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Auf die Schnelle Geld retten

Das Jahr ist noch nicht gelaufen: Was Arbeitnehmer, jobbende Studenten und Selbstständige auf den letzten Metern tun können, um die Steuern für 2002 zu drücken. Und welche Investitionen sie besser ins nächste Jahr verschieben.
Das Jahresende rückt näher - und damit die nächste Steuererklärung. Noch ist Zeit, an der Steuerschraube 2002 zu drehen. Etwa, indem Sie bis zum 31. Dezember noch das eine oder andere kaufen, was Sie absetzen können. Bevor Sie wild drauflos shoppen: Verschaffen Sie sich einen Überblick, was Sie in den vergangenen Monaten bereits ausgegeben haben. Opfern Sie einen Herbstabend, um die Schublade oder den Schuhkarton mit Ihren Belegen zu sortieren.

Die Mühe lohnt: Laut Bund der Steuerzahler schenken die Deutschen dem Staat jedes Jahr eine halbe Milliarde Euro, weil sie entweder keine Steuererklärung abgeben oder nicht alle gesetzlichen Abzugsmöglichkeiten ausnutzen. Damit Sie optimal vorbereitet sind, hier die wichtigsten Last-Minute-Tipps:

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Werbungskosten
Als Werbungskosten können Sie zum Beispiel Fahrtkosten, Arbeitsmittel oder Aus- und Weiterbildungskosten absetzen. Ohne Einzelbelege zieht das Finanzamt eine Arbeitnehmerpauschale von 1.044 Euro ab. Über diese Grenze kommt man schnell - Berufspendler meist schon durch die Entfernungspauschale. Die beträgt für die ersten zehn Kilometer 0,36 Euro, für jeden weiteren 0,40 Euro. Wer jeden Tag 15 Kilometer zur Arbeit zurücklegt, kommt allein mit den Fahrtkosten auf 1.232 Euro. Ob zu Fuß, per Fahrrad, Bahn oder Auto, ist dabei völlig egal

Wer mit seinen bisherigen Ausgaben bereits über der Werbungskostenpauschale liegt und noch dazu in diesem Jahr richtig gut verdient hat, sollte Anschaffungen, die in den nächsten Monaten sowieso geplant sind, noch vor Jahresende machen. Wenn Sie dagegen 2002 nicht voll gearbeitet haben, weil Sie zwischendurch arbeitslos waren oder erst vor wenigen Monaten Examen gemacht haben, sollten Sie den Großeinkauf besser auf Januar verschieben.

Generell können auf der Einkaufsliste Arbeitsmittel wie Schreibtisch und Bücherregal für das häusliche Arbeitszimmer stehen, aber auch Fachbücher, Computer, Drucker oder Taschenrechner. Nicht vergessen: Die Kosten für alle Gegenstände, die teurer als 410 Euro sind, müssen Sie über mehrere Jahre verteilen (abschreiben). Für Computer, Notebooks, Drucker, Scanner und Co. nimmt das Finanzamt eine übliche Nutzungsdauer von drei Jahren an. Selbstständige und Freiberufler, die in den kommenden zwei Jahren neue Büromöbel, Computer, Drucker oder Scanner anschaffen wollen, können schon jetzt über die so genannte Anspar-Abschreibung Steuern sparen. 40 Prozent der geschätzten künftigen Anschaffungskosten dürfen sie vorab von den Einkünften abziehen.

Studenten
Wollen Studenten das Kindergeld ihrer Eltern nicht gefährden, dürfen sie maximal 7.188 Euro pro Jahr verdienen. Für alle, die im laufenden Jahr bereits mehr als erlaubt kassiert haben, gibt es aber eine Last-Minute-Chance, wieder unter die magische Grenze zu kommen und damit das Kindergeld noch zu retten: Sie müssen ihre Werbungskosten anheben. Denn wie normale Arbeitnehmer können jobbende Studenten Werbungskosten abziehen - entweder pauschal 1.044 Euro oder die tatsächlichen Kosten, wenn sie drüber liegen.

Da die Eltern sonst das Kindergeld zurückzahlen müssen, lassen sie sich vielleicht auf einen Deal ein: Sie sponsern zu Weihnachten einen neuen Computer, Laptop oder andere Gegenstände, die Sohn oder Tochter als Werbungskosten absetzen kann.

