Höchstform auf, wenn er beispielsweise auf Fachkongressen ausführlich über ?die Vorzüge der Brennstoffzelle? oder über ?ein neues Chassis für Mittelklassewagen? referieren konnte.Der Vater zweier Kinder ist wie Carl Peter Forster ein echter ?Car Guy?. Die Faszination für Autos war ausschlaggebend für seine Berufsentscheidung. Bereits als Jugendlicher werkelte er stundenlang mit wachsender Begeisterung in der Auto- und Motorradwerkstatt seines Onkels. Und heute noch tauscht er allzu gerne seinen Anzug gegen ein Rennsportdress. So wird er an diesem Sonntag wieder selbst beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring in der Eifel an den Start gehen.Dass er es versteht, aufs Tempo zu drücken, hat er nicht nur als Hobby-Rennfahrer, sondern auch als Entwicklungschef bewiesen. Beispiel Sanierungsprogramm Olympia: Er sollte mit seiner Abteilung ein Drittel mehr Autos entwickeln als im gleichen Zeitraum zuvor. Dieses Ziel hat er nach Aussagen aus dem Unternehmen sogar übererfüllt. Innerhalb kurzer Zeit brachte er den Zweisitzer Tigra ebenso zur Serienreife wie den Signum, das neue Oberklassemodell, mit dem Opel sein immer noch biederes Image verbessern will.Aber auch in der GM-Zentrale in Detroit genießt Demant schon länger ein hohes Ansehen. Die Amerikaner beförderten ihn vor drei Jahren zu ihrem obersten Entwickler in Europa.Demants Aufstieg dürfte vor allem der Entwicklungsmannschaft in Rüsselsheim Auftrieb geben. Das letzte Wort ist zwar noch nicht gesprochen, aber jetzt stehen die Zeichen günstig, dass Opel für die Produktion eines Prestigefahrzeugs oberhalb des Signums grünes Licht bekommt. ?Technisch sind wir so weit?, verriet Hans Demant vor kurzem. ?Aber wir rechnen noch, wie sich der Wagen rentiert.? Nun wird er noch genauer rechnen. Denn künftig ist er für die gesamten Opel-Ergebnisse verantwortlich.
Dieser Artikel ist erschienen am 11.06.2004