Bewerbungskosten
Wer in diesem Jahr zwar viel Geld für Bewerbungen ausgegeben, aber nichts verdient hat, kann die Kosten als "vorab entstandene Werbungskosten" geltend machen und ins nächste Jahr übertragen. Absetzen können Sie beispielsweise die Kosten für Bewerbungsfotos, Kopien, Beglaubigungen, Bücher und Kurse mit Bewerbungstipps sowie Fahrtkosten zu Vorstellungsgesprächen.

Wichtig: Alle Belege aufheben und für 2002 auf jeden Fall eine Steuererklärung machen - auch wenn Sie keine Einnahmen hatten. Das Finanzamt stellt dann einen Verlust fest, der im kommenden Jahr Ihre Steuern reduziert.

Sonderausgaben
Eigentlich mindern Privatausgaben die Steuern nicht. Eine Ausnahme bilden Sonderausgaben wie Kirchensteuer, Steuerberatungskosten, Unterhaltsleistungen an Ex-Partner oder Spenden. Die Pauschale ist seit 2002 gesunken und liegt für Alleinstehende nur noch bei 36, für Ehepaare bei 72 Euro. Wer ohnehin schon über diese Pauschale kommt, etwa weil er Kirchensteuer zahlt, sollte ein paar Einkäufe vorziehen, um mehr absetzen zu können; beispielsweise Steuerfachbücher oder -Software für private Zwecke kaufen. Auch Spenden für die Flutopfer oder die vorweihnachtliche Überweisung an eine Hilfsorganisation gehen als Sonderausgaben durch. Bis 100 Euro genügt dem Finanzamt der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank.

Aussergewöhnliche Belastungen
Unter außergewöhnliche Belastungen fallen Krankheitskosten, die nicht von der Krankenkasse erstattet werden, oder auch die Gerichtskosten einer Scheidung. Ausgaben bis zu sieben Prozent der Gesamteinkünfte muss jeder Steuerzahler aus eigener Tasche bezahlen. Alles was darüber liegt, reduziert die Steuern

Interessant für Opfer der Jahrhundertflut: Wer vom Hochwasser betroffen war, kann den Fiskus beteiligen, wenn das Haus renoviert, Möbel und Kleidung ersetzt werden müssen. Daher auf jeden Fall erst mal alle Quittungen aufheben und am Jahresende ausrechnen, ob man über den zumutbaren Eigenanteil kommt. Erhaltene Ersatzleistungen von Versicherungen und aus öffentlichen Töpfen werden abgezogen.

Kinderbetreuungskosten
Seit Beginn dieses Jahres können Eltern die Kosten für Kindergartenplatz oder Tagesmutter absetzen. Voraussetzung: Vater und Mutter arbeiten beide (ein 325-Euro-Job reicht aus) und das Kind ist unter 14 Jahre alt. Dann können für die Betreuung bis zu 1.500 Euro geltend gemacht werden, sofern die Kosten insgesamt über 1.548 Euro liegen. Nicht vergessen: Rechnungen von Tagesmutter und Babysitter sammeln.

Eigenheimzulage
Die bisherige Wohnbau-Förderung wird voraussichtlich zum 31. Dezember dieses Jahres abgeschafft. Wer vorhat, selbst zu bauen oder ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sollte noch vor Sylvester den Bauantrag stellen beziehungsweise den Kaufvertrag unterschreiben, rät Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Nur so sichert man sich noch die alte Eigenheimförderung

Bisher gab es für Neubauten acht Jahre lang bis zu 2.556 Euro pro Jahr, beim Kauf eines Altbaus waren es bis zu 1.278 Euro jährlich. In Zukunft kommen nur noch Eltern in den Genuss einer Förderung. Pro Kind soll es voraussichtlich jährlich 1.200 Euro Baukindergeld geben.

Steuererklärung 2000
Absolute Deadline für die Steuererklärung aus dem Millenniumjahr ist der 31. Dezember 2002. Wer diesen Termin versäumt, hat keine Chance mehr, seine zu viel gezahlte Steuer (plus Soli-Zuschlag und Kirchensteuer) aus dem Jahr 2000 zurückzuverlangen.

Katja StrickerNachschlag

Ratgeber spezial Lohnsteuer. Broschüre der IG Metall zum Download unter www.igmetall.de/recht_und_rat/steuererklaerung.html.

Steuertipps für alle Steuerzahler. Broschüre des Finanzministeriums NRW zum Download unter www.fm.nrw.de, Stichwort "Infos für Steuerzahler" und "Broschüren".

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Dieser Artikel ist erschienen am 10.12.2